Den Schlaganfall im Fokus

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Die speziell geschulte Krankenschwester Pia Bader begleitet Schlaganfall-Patienten in der Region Oberschwaben.
Die speziell geschulte Krankenschwester Pia Bader begleitet Schlaganfall-Patienten in der Region Oberschwaben. (Foto: Oberschwabenklinik)
Schwäbische Zeitung
Barbara Müller

Im St. Elisabethen-Klinikum in Ravensburg werden am 13. April gleich zwei kleine Jubiläen gefeiert: das über fünfjährige Bestehen des Projekts Stroke Nurse (Schlaganfall-Krankenschwester) und der 20. Geburtstag des Fördervereins gegen den Schlaganfall. Ab 14.30 Uhr zeigen verschiedene Experten in Vorträgen die Entwicklung und Perspektiven eines erfolgreichen Konzepts Betreuung von Patienten nach einem Schlaganfall auf.

Jährlich erleiden in Deutschland rund 270 000 Menschen einen Schlaganfall. „Kaum eine andere Krankheit hat so gravierende Folgen für Patienten und Angehörige“, sagt Professor Hans Joachim von Büdingen, Vorsitzender des Fördervereins und ehemaliger Chefarzt der Abteilung für Neurologie und Klinische Neurophysiologie am St. Elisabethen-Klinikum in Ravensburg (EK). Das Risiko eines Hirninfarkts steigt mit zunehmendem Alter an, doch auch junge Menschen oder Kinder können von einem Schlaganfall betroffen sein. Nicht selten führen bleibende körperliche, geistige und/oder seelische Schäden zu einer dauerhaften Pflegebedürftigkeit.

Die Notfallbehandlung des Schlaganfalls hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. So wurde in der Neurologischen Klinik am EK (Chefarzt Professor Dietmar Bengel) die Schlaganfall-Spezialstation Stroke Unit mit 14 Intensiv-Überwachungsbetten eingerichtet. Dort steht ein speziell geschultes Team aus Pflegekräften, Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Ärzten zur schnellen Diagnostik und Therapie von Hirninfarkten und Hirnblutungen rund um die Uhr zur Verfügung. In der Nachsorge hingegen gebe es bislang kein einheitliches Konzept, das alle Bereiche der Behandlung von Schlaganfallfolgen (körperliche, geistige, psychische, soziale) berücksichtigt, so von Büdingen weiter. Das am 1. April 2012 von Thomas Staudacher, Leitender Oberarzt der Klinik für Neurologie im EK, zusammen mit dem Förderverein gegen den Schlaganfall ins Leben gerufene Projekt Stroke Nurse oder auch die „Schlaganfall-Lotsen“ der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe seien positive und erfolgreiche Ansätze.

Seit dem 1. April 2012 betreut Pia Bader, eine erfahrene und speziell geschulte Krankenschwester, als Stroke Nurse Schlaganfall-Patienten in der Region Oberschwaben. Ihr erster Kontakt mit den Patienten und deren Angehörigen erfolgt in der Stroke Unit im EK. Nach der Akutbehandlung besucht Pia Bader ihre Patienten zu Haus, berät und überwacht in Absprache mit den Ärzten den Behandlungsverlauf und koordiniert die Weiterbehandlung durch Hausärzte, Fachärzte und Therapeuten. Sie bietet zudem Hilfe für Angehörige, damit diese die unerwartet auftretende und folgenschwere Erkrankung durch kompetente Betreuung besser bewältigen. Nach zwölf Monaten erfolgt ein erneutes Beratungsgespräch. Und auch telefonisch ist Bader für ihre Patienten gut erreichbar.

Durch Spenden finanziert

Finanziert wurde das Projekt Stroke Nurse ausschließlich durch Spenden an den Förderverein gegen den Schlaganfall. Durch das neu aufgelegte Förderprojekt „Hilfe zur Schlaganfall-Bewältigung“ der Selbsthilfegruppe für Schlaganfallbetroffene und Angehörige Ravensburg erfolgt seither weitere Unterstützung. Diese Form der selbsthilfebasierten Nachbetreuung ist bislang einmalig in Baden-Württemberg. Ermöglicht wird das Projekt – dank Vermittlung durch Sozial- und Integrationsminister Manfred Lucha – durch die finanzielle Förderung der Krankenkassen TK, BKK und Knappschaft, durch Spenden an den Förderverein sowie durch die Unterstützung der Oberschwabenklinik gGmbH und der am EK eingerichteten Schlaganfall-Infostelle für Patienten und deren Angehörige.

Rückfallrisiko gesenkt

Ein besonderes Anliegen des Projekts ist neben der Krankheitsbewältigung und dem Wiedergewinn von Lebensqualität die konsequente, fachärztlich-neurologische Weiterbehandlung nach einem Schlaganfall. Durch Vermittlung der Stroke Nurse und in enger Zusammenarbeit mit den Facharztpraxen sowie dem Neurozentrum Ravensburg wurden hier bereits große Fortschritte erzielt. Daneben erhoffen sich die Projektbeteiligten die bestmögliche Sekundärprävention zur Verhinderung erneuter Schlaganfälle. Auswertungen zufolge konnte das Rückfallrisiko nach Schlaganfällen durch die Stroke Nurse-Betreuung deutlich gesenkt werden.

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