Die Flusspegel steigen – aber warum wird der Sprit nicht billiger?

Lesedauer: 6 Min
Die Situation hat sich am Rhein zwar verbessert (hier ein Bild aus Zeiten massiv niedriger Pegelstände), davon merken Autofahrer
Die Situation hat sich am Rhein zwar verbessert (hier ein Bild aus Zeiten massiv niedriger Pegelstände), davon merken Autofahrer an den Tankstellen aber noch wenig. (Foto: dpa)
Digitalredakteur

Trotz Regen und steigender Pegelstände - die Benzinpreise in Süddeutschland und der Region bleiben trotz einer verbesserten Situation am Rhein weiter auf einem hohen Niveau. Auch der ADAC Württemberg kritisiert die unverändert hohen Preise an den Zapfsäulen: "Die aktuellen Spritpreise sind aus Sicht des ADAC nach wie vor deutlich zu hoch. Hier ist definitiv noch Spielraum für Preissenkungen vorhanden", sagte ein Sprecher auf Anfrage von schwäbische.de.

Der Mineralölwirtschaftsverband hatte zuletzt die hohen Benzinpreise immer wieder vor allem mit dem Niedrigwasser des Rheins begründet. Wegen des anhaltenden Niedrigswassers auf Rhein, Main und Elbe musstee ein Teil der Kraftstofftransporte auf Kesselwagen der Bahn oder auf Lkw verlagert werden.

In der Tat hat sich der Benzinpreis in den vergangenen Tagen in Baden-Württemberg kaum bewegt. So variiert der Preis für einen Liter Diesel zwischen 1,41 Euro und 1,46 Euro, wie die Zahlen des Portals mehr-tanken.de für das Bundesland zeigen.

Im gleichen Zeitraum hat sich der Pegel des Rheins durch die vielen Regenfälle aber deutlich verbessert. Wie Messungen des Landesamts für Umwelt Rheinland-Pfalz für den Pegel am Standort Koblenz zeigen, stieg der Rhein zuletzt kontinuierlich an (von 0,93 Meter am 03. Dezember auf 2,01 Meter drei Tage später.).

Pegelstand des Rheins und Dieselpreis in Baden-Württemberg im Vergleich

Im Gespräch mit schwäbische.de sagte Alexander von Gersdorff, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des Mineralölwirtschafsverbands: "Es besteht immer noch Knappheit bei Kraftstoffen in den Regionen, die vom Rhein-Niedrigwasser betroffen sind. Wir müssen für den ungünstigsten Fall damit rechnen, dass eine reibungslose Versorgung erst im kommenden Frühjahr wiederhergestellt ist. Dazu müssen die Tanklager entlang des Rheins wieder normale Füllstände erreicht haben und keine Ersatztransporte auf dem Landweg mehr erforderlich sein."

Spekulationen, an der Situation des Niedrigwassers der Flüsse im Land würden Tankstellen mehr verdienen, weist er zurück. Der Tankstellenwettbewerb sei unverändert intensiv.

Wir müssen für den ungünstigsten Fall damit rechnen, dass eine reibungslose Versorgung erst im kommenden Frühjahr wiederhergestellt ist Alexander von Gersdorff, Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbands

Schifffahrtverband widerspricht

Der Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt, Jens Schwanen, zog eine etwas andere Bilanz. Die Lage am Nieder-, Mittel- und Oberrhein habe sich deutlich entspannt, so Schwanen gegenüber Spiegel Online. Wenn es stimmen würde, dass die niedrigen Pegelstände verantwortlich für die hohen Spritpreise seien, müssten sich die Preise an den Tankstellen eigentlich jetzt schnell wieder normalisieren, so Schwanen weiter.

Davon ist allerdings noch wenig in der Region zu sehen. Derzeit bewegen sich die Preise, beispielsweise für einen Liter Super E10 laut ADAC deutlich über dem Bundesdurchschnitt (derzeit rund 1,47 Euro).

Besonders pikant: Gerade im Südwesten sei dem ADAC zufolge noch viel Potential für niedrigere Kraftstoffpreise vorhanden, da der Rohölpreis seit Anfang Oktober um mehr als 25 Prozent gesunken ist. Und der Preisverfall geht weiter: An der Börse in London gab der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent um mehr als vier Prozent nach und sank am Mittag unter die Schwelle von 60 Dollar.

Gerade im Südwesten ist noch viel Potenzial für niedrigere Kraftstoffpreise vorhanden. Sprecher des ADAC Württemberg

Vom ADAC Württemberg heißt es dazu: Speziell im Vergleich zu anderen Gegenden in Deutschland kommt die Region schlecht weg. Für einen Liter E10 zahle man beispielsweise in Berlin nur rund 1,33 Euro, in Hamburg 1,32 Euro.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen