Der Weltuntergang kann noch warten

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 Aufmerksam lauschte Jan Fleischhauer vor seiner Rede den Erklärungen von OB Daniel Rapp (links). Auf den Auftritt des Gastredne
Aufmerksam lauschte Jan Fleischhauer vor seiner Rede den Erklärungen von OB Daniel Rapp (links). Auf den Auftritt des Gastredners freuten sich ferner MdB Axel Müller und MdL August Schuler (rechts). (Foto: Anton Wassermann)
Anton Wassermann

Was für die einen den Ursprung allen Übels darstellt, ist für andere – insbesondere Mitglieder und Anhänger der Unionsparteien – ein sicherer Fels in der Brandung: das Konservative. Bei seinem Neujahrsempfang am Freitagabend im Schwörsaal wollte der Kreisverband Ravensburg der Jungen Union von einem profilierten „Spiegel“- Kolumnisten und Fernsehjournalisten wissen, was aus seiner Sicht den Konservativismus ausmacht und lud dazu Jan Fleischhauer ein.

Das interessierte nicht nur den Parteinachwuchs, sondern auch viele aktive und emeritierte Amtsträger. Ob allerdings alle CDU-Gliederungen beiderlei Geschlechts, die MdB Axel Müller in seiner Begrüßung aufzählte, im Publikum vertreten waren, ist eher unwahrscheinlich.

Zweck der Übung war es eher aufzuzeigen, wie vielschichtig eine Partei sein kann, die sich offen zum konservativen Lager bekennt und darin keinen Widerspruch zum Fortschritt sieht. Müller wie Oberbürgermeister Daniel Rapp führten Ravensburg als Beispiel dafür an, wie eine Stadt ihre über Jahrhunderte gewachsenen Traditionen an die Erfordernisse der Zeit anpassen kann, ohne sie zu zerstören.

Darauf ging der in München lebende Jan Fleischhauer allerdings nicht ein, sondern analysierte mit unverkennbar ironischem Unterton die politische Kultur der Gegenwart. Dabei machte er eine fast panische Gereiztheit im linken wie im äußerst rechten politischen Lager aus.

Sie schüre bei vielen Linken eine bisweilen absurde Hysterie, etwa in Ernährungsfragen, erzeuge im ganz rechten Lager hingegen eine Sehnsucht nach einer Idylle, die es nie gegeben hat und nie geben wird. Beiden gemeinsam sei eine erschreckende Humorlosigkeit, verbunden mit dem absoluten Glauben an die eigene Unfehlbarkeit.

Politik werde dabei immer stärker moralisiert und diene immer weniger dem Ausgleich von Interessen. Dabei schätzen laut Fleischhauer die Menschen in der Politik nichts mehr als Verlässlichkeit: „Wie könnte es sonst sein, dass eine Frau wie Angela Merkel so lange Kanzlerin ist und Frank-Walter Steinmeier so hohe Zustimmungswerte hat?”

Als charakteristisches Merkmal des Konservativen bezeichnete der Redner die Gelassenheit. Überlegtes Handeln auf einer gesicherten Faktenlage sei einer hysterischen Angstmacherei in jedem Fall vorzuziehen. Und die Erfolge der AfD schmälere man nicht dadurch, dass man diese Partei verteufelt, sondern mit jenen AfD-Anhängern ins Gespräch zu kommen sucht, die einem solchen Gespräch noch zugänglich sind.

Der US-amerikanische Präsident Donald Trump habe seinen Wahlsieg ganz wesentlich der Arroganz der kulturellen Elite zu verdanken. Von dieser Arroganz habe seinerzeit auch Helmut Kohl profitiert. Kein Hehl machte Fleischhauer aber auch aus seiner Bewunderung für den CSU-Übervater Franz-Josef Strauß, den er als einen der „klügsten Köpfe der deutschen Nachkriegsgeschichte“ charakterisierte. Ein von Strauß gern zitierter Witz kam auch 2019 im Ravensburger Schwörsaal gut an: „Was passiert, wenn in der Sahara der Sozialismus eingeführt wird? Zunächst nicht viel. Aber dann wird der Sand knapp.“

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