Die Oberstadtagenda gibt nicht auf

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Bessere Lebensverhältnisse für die Bewohner der Oberstadt (im Bild die Marktstraße) will die Agendagruppe Oberstadt erreichen.
Die Oberstadtagenda gibt nicht auf (Foto: Bernd Adler)
Schwäbische Zeitung
stellv. Redaktionsleiter

Die Gründung der Agendagruppe Oberstadt jährt sich am 3. Februar zum dritten Mal. Als ihr größtes Verdienst sieht die Gruppe die Tatsache, dass es auf ihr Drängen hin im vergangenen Jahr amtliche Luftschadstoffmessungen in Ravensburg gab. Ansonsten fällt das Fazit eher durchwachsen aus. Aber, so Sprecher Manfred Lenz: „Wir geben nicht auf.“

Vorläufer der Agendagruppe war das Oberstadtforum, das die Gemeinwesenarbeiterin des Mehrgenerationenhauses Gänsbühl, Susanne Weiß, bereits 15 Jahre zuvor initiiert hatte. Das Forum traf sich sporadisch, um Bürgeranliegen zu behandeln. Nachdem im Frühjahr 2011 der Supermarkt im Gänsbühl-Center dichtmachte, trafen sich im Herbst Anwohner, um sich mit der schwierigen Nahversorgungssituation zu beschäftigen. Damals kamen dann auch andere Themen auf den Tisch. Die Bürger klagten vor allem über Lärm, Verkehr und Vandalismus.

Um die Lebensverhältnisse im Quartier generell zu verbessern, wurde daher im Februar 2012 die Agendagruppe Oberstadt gegründet. Ihre Schwerpunkte heute: Der Kampf gegen den Autoverkehr und die Verschmutzung der Luft.

Einen leichten Stand hatte die Gruppe nie. „Alle haben uns von Anfang an unsachlich angegriffen“, sagt Sprecher Manfred Lenz. Viele Leute hätten sich gewundert, dass die Ehrenamtlichen dennoch weitermachten. Inzwischen sei das Verhältnis zu anderen Agendagruppen, zu Stadträten, Fraktionen und Verwaltung hingegen besser geworden, betont Lenz. Zahmer hat das die Aktiven nicht gemacht. Die Verkehrsberuhigung in der Oberstadt, für die sich die Agendagruppe starkmachte, habe die Stadt zwar begonnen, aber nicht fortgeführt, so Manfred Lenz. Sie verweise auf den Generalverkehrsplan fürs Mittlere Schussental, der aber erst noch erarbeitet werden muss. Lenz: „Das dauert doch mindestens fünf bis zehn Jahre, bis der kommt.“ Auch ein Lärmaktionsplan sei angekündigt worden, ebenso ein Luftreinhalteplan. Das Ergebnis, so Lenz: „Nichts ist passiert.“

Nachdem die Oberstadtagenda mehrfach auf eigene Kosten private Luftschadstoffmessungen machte, konnte sie belegen, dass die Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid in Ravensburg stellenweise erheblich überschritten werden. Dass die Stadt 2016 amtliche Luftmessungen veranlasste, schreibt sich die Gruppe auf ihre Fahnen. Schließlich hätte sie belegt, dass hier dringender Handlungsbedarf sei.

Obwohl das Fazit der Gruppe nach fünf Jahren eher nüchtern ausfällt, sagt Susanne Weiß: „Die Agendagruppe hat einen Orden verdient.“ Denn: „Wenn Bürger etwas verändern wollen, dann müssen sie es selbst in die Hand nehmen.“

Dieter Fuchs von der Agendagruppe, der sich für Luftreinhaltung starkmacht, klingt dennoch beinah verzweifelt, wenn er sagt: „Es ist nicht so, dass wir keine Möglichkeiten haben. Manche Dinge wären machbar und würden Verbesserungen bringen. Ich verstehe nicht, dass das einfach nicht umgesetzt wird.“

Unter www.oberstadt-agenda.de gibt es im Netz weitere Informationen über die Gruppe.

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