Der Moodle-Ärger: User von Schwäbische.de finden deutliche Worte

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Zum Schulauftakt nach den Weihnachtsferien müssen die meisten Schülerinnen und Schüler seit Montag wieder im Homeschooling lernen. In Baden-Württemberg kommt dabei die Lernplattform Moodle zum Einsatz. Doch hier kam es bereits am Morgen zu massiven Problemen.

Zahlreiche Schülerinnen und Schüler konnten sich nicht einloggen, Video-Gespräche brachen ab oder litten unter miserabler Qualität. Auch in den Sozialen Medien gab es teils empörte Meldungen über den Quasi-Ausfall der Lernplattform zum Schulstart in Baden-Württemberg.

Betrieben wird Moodle über das Datennetz der wissenschaftlichen Einrichtungen des Landes Baden-Württemberg BelWü (Abkürzung für Baden-Württembergs extended LAN). Dort liest sich das am Morgen noch etwas anders: "Die Moodle-Plattform hat heute Morgen um Punkt 8 Uhr alle Rekorde gebrochen. Die meisten Instanzen halten dem Ansturm stand."

So sah man das auch im baden-württembergischen Kultusministerium, das auf rund 200 Schulen verwies, die betroffen gewesen seien. Ansonsten aber habe die Lernplattform "in weiten Teilen Baden-Württembergs und bei der überwiegenden Mehrheit der Schulen störungsfrei funktioniert".

Nachdem auch Schwäbische.de Meldungen von Nutzern über Probleme mit Moodle in der Region erreichten, haben wir unsere Userinnen und Usern nach ihren Erfahrungen und Meinungen zum Homeschooling-Chaos gefragt.

Eine Auswahl an Meinungsbeiträgen:

Das ist ein Armutszeugnis

Christian H.: "Es war doch vorauszusehen, dass umfassender Distanzunterricht entsprechende Serverressourcen benötigt. Bisher gab es aber noch keinen Test der Infrastruktur - ok, der ist wohl inoffiziell auf heute angesetzt. Frau Eisenmann hat sich sicherlich auch nicht darum gekümmert, weil nach ihrer Meinung kein Distanzunterricht und damit auch keine ausreichend performante Lernplattform gebraucht wird. Das ist ein Armutszeugnis und zeugt von fehlender Weitsicht. Jeder ernsthafte IT-Techniker hätte das System dynamisch skalierbar aufgebaut, so dass in Spitzenzeiten zusätzliche Serverressourcen dazu geschaltet werden können. Ich bezweifle aber, dass da jemand dran gedacht hat. Ich bin mal gespannt, wann es endlich funktioniert. Es ist aber nicht nur die Lernplattform des Landes, sondern auch von privaten Schulen betroffen, die andere Systeme einsetzen."

Lob an Sohn und Schule

Benno H.: "Bei uns hat alles wunderbar geklappt. Die Schule arbeitet mit Teams. Und mein Sohn arbeitet selbstständig. Ein großes Lob an meinen Sohn und Schule."

Wo bleibt die nötige Infrastruktur?

Harald W.: "Was haben die zuständigen Behörden seit dem letzten Frühjahr gemacht, um die nötige Infrastruktur aufzubauen? Offensichtlich nicht viel. Es wurde nach dem Prinzip "wird schon gutgehen" gehandelt. Minister wie Eisenmann und Scheuer sind einfach untragbar."

Dilemma lösen, sonst Versetzungsgefahr

Christian B.: "Wir waren vorbereitet: Vier schulpflichtige Kinder, vier digitale Endgeräte, alle Kinder ordnungsgemäß wach und einsatzbereit. Vater im Homeoffice, WLAN funktionsfähig. Leider wurden die digitalen Hausaufgaben des Kultusministeriums nur teilweise bearbeitet bzw. gelöst. Fazit: Löst das Dilemma, sonst ist eure Versetzung gefährdet."

Alle Lehrer hatten sich tatsächlich aufs Homeschooling vorbereitet

Sabine R.: "Ich bin aktuell in der Fachschule für Technik an der Gewerblichen Schule in Ravensburg, also nicht unbedingt ein "Schulkind". Mein erster Online-Schultag lief wesentlich besser als erwartet. Moodle selber war, zumindest in den ersten Stunden, eher überschaubar erreichbar. Der "BigBlueButton" hat aber tatsächlich ganz gut funktioniert. Sobald man mal drin war, ging das ganz gut. Das Hauptproblem stellt aber wohl das Erreichen eben jenes dar. Da die Verlinkung über das überlastete Moodle erfolgt. Alle Lehrer hatten sich tatsächlich aufs Homeschooling vorbereitet. Fürs erste Mal hat das echt ganz gut funktioniert. Für die Zukunft lernen wir alle noch dazu. Trotzdem wäre ich lieber vor Ort in der Schule."

Unfassbar, was sich unser Kultusministerium da leistet

Jennifer W.: "Mir kennet alles außer Hochdeutsch.. sehr witzig! Schulbeginn (online) analog zum Stundenplan 7.40 Uhr. 7.49 Uhr erhalten wir die erste Mail von der Schule, dass Moodle überlastet ist und man sich in ca. 15-30 Minuten neu anmelden soll. Klappte nicht! 9.33 Uhr - erneute Info der Schule - man erhält die Arbeitsaufträge von den Lehrern über die Schüler-Mailadresse. Hat geklappt - aber nur bei zwei Fächern. 11.07 Uhr - erneute Mail der Schule - mit einer Anleitung, wie man sich ein E-Mail-Programm einrichtet, um die überlastete Website zu umgehen. Unfassbar, was sich unser Kultusministerium da leistet!"

Wohlwissend analog vorgeplant

Jürgen L.: "Na ja, dass Moodle unter der zu erwartenden Belastung unzureichend funktioniert, war ja von den Erfahrungen im Frühjahr zu befürchten. Ich hab deshalb meine Schüler*innen (Berufsschule) rechtzeitig vor dem vorgezogenen Ferienbeginn "analog" mit genügend Material versorgt, so dass sie zumindest für diese und die kommende Woche eingedeckt sind. Die Kommunikation funktioniert über den Schul-Mailserver; dieser läuft zuverlässig."

Die Lehrer stehen in der Pflicht

Erich S.: "Das Moodle-Chaos hielt sich in Grenzen. Dafür lässt die Anwesenheit der jeweiligen Lehrer in den entsprechenden Chats einer Schule zu wünschen übrig, hier besonders in den Nebenfächern. Entsprechend bekam man eine Ahnung, was in deutschen Klassenzimmern los ist, wenn keiner zuschaut. Von Unterricht keine Spur, stattdessen Aufgabensammlungen - dafür wären teure Leihgeräte nun wirklich nicht nötig gewesen, diese Aufgaben hätten auch weiterhin per Mail versendet werden können. Aber immerhin sind jetzt in einigen Fächern Fragen zu den Aufgaben möglich und richten sich nicht automatisch an die Eltern. Ich erwarte, dass jede Unterrichtsstunde an allen Schularten entsprechend personell abgedeckt wird und wir als Eltern zumindest aus dem Unterricht herausgehalten werden und es von alleine läuft. Immerhin wird ja auch von den Schülern verlangt, nach dem Stundenplan zu arbeiten und dann sollen bitte auch Lehrer die offenen Fragen klären, die Aufgaben formulieren. Wir haben den Raum zur Verfügung gestellt, unser Familienleben darauf ausgerichtet und damit unsere Aufgaben erledigt."

Nicht alles auf Kultusministerin Eisenmann abwälzen

Franz S.: Nicht alles an Frau Eisenmann abwälzen. Ein großer Teil der Unzulänglichkeiten ist ganz sicher den Lehrern zuzuschreiben. Viele Lehrer agieren ohne Ideen mit Hilf- und Planlosigkeit und ohne große Motivation. Ich habe mehrere Enkel in verschiedenen Schulen, Stufen und Klassen in mehreren Bundesländern."

Da nützt die beste Vorbereitung leider nichts

Tanja H.: "Unsere Schule hat super vorbereitet. Mehrere Testläufe auch noch zu Beginn der Ferien haben problemlos funktioniert. Die Lehrer haben genaue Anleitung im Vorfeld eingestellt, wie und was die Schüler am heutigen ersten Schultag nach den Ferien zu tun haben. Aber warum läuft die Moodle-Anmeldung für Schüler einer Wangener Schule und wahrscheinlich ganz BaWü über den zentralen Server in Stuttgart? Da nützt die beste Vorbereitung leider nichts. Zum Glück war das Gröbste bis mittags behoben. Jetzt am frühen Nachmittag funktioniert alles reibungslos."

Deutschland als digitales Entwicklungsland

Oliver S.: "Moddle, iServ und Co. sind ein weiterer Beweis dafür, dass Deutschland ein Entwicklungsland ist. Mal ganz davon abgesehen, dass noch immer viele Haushalte über keinen vernünftigen Internetanschluss verfügen, da die Infrastruktur fehlt. Meiner Meinung nach gehört jeder Politiker, der auch nur ansatzweise mit der Digitalisierung Deutschlands zu tun hat, fristlos auf die Straße gesetzt. Hier zeigt sich an einem wunderschönen Beispiel das totale Versagen der Politiker wie auch ihrer millionenschwer bezahlten externen Berater."

Großes Lob, so kann Homeschooling funktionieren

Bernd B.: "Kind Nr. 1 (Grundschule, Bilharzschule Sigmaringen) ist heute Morgen mit Material, sehr strukturiert gestaltet, versorgt worden. Auch die Kommunikation vorab war sehr gut. Großes Lob! Kind Nr. 2 (Gymnasium, Liebfrauenschule Sigmaringen) hat Online-Unterricht nach Stundenplan über MS Teams. Regeln, Leihgeräte etc. waren im Vorfeld organisiert. Funktionierte gut. Großes Lob! Wir Eltern konnten parallel im Homeoffice arbeiten. So kann es gerne weitergehen. Besser als alle schnellstmöglich wieder "aufeinander loszulassen". Sehr geehrte Frau Eisenmann, vielleicht holen Sie sich an den genannten Schulen mal Tipps, wie Homeschooling wirklich funktionieren kann."

Eine Sache ist schlimmer als der Moodle-Crash

Kathrin F.: "Ich bin begeistert, dass wir neben dem Homeschooling von zwei Kindern auch noch Homeoffice zweier Eltern gut hingekriegt haben. Der Moodle-Crash sorgte für 45 Minuten Ausfall. Was jedoch noch für mehr Ausfall sorgt, ist die Tatsache, dass die Kinder unkontrolliert chatten, mailen..., ohne dass ein Lehrer sie zur Aufmerksamkeit ermahnen könnte. Das zu ändern, überfordert uns Eltern jedoch wirklich."

Gamer-Plattform als Moodle-Ersatz

Andreas K.: "Viele schimpfen über unsere Zockerkinder. Und gerade habe ich von meinem Sohn erfahren, dass sie in der Klasse eine gängige Gamer-Kommunikationsplattform über "Discord" verwenden um überhaupt in Kontakt zu bleiben, wenn Moodle mal nicht funktioniert."

Kinder und meine Frau sind nach einem Tag am Ende

Heinz W.: "Habe gerade mit meiner Frau telefoniert. Die sitzt mit zwei Kindern zuhause im Homeschooling. Kinder und meine Frau sind nach einem Tag am Ende. Lehrer sind per Mail und Telefon nicht erreichbar. Wie kann ein Land so schlecht auf die zweite Welle vorbereitet sein? Die Pädagogen sollten sich doch mit der IT einigermaßen auskennen. Aber nein, die Schüler müssen den Lehrkräften erklären, welche Möglichkeiten es gibt. Die Eltern sind auf sich alleine gestellt."

G8 und jetzt noch Corona - eine Katastrophe

Claudia F.: "G8-Gymnasium, insbesondere Oberstufe Q11 und Q12, ein Verbrechen an den Kindern - und das jetzt auch noch während Corona. Eine Katastrophe für Lehrer und Schüler. Sollen diejenigen, die G8 verantworten, das doch bitte selber leisten, was die Lehrer und Schüler gerade ausbaden dürfen. Noch nie waren so viele Schüler psychisch angeschlagen, wurden systematisch kaputtgemacht. Technik funktioniert nicht, Klausuren über teils selbst beigebrachten Stoff werden geschrieben und zählen fürs Abitur. Die Schüler sind alle am Ende. Hoffentlich wird das Schuljahr komplett wiederholt."

Ein Armutszeugnis für unser Technikland Baden-Württemberg

Johannes G.: "Als Lehrer kann ich nur sagen: wirklich traurig. Weil Frau Eisenmann jetzt wieder gleich sagen kann, dass digitales Lernen eh nicht klappt. Schnell wieder Schulen öffnen. Aber dass Lehrer und Schulen hier tagelange Vorbereitung und Einsatz reingesteckt haben und gut vorbereitet waren, ist Fakt. Traurig, das es nun wieder an der Technik scheitert. Ein Armutszeugnis für unser Technikland Baden-Württemberg."

Warum keine Microsoft-Lösung?

Ulrike W.: "Fast die ganze (Industrie-)Welt nutzt z.B. Microsoft Teams - einige Biberacher Schulen auch. Woher kommt eigentlich der Drang, die Welt immer wieder neu erfinden zu wollen? Ob MEBIS oder Moodle - es klappt nicht, wenn es drauf ankommt. Eine Lösung, die auf dem ganzen Globus klappt, sollte doch auch "die paar Schulen in BW" noch tragen."

Systeme, die beim ersten Stresstest völlig versagen

Josef B.: "Auch das System iServ ist heute morgen in die Knie gegangen. Ich frage mich echt, warum deutsche Großunternehmen andere Systeme (skype, Teams, Zoom,...) einsetzen, die während der Homeoffice-Phase problemlos funktionieren, die Schulen aber auf andere Systeme, die dann beim ersten Stresstest völlig versagen? Da sitzen doch auch IT-Experten mit am Tisch, die sich mit den Vor-/Nachteilen solchen Lösungen auskennen sollten?"

Lasttest im Voraus hätten das Problem früh gezeigt

Dirk E.: "Natürlich war es absolut nicht vorhersehbar, wie viele Kinder sich heute in Moodle einloggen werden. Genauso unvorhersagbar wie das genau Datum von Weihnachten 2021. Ein absolutes Versagen der politisch Verantwortlichen und involvierten Projektmanager. Lasttests im Voraus hätten die Problematik der ungenügenden Dimensionierung des Datenbank-Clusters recht schnell aufgezeigt. Meine zweite Tochter hatte Glück, Ihre Schule setzt auf Teams und dies funktionierte ohne irgendwelche Probleme."

Unter diesen Voraussetzungen würde ich auch an Präsenzunterricht festhalten

Andreas D.: "Wir Eltern investieren in die Ausrüstung unserer Kinder, damit jeder einzelne (3 Kinder) für sich beste Voraussetzungen hat. Leider habe ich den Eindruck, dass all das wenig zielführend ist, sofern die Basis schwächelt und hier die Voraussetzungen nicht geschaffen sind. Unter diesen Voraussetzungen würde ich auch an Präsenzunterricht festhalten."

Eltern mit den Nerven am Ende

Bernd S.: "Meine Tochter (2 Kinder Grundschule, ein Kind Realschule) musste sich im Vorfeld erst mal Geräte bei der Verwandtschaft ausleihen, weil ihr ganz normaler Haushalt halt nur über einen Laptop verfügt. Und heute Morgen hat es dann - wie vorauszusehen war - nicht funktioniert. Ein Kind hat's pünktlich geschafft, ein Kind kam mit deutlicher Verspätung ins System und das dritte Kind ist bis jetzt noch nicht drin. Dafür ist meine Tochter mit den Nerven am Ende."

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare auf Rechtschreibung hin zu bearbeiten sowie in der Länge zu kürzen, ohne dabei die Grundaussage zu verändern.

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