Er weiß genau, was Showpferd Egypt braucht: Niclas Kolb sorgt hinter dem Samtvorhang im Ravensburger Weihnachtscircus für Ordnu
Er weiß genau, was Showpferd Egypt braucht: Niclas Kolb sorgt hinter dem Samtvorhang im Ravensburger Weihnachtscircus für Ordnung. (Foto: Stefanie Böck)
Schwäbische Zeitung

Niclas Kolb hat einen höchst seltenen Beruf: Er ist Pferdewirt und Assistent des Pferdetrainers Elmar Kretz im Ravensburger Weihnachtscircus. Der 24-Jährige kümmert sich das ganze Jahr über um die 13 Araber, Lusitanos und Ponys im Showpferdestall im bayerischen Oberreute. Und um noch viel mehr.

„Ich kenne niemand, der so einen Job macht wie ich“, sagt der junge Mann in der dunkelblauen Reithose. Die meisten ausgebildeten Pferdewirte arbeiten in Sportpferde- und Turnierställen oder in einem Reit- und Ausbildungsbetrieb. Niclas Kolb mistet, füttert und pflegt Pferde genau wie seine Kollegen. Aber dazwischen sitzt er eben auch an der Zirkuskasse, kümmert sich um Manegen-Teile und riesige Samtvorhänge oder unterstützt das Team im edlen Gastrobereich. Egal ob Ravensburger Weihnachtscircus, Pferdemesse in München oder eigene Produktionen: Niclas Kolb weiß immer genau, was welches Pferd gerade braucht und was der Chef gerade denkt.

Ruhe und Ordnung

Im Stall sorgt er mit einer Kollegin zusammen für Ruhe und Ordnung. Er ist die Routine, die die Showpferde dringend brauchen. „Bei allen Auftritten bringe ich die Pferde nach einem genauen Zeitplan an die Eingänge. Das ist manchmal gar nicht so einfach.“ Denn beim Zirkus geht es an drei verschiedenen Stellen durch den Vorhang. Da kann schnell mal was schief gehen: Rein oder raus? Wenn ein Hengst einfach durch den Vorhang schlüpft oder das getupfte Pony auf eigene Faust die Manege verlässt, ist die Aufregung immer groß. Dann nimmt Niclas Kolb blitzschnell Blickkontakt mit dem Direktor auf und weiß sofort, wie er die Situation retten muss. Denn Lücken im Programm sind ein Tabu.

Unsichtbare Fäden

Eine Herausforderung. Denn bei großen Freiheitsdressuren soll alles wie an unsichtbaren Fäden funktionieren. Die Pferde reagieren auf kleinste Bewegungen und fast geflüsterte Kommandos. Dass alle immer wissen, wo sie hinmüssen, liegt auch an Niclas Kolb: „Wir proben das ganze Jahr über zweimal täglich in unserer Trainingshalle in Oberreute.“ Bei neuen Schaubildern ist der Pferdewirt so eine Art Wegweiser für junge und unerfahrene Tiere. Wenn ein Pferd nicht genau weiß wohin, dann huscht Niclas Kolb durch die Hengste und lenkt das Pferd am Halfter sanft aber bestimmt in die richtige Richtung. Ohne Gewalt, dafür mit viel Gefühl: Denn „Freiheitsdressuren funktioniert nicht, in dem man den Pferden Angst macht. Motivation ist der Schlüssel für eine gute Show. Nur wenn sie von selbst in die Manege marschieren und sich dort präsentieren wollen, kommt etwas Besonderes dabei heraus.“

„Da hab ich immer Gänsehaut.“ Niclas Kolb

Einer, der weiß, wie man sich zeigt, ist „Egypt“. Der schneeweiße Araberhengst hat Niclas Kolb bei verschiedenen Shows in den letzten beiden Jahren besonders imponiert. „Der steigt einfach fantastisch. Mit viel Ausdruck, mit viel Hals, ganz aufrecht und mit Bewegung in den Vorderbeinen – da hab ich immer Gänsehaut.“

Niclas Begeisterung und seine Leidenschaft für Pferde kam in Argenbühl zur Welt: „Meine Nachbarn links und rechts hatten Pferde – ich war von Kindesbeinen an umzingelt.“ Seine freien Nachmittage verbrachte der Allgäuer immer im Stall. „Ich hab mich in der Ruhe zwischen Pferden schon immer sehr wohl gefühlt.“

Absoluter Traumjob

Nach der Schule machte Niclas seine Ausbildung im Gestüt von Michaela Gstach in Hinznang bei Leutkirch. Parallel dazu arbeitet er als Aushilfe bei Elmar Kretz mit. Der bekannte Pferdetrainer ist der Cousin seiner Mutter. Mit der Abschlussprüfung steigt er bei ihm in seinen absoluten Traumjob ein. „Beim Zirkus sind alle mit viel Leidenschaft und Passion dabei – das ist einfach cool.“ Trotzdem will sich Niclas Kolb noch ein bisschen weiterentwickeln. An seinem Chef sieht er, dass „echte Passion zum Erfolg führt“. Drum macht er berufsbegleitend jetzt den Pferdewirtschaftsmeister. Und dann? „Das weiß ich noch nicht. Vielleicht eine leitende Position im Bereich Pferdeentertainment.“ Denn nirgendwo sonst kämen Pferde mit ihrer gesamten Persönlichkeit so harmonisch zur Geltung. „Das macht mir Freude. Jeden Tag.“

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