Die Humpis und ihre Geschäfte in Genua

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Der Museumsleiter des Humpisquartiers Andreas Schmauder (links) überreicht dem Autor Marco Veronesi den Wimpel des Rotary Clubs
Der Museumsleiter des Humpisquartiers Andreas Schmauder (links) überreicht dem Autor Marco Veronesi den Wimpel des Rotary Clubs (Foto: Helmut Voith)
Schwäbische Zeitung
Helmut Voith

Der Autor Marco Veronesi hat am Donnerstagabend im Ravensburger Humpisquarier seine in Buchform erschienene Doktorarbeit zum Thema „Oberdeutsche Kaufleute in Genua 1350-1490“ vorgestellt. Darin geht es um die große Ravensburger Handelsgesellschaft Humpis und ihr Treiben im italienischen Genua.

Nur der Professor Anton Schindling aus Tübingen, der Vorsitzende der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, die das Buch veröffentlicht hat, hat infolge des Bahnstreiks nicht an der Buchpräsentation im vollbesetzten Innenhof des Museums teilnehmen können.

So übernahm Museumsleiter Andreas Schmauder in einem eloquenten Vortrag die Vorstellung und Würdigung der ausgezeichneten Doktorarbeit über die Tätigkeit der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft in Genau. Marco Veronesis jetzt als Buch erschienene Dissertation unterstreicht die Bedeutung der Handelsgesellschaft, die sich vor der Hanse keineswegs verstecken muss – im Gegenteil.

Notariatsschriften waren Quellen

Schmauder streifte kurz die Forschungsgeschichte, nannte die bahnbrechende Arbeit von Aloys Schulte aus dem Jahr 1923 und sagte, dass der Handel über und mit Venedig gut erforscht sei, ganz anders als der Handel mit der Seerepublik Genua. In der europäischen Wirtschaftsgeschichte des Spätmittelalters habe eine empfindliche Lücke geklafft.

Mit kriminalistischem Spürsinn und den Methoden moderner Forschung habe Marco Veronesi anhand Genueser Quellen die Handelsbeziehungen oberdeutscher Kaufleute nach Genua untersucht. Mehr als hunderttausend Einträge in sehr gut geführten Notariatsschriften in Genueser Archiven seien die Hauptquelle der aufwendigen Untersuchung, die 2008 als Dissertation angenommen wurde.

Im ersten Hauptteil stellt Veronesi die Rahmenbedingungen des Handels dar. Im zweiten Hauptteil geht es um die Kaufleute, ihre Interessen und Strategien, um die Handelspraxis. Beinahe ununterbrochen war von 1435 bis zum Ende des 15. Jahrhunderts die „magna societas alemannorum“ des Jos Humpis präsent, sie gilt als das größte der oberdeutschen Handelshäuser des 15. Jahrhunderts. Die überaus erfolgreiche Handelsgesellschaft hatte entscheidenden Anteil am mediterranen Wollhandel, holte aus Katalonien die hochwertige Merinowolle, hatte auch die Absatzmärkte der Lombardei im Blick. Darüber hinaus importierten die Kaufleute mediterrane Luxusgüter wie Genueser Goldfäden, Korallen und edle Textilien, sie exportierten oberschwäbische Leinwand und beherrschten monopolistisch den Bodenseeraum.

2012 organisierte Marco Veronesi eine Ausstellung über „Die Humpis in Genua“, die 18 000 Besucher ins Humpisquartier brachte, 2015 soll eine Ausstellung den Handel der Humpis nach Barcelona in den Fokus stellen. Schmauder überreichte dem Wissenschaftler zum Dank den silbernen Humpishund und einen Wimpel des Rotary Clubs Genua.

Marco Veronesi: Oberdeutsche Kaufleute in Genua, 1350-1490. Institutionen, Strategien, Kollektive. Stuttgart: W. Kohlhammer 2014. ISBN 978-3-17-026337-6. Preis: 32 Euro.

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