Die „Schmalegger Dreieinigkeit“ verändert ihr Gesicht

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Bald Geschichte ist diese markante Schmalegger Dorfsilhouette mit Kirche, Schule, Rathaus und Gasthaus. Die seit Jahren leer stehende Gaststätte „Zum Kreuz“ (rechts) wird bald abgerissen und durch einen Komplex von zwei kleineren und einem größeren Wohnhaus ersetzt. (Foto: Anton Wassermann)
Schwäbische Zeitung
Anton Wassermann

Der letzte Sonntagsfrühschoppen im Gasthof „Zum Kreuz“ in Schmalegg liegt fast 30 Jahre zurück. Als die inzwischen verstorbenen Wirtsleute noch gesund waren, öffneten sie auch noch gelegentlich den Saal für private Feiern und geschlossene Gesellschaften. Doch damit ist schon lange Schluss. Die Erben haben das Anwesen an einen privaten Bauträger verkauft. Und der darf es nun abreißen und an seiner Stelle 20 Geschosswohnungen errichten. Bei nur einer Gegenstimme hat der Ortschaftsrat in seiner jüngsten Sitzung das Vorhaben gebilligt.

Damit zerschlägt sich die letzte Hoffnung, dass die unmittelbare Nachbarschaft zur „Schmalegger Dreieinigkeit“ aus Kirche, Schule und Rathaus mit einer Wiederbelebung der traditionsreichen Dorfwirtschaft wieder hergestellt werden könnte. Die Kinder der verstorbenen Wirtsleute hatten ihr berufliches Glück außerhalb der Gastronomie gefunden. Bereits ihr Vater war nur noch im Nebenberuf Wirt gewesen, nachdem sich in den 1980er-Jahren neben der neu errichteten Ringgenburghalle eine Speisegaststätte etabliert hatte. Doch auch sie ist nach diversen Pächterwechseln und dem Umbau in ein Dorfgemeinschaftszentrum mit Vereinsräumen und kleinem Saal inzwischen Geschichte.

Das Gasthaus „Zum Kreuz“ stand seit vielen Jahren leer und verfiel zusehends. Nur das vor wenigen Jahren erweiterte Nebengebäude war noch bewohnt.

Aus Denkmalliste gestrichen

Es gab immer wieder Bemühungen, das bis Sommer 2012 unter Denkmalschutz stehende Gebäude wieder im ursprünglichen Sinne zu nutzen. Der hohe bauliche Aufwand für eine denkmalgerechte Sanierung und die unsicheren Aussichten auf eine nachhaltige Wirtschaftlichkeit standen dem im Wege. Als das Anwesen von der zuständigen Behörde aus der Denkmalliste gestrichen wurde, war der Weg geebnet für einen Abriss und einen Neubau mit Geschosswohnungen. Ein privater Investor kaufte die Immobilie und reichte ein Baugesuch ein. Ursprünglich wollte er zwei größere Gebäude errichten. Das Grundstück ist nicht in einem Bebauungsplan erfasst. Es gelten hier allgemeine Vorgaben, wonach sich ein Projekt in Größe und Gestalt in die Umgebung einpassen muss. So setzte der Ortschaftsrat in Verhandlungen mit dem Investor durch, dass der Komplex auf ein größeres und zwei kleinere Gebäude aufgegliedert wird mit zwölf beziehungsweise zweimal sechs Wohnungen. Der zur Dorfwiese gewandte Hauptbau erhält ein Satteldach und wird in seinen Dimensionen in etwa dem bisherigen Gebäude entsprechen. Der ursprünglich vom Investor gewünschte Flachdachbau ist somit vom Tisch. „Die bisherige Silhouette wird sich dennoch verändern“, sagt Ortsvorsteherin Manuela Hugger. Sie hält – wie die große Mehrheit des Ortschaftsrats – den Einschnitt ins Dorfbild aber für vertretbar.

Aber auch andere Gründe haben die meisten Mitglieder des Ortschaftsrats dazu bewogen, dem Vorhaben zuzustimmen. „In Schmalegg fehlen Wohnungen sowohl für Familien, die sich kein eigenes Haus leisten können, als auch für ältere Menschen, denen ihr Eigenheim zu groß geworden ist und die aber am Ort bleiben wollen“, sagt CDU-Ortschaftsrat Roland Koch. Deshalb begrüßt er es, dass das Projekt zumindest in Teilen barrierefrei ausgerichtet ist. Das Objekt erhält eine Tiefgarage mit der Zufahrt gegenüber dem Feuerwehrhaus und einige oberirdische Stellplätze. Dem Ortschaftsrat war es wichtig, dass der Weg zu den Stellplätzen hinter dem Rathaus und bei der Schule frei bleibt.

Die einzige Gegenstimme kam von der grünen Ortschaftsrätin Brigitte Lichtner. Sie hält die Bebauung auch in der jetzt genehmigten Form für zu massiv und kann außerdem den Eingriff in das Ortsbild nicht mittragen. Doch das ändert nichts daran, dass bereits in wenigen Wochen der Abrissbagger anrücken wird.

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