Der Konsens im Großen wie im Kleinen war sein ständiges Ziel

Lesedauer: 6 Min
Ernst Schwarz war Betriebsratschef der OSK.
Ernst Schwarz war Betriebsratschef der OSK. (Foto: Winfried Leiprecht)
Schwäbische Zeitung

Wenn Ernst Schwartz das Wort ergriff, dann wusste er, wovon er sprach. Die Basis, die der gelernte Krankenpfleger als Betriebsrat und Aufsichtsrat über zwei Jahrzehnte lang vertreten hat, war auch seine berufliche Heimat. Er war Vorsitzender des Betriebsrates am St. Elisabethen-Klinikum und am Heilig-Geist-Spital sowie Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates der OSK. 14 Jahre lang gehörte er dem Aufsichtsrat an. Im Alter von erst 60 Jahren ist er am zweiten Weihnachtsfeiertag überraschend verstorben.

Ernst Schwartz hatte bei der Bundeswehr schon sieben Jahre Berufserfahrung in der Pflege gesammelt, als er am 5. Februar 1992 als Dauernachtwache am St. Elisabethen-Klinikum in Ravensburg anfing. Es war die Zeit, als die Diskussion um die Krankenhäuser im Landkreis Fahrt aufnahm und in der Gründung der Oberschwabenklinik mündete.

Ernst Schwartz ahnte damals nicht, wie sehr dieses neue Unternehmen sein Leben prägen sollte. Wenn er später davon sprach, wie sehr ein Krankenhaus mit einer Bereitschaft rund um die Uhr seine Beschäftigten fordert, klangen immer auch seine eigenen Erfahrungen durch.

Die Belegschaft der neu gegründeten OSK wählte Ernst Schwartz 1997 in den ersten Betriebsrat am Standort Ravensburg. Er wurde in den Gesamtbetriebsrat der OSK entsandt, war lange Jahre dessen stellvertretender Vorsitzender und übernahm im Jahre 2014 nach dem frühen Tod seines Vorgängers Erich Dowidat den Vorsitz. Als 2005 der Gesamtbetriebsrat erstmals zwei Arbeitnehmervertreter in den OSK-Aufsichtsrat entsenden durfte, war Ernst Schwatz einer der beiden. 14 Jahre lang gehörte er bis zu seinem Tod dem Gremium an.

An allen maßgeblichen Weichenstellungen für die OSK war er beteiligt. „Ernst Schwartz war eine Persönlichkeit, die sowohl die Interessen der Belegschaft engagiert vertreten hat als auch die Belange der OSK ganzheitlich im Blick hatte. Dafür ich bin ihm sehr dankbar“, würdigt Landrat Harald Sievers den Verstorbenen.

In seinen ersten Jahren als Betriebsrat erlebte Ernst Schwartz mit, wie sich die OSK ein Leitbild gab und wie herausfordernd es war, dass die Belegschaften von zuvor kirchlich beziehungsweise kommunal geprägten Kliniken zusammenwachsen. Er saß mit am Verhandlungstisch, als der erste Haustarifvertrag vereinbart wurde und war „Motor“ hinter der ersten Mitarbeiterzeitschrift der OSK. „Konsens“ lautete der Titel, für Ernst Schwartz mehr als nur eine Überschrift. Den richtigen Konsens im und für das Unternehmen zu finden, die Leute mitzunehmen, das zog sich für ihn wie ein roter Faden durch die Geschichte der OSK und damit durch seine eigene Tätigkeit.

Auch in der existenziellen Krise der OSK im Jahre 2012. „Wer Ernst Schwartz beim Ringen um den Zukunftstarifvertrag erlebt hat, der weiß, wie sehr ihn die Balance zwischen dem richtigen Weg für die OSK als Ganzes bei gleichzeitiger Wahrung der Interessen jedes einzelnen Beschäftigten aufgewühlt hat“, erinnert sich OSK-Geschäftsführer Sebastian Wolf. „In der Architektur des Tarifvertrages, der notwendigen Verzicht mit einer klaren Perspektive für die Arbeitnehmer paarte, lässt sich auch die Handschrift von Ernst Schwartz herauslesen“, so Wolf.

Aber wird das Vertragswerk nicht nur am Verhandlungstisch, sondern auch an der betrieblichen Basis akzeptiert? Ernst Schwartz und den anderen Arbeitnehmervertretern war klar, dass es Kritik geben würde. Bis hin zu Stimmverlusten bei Wahlen. Sich trotzdem hinter das Konzept zu stellen, es manchmal mühsam zu vermitteln, entsprach seinem Verständnis von Verantwortung für das Ganze. Dass die OSK seit geraumer Zeit wieder marktübliches Tarifniveau bezahlen kann, erlebte Ernst Schwartz als Bestätigung wie als Beruhigung gleichermaßen. Ein weiteres Mal Notlagentarif hätte die OSK nicht ausgehalten und hätte womöglich deren kommunale Trägerschaft beendet, war seine große, in vertrauter Runde geäußerte Sorge gewesen.

„Zwei Hüte“ habe er auf, witzelte er in jenen Jahren öfters: den des Betriebsrates und den des Gewerkschafters. Von Anfang an arbeitete er im Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen von Verdi mit. Er war von 2010 bis 2019 dessen Vorsitzender in Oberschwaben sowie von 2012 bis 2018 Mitglied im Fachbereichs-Landesvorstand.

Kurz vor seinem Tode hat Ernst Schwartz wieder mahnend die Stimme erhoben, dass die Änderungen der Krankenhausstruktur im Mittleren Schussental Mehrarbeit für die OSK-Beschäftigten insbesondere in der Notaufnahme des EK und auf diversen Pflegestationen bedeuten wird. Geschäftsführung und Aufsichtsrat haben die Themen aufgenommen. Aus Arbeitnehmersicht auch diesmal den tragfähigen Konsens zu finden, wird nach dem Tode von Ernst Schwartz die Aufgabe anderer sein.

Meist gelesen in der Umgebung

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen