Aleksandar Zograf (links) im Gespräch bei der Vernissage.
Aleksandar Zograf (links) im Gespräch bei der Vernissage. (Foto: ric)

Comics haben in der etablierten Kunstszene oft keinen guten Stand. Dass man aber mit Comics durchaus auf anspruchsvolle Weise Geschichten erzählen kann, zeigt der serbische Künstler Aleksandar Zograf beim Neuen Ravensburger Kunstverein (NRVK) in der Ausstellung „Migrant Stories“ (Flüchtlingsgeschichten). Zur Vernissage am Donnerstag kamen rund 50 Interessierte.

Seit dem 6. Oktober läuft beim NRVK die Ausstellungsreihe „Über/Grenzen“. Im monatlichen Wechsel werden künstlerische Positionen gezeigt, die sich mit verschiedenen Aspekten der Grenzziehung oder der Grenzüberschreitung auseinandersetzen. Nicht passender hätte da die Einladung des international bekannten serbischen Comic-Künstlers Aleksandar Zograf sein können, der aus der Stadt Pancevo bei Belgrad nach Ravensburg kam.

Der 53-Jährige Journalist beschäftigt sich schon seit seiner Jugend mit dem Thema Grenzen und Comic. Mit 17 begann er damit, erste kleine Werke zu zeichnen, mit 18 schrieb er für die jugoslawische Musikzeitschrift Jukebox und kam schnell in die amerikanische Comic-Underground-Szene und veröffentlichte dort eine Vielzahl an Werken. Heute noch sagt Zograf, dass ihn besonders die amerikanischen Comics geprägt haben. Doch anders als die üblichen Witz-Comics beschäftigt sich Zograf mit den Problemen der Gesellschaft. In den 1980er-Jahren stieg Sasa Rakezic, wie Aleksandar Zograf eigentlich heißt, richtig in die Comic-Szene ein und entwickelte seinen eigenen Stil, er thematisierte den Zerfall Jugoslawiens, zeichnete den Schrecken des Krieges, gab eine Innenansicht zum Thema Sanktionen und Nato-Bombardements auf Serbien 1999, die auch seine Heimatstadt trafen. Der Kultursender Arte drehte bereits einige Beiträge über ihn.

Im Zentrum der Ausstellung stehen seine zweiseitigen Comics, die er wöchentlich in der liberalen serbischen Zeitung „Vreme“ veröffentlicht. Es sind keine fiktiven Geschichten, die Zograf im Comic erzählt, sie sind real. Bei den „Migrant Stories“ erzählt er die Geschichte der Flüchtlinge auf der Balkanroute, die 2015 durch Serbien führte. Grundlage dafür waren Interviews, die er mit Flüchtlingen führte. Aber auch skurrile Geschichte wie die von Zoran Radmilovic, einem Soldaten, der nach seiner Rückkehr in die Heimat sein Haus niederbrannte und in einem Erdloch hauste oder auch das Ende von Slobodan Milosevic.

Außerdem stellt er Werke aus, die während seiner Reisen in Europa und der Welt entstanden sind. Mit dabei unter anderem ein Strip aus Stuttgart, wo ihn der Umgang der Deutschen mit den Flüchtlingen beeindruckt. Und dann kündigte er an: „Auch über Ravensburg wird ein kleiner Comic entstehen.“

Die Werke von Aleksandar Zograf sind unbedingt sehenswert. Seine Kunst ist es, den Menschen und die Geschichte in den Fokus zu stellen, ohne jemanden zu verurteilen, aber trotzdem den Schrecken in all seiner Brutalität zu zeigen.

Der Neue Ravensburger Kunstverein (NRVK) lädt am Sonntag, 30. Oktober, um 17.30 Uhr zum Künstlergespräch mit Aleksandar Zograf ein. In dem Gespräch wird er Einblicke in sein Schaffen geben. Die Ausstellung wird bis zum 13. November in der Möttelinstraße 17 zu sehen sein. Öffnungszeiten: Donnerstag bis Samstag von 18 bis 22 Uhr, Sonntag von 15 bis 18 Uhr.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen