„Die eigene Seele muss da rein“

Lesedauer: 6 Min
 Karl Frierson
Karl Frierson (Foto: Archiv)
Babette Caesar

Karl Frierson, wer ist das? Vielen ist die Band DePhazz ein Begriff, die 1997 in Heidelberg gegründet wurde und Weltklasse erreichte. Der US-Amerikaner Karl Frierson ist Mitinitiator und Sänger dieser Formation. Am Freitag, 10. Mai, um 20 Uhr eröffnet er und seine Soullatte Band die Ravensburger Jazznacht „Jazztime in Town“ im Bärengarten. Was verbindet den umtriebigen Soulsänger und Entertainer mit dieser Region?

Hört man ihm beim Erzählen von sich und seiner Geschichte zu, nimmt sie einen augenblicklich gefangen. Karl Frierson, 1986 in Florence in South Carolina geboren, kennt kaum Schwellenängste. Er ist direkt, sagt, was er denkt und lässt keinen Zweifel daran, dass die Musik sein Leben, seine Seele ist. Bis es so weit war, durfte er allerdings einige Hürden überwinden. Sein Gesangstalent kristallisierte sich früh heraus, so dass er mit neun Jahren beschloss, ein „International Entertainer“ zu werden. Heute lacht er, wenn er das sagt. Musste er sich damit immerhin gegen die Familie durchsetzen, die ihn lieber als Medizinstudent gesehen hätte. Nur dass ihn Soul, Funk und Jazz längst fest im Griff hatten, er mit seiner mehrere Oktaven umfassenden Stimme Wettbewerbe gewann bis hin zu einem Angebot für ein Stipendium, um in Italien klassische Musik zu studieren. Stattdessen ist er nach Deutschland gelangt – als Sergeant der US-Armee stationiert in Erlangen, Frankfurt und schließlich Heidelberg. Doch auch hier dauerte es nicht lang, dass sich Wege auftaten, und er sein Talent ausleben konnte. Bis 1990 klar war, sich ganz und gar dieser Leidenschaft zu widmen.

Lindau ist Friersons zweite Heimat

Karl Frierson lebt seit 2007 in Lindau, nachdem seine ehemalige Frau, eine Lindauerin, sich für eine Rückkehr in ihre Heimat entschied. Das war kein leichter Schritt, aber er ist geblieben. Viele Jahre sei es hart gewesen. Mit den Menschen hier. Nur allein, wenn er mit dem Hund spazieren gegangen sei, konnte es passieren, dass er von der Polizei nach seinen Papieren gefragt wurde. Wo er herkomme und warum er so gut Deutsch spreche. Gerade ist er aus Odessa zurückgekehrt und klickt einen Videoclip an, der ihn vor Publikum beim Singen und Kochen zeigt. Schon als Kind habe er gekocht. Das sei längst kein Hobby mehr, sondern Beruf. Songtitel wie “Cooking up soul“ – so das Motto, so dass zu jedem Song ein Gericht entstehe. Ein Leben ohne Essen, ein Leben ohne Musik – geht das? Nein. Mit DePhazz (Abkürzung für „Destination Future Jazz“), das Jazz, Soul, Latin, Dub und Lounge mit Sampling verbindet, hat Frierson 2001 den Durchbruch geschafft. Bis heute tourt er mit dieser Band, hat aber mit „Soulprint“ 2006 auch sein Debüt-Soloalbum herausgebracht. Darin konzentriert er sich vermehrt auf seine groovenden Roots – auf Jazz, Funk und Soul.

Auf die Frage, wie es zu dem Gig jetzt im Bärengarten bei Jazztime in town gekommen ist, erzählt er von einem Auftritt vor zwei Jahren im Hotel Waldhorn. Da sei der Kontakt zum Verein Jazztime Ravensburg entstanden. Statt mit den Soulprints wird er mit der Soullatte Band auftreten und den Fokus auf Neo Soul und Smooth Jazz richten. Also weniger eine funky Party anvisiert, was aber nicht heißt weniger Power. Mit Sänger Karl Frierson werden die Gitarristin Yasi V Hofer aus Ulm zusammen mit Keyboarder Christof Waibel aus Österreich und Drummer Nick Thomas aus der Schweiz stehen. Mit dem in der Schweiz lebenden Bassisten Marc Ray Oxendine, der gebürtig aus North Carolina stammt, verbindet Frierson eine gemeinsame Herkunft. Ob er irgendwann einmal wieder in die Staaten zurückkehren wollte? „Ein bisschen, aber jetzt nicht mehr“, antwortet er spontan. Selbst komponierte Songs wird er nach Ravensburg mitbringen und Bekanntes aus den Charts interpretieren. In seinem eigenen Stil, denn „die eigene Seele muss da rein.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen