Der umstrittene rechte Arm: „Wer kommt auf so eine Schnapsidee?“

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Unter anderem von diesem Foto von Siegfried Heiss hat sich Rainer Weishaupt für sein Rutenfest-Motiv inspirieren lassen. Weil au (Foto: Siegfried Heiss)
Schwäbische Zeitung

Für rege, mitunter erregte Debatten in der Stadt sorgt der SZ-Artikel „Das Missverständnis um den rechten Arm“ (29. Mai). Im neuen Rutenfest-Plakat von Rainer Weishaupt hatten mehrere Ravensburger einen ausgestreckten rechten Arm erkannt, der sie an den „Hitlergruß“ erinnere.

Der Grafiker hat das als „kolossales Missverständnis“ weit von sich gewiesen un d erklärt: Sieht man das komplette Motiv, erkennt man, dass es sich um einen jubelnden Landsknecht handelt, der den Reichsapfel als Trophäe in der Hand hält. Aus grafischen Gründen ist auf manc hen Rutenfest-Artikeln und dem Plakat der rechte Arm abgeschnitten. Die SZ hat Reaktionen gesammelt, vor allem aus dem Forum von schwäbische.de. Dabei herrscht überwiegend Unverständnis über die Vorwürfe.

„Als ich zum ersten Mal das neue Logo unseres Rutenfests sah, hätte ich gern über die pinken Haare des Landsknechtes geschmunzelt. Doch ich erschrak und war tief erschüttert, denn ich sah einen erhobenen und gestreckten Arm, der mich an einen Hitlergruß, und nicht an ein schönes Fest erinnert. Abstoßend und nicht zu entschuldigen. Nachdem ich nicht die Einzige mit dieser Assoziation war, frage ich mich, wie so ein Logo von der Rutenfestkommission ausgewählt werden konnte. Für mich sollte dieses Fest bunt sein und keinen Platz für braunes Gedankengut einräumen.“ (Claudia S.) „Wenn man das Logo sieht, ist mir auch schleierhaft, wie man auf so einen Gedanken (Hitlergruß) kommen kann. Dazu muss man schon die entsprechende Fantasie haben. Es gäbe weiß Gott andere braune Schatten, die man kritisieren müsste.“ („Nutzer“)

„Spaßbefreite Menschen“

„So viel Borniertheit kann es doch eigentlich nicht geben. Ich hoffe jedoch, dass sich diese spaßbefreiten Menschen nicht auf dem Rutenfest blicken lassen.“ („Bale“)

„Kein normal denkender Mensch kommt da auch auch nur ansatzweise auf so eine Schnapsidee. Wenn es nicht so furchtbar traurig wäre, dann könnte man echt darüber lachen.“ („Alexoberzell“)

„Absolut unverständlich, wie man bei einem Jubelnden einen Hitlergruß erkennen kann. Wann legt Deutschland dies endlich ab? Ich frage mich nur, welche Leute auf diese Idee kamen?“ („RV Lady“)

„Das macht mich sprachlos, dass Menschen so denken können. Ein normal denkender Mensch würde doch nie an frühere Zeiten denken. Ich mach mir da eher Sorgen um die Menschen, die so was sehen oder sehen wollen! Schlimm, dass in der heutigen Gesellschaft immer wieder Leute nur Negatives sehen, anstatt sich über das gelungene Motiv von Rainer Weishaupt zu freuen. Wenn ich meine Fotoaufnahmen vergleiche, muss ich ganz klar und deutlich feststellen, dass sich Rainer ausschließlich an den Fotomotiven eines strahlenden Schützenkönigs orientiert hat.“ („Siggi89“)

„Das Plakat drückt für mich Freude und Jubel aus und verbindet Mittelalter (Kostüm) mit der Moderne (Umsetzung, Farbgebung). Insofern halte ich den Entwurf für sehr gelungen.“ („Silenzium“)

Willy Müller, Vorsitzender der Senioren-Union Ravensburg-Weingarten und seit 55 Jahren Mitglied der Rutenfestkommission schreibt: „Ich kenne Rainer Weishaupt schon recht lange. Er ist ein froher, engagierter Ravensburger. Ihm braunes Gedankengut und den Hitlergruß zu unterstellen, ist eine Gemeinheit und muss zurückgewiesen werden. Diesen Bürgern rate ich, lernen Sie Optimismus, vertreiben Sie Ihre negativen Gedanken und freuen Sie sich mit der Ravensburger Schuljugend auf unser großartiges Rutenfest.“

Die Schwäbische Zeitung sammelt weitere Reaktionen zum Thema unter redaktion.ravensburg@schwaebische.de oder Schwäbische Zeitung, Karlstraße 16, 88212 Ravensburg.

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