David Rundel ist Londons Sausage Man

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Sausage Man David Rundel freut sich über seinem neuen sechseckigen Marktstand. (Foto: Derek Schuh)

Ein kleines Würstchen ist der Sausage Man längst nicht mehr. 200 Tonnen Fleischwaren verkauft er im Jahr. Seine Verkaufsstände stehen auf vier Londoner Märkten, aber auch der Großhandel mit deutschen Metzgerprodukten blüht. Die deutsche und die australische Botschaft bestellt bei David Rundel genauso wie die Kirchen oder ein kleines Frauenkloster. Die Belieferung von 33 Weihnachtsmärkten macht ein Großteil des Umsatzes aus. Viel geht aber auch als Grillwürstchen über die Theke, wenn deutsche Urlauber beim Sausage Man auf dem Borough Market, dem größten Lebensmittelmarkt der Stadt unter den Pfeilern der London Bridge genauso Halt machen wie die Bobbies oder Taxi-Fahrer. „Wir haben Kunden aller Nationen und aus allen Schichten, auch sehr viele aus der größten Polizeidienststelle Londons“, so Rundel. Und es beißen jeden Tag etwa 100 Bedienstete des Rathauses von London-Ealing Stadtverwaltung in seine Würstchen. Nicht von ungefähr haben sie dem Deutschen einen Standplatz direkt an der Hauptstraße gegenüber der Stadtverwaltung angeboten.

Dort wird der neue blau-weiß gerautete Verkaufswagen künftig an drei Tagen in der Wochen stehen und den provisorischen Imbiss, den es seit November gibt ablösen. Er ist dann einer von fünf mobilen Verkaufsständen, die auf vier Stadtteilmärkten ihren festen Platz haben. Nachteil: Die Wagen müssen jeden Abend weggekarrt und morgens wieder aufgebaut werden. Nicht aus Schikane, sondern weil das Marktrecht eben so ist. Rundel räumt zwar ein, dass beim Manövrieren der Verkaufsschiffe durch den Londoner Verkehr viel Zeit verloren geht, dafür sei die Verwaltung „superfreundlich, unbürokratisch und man wird in jeder Hinsicht unterstützt“.

Germay‘s Finest samt der bayrischen Raute sind inzwischen ein Markenzeichen. „Wenngleich ich heute Schwarz-Rot-Gold nehmen würde“, sagt David Rundel, doch damals dachte er, das die Bayernfarben mit Deutsch gleichgesetzt würden. Seine erste Bockwurst ging am 5. September 2005 über die Theke. Seitdem sind es an schlechten Verkaufstagen mindestens 100, an guten bis zu 600 Frankfurter, die von der Sausage Man Kundschaft verspeist werden. Das Hauptgeschäft macht der deutsche Jungunternehmer jedoch mit seinem Großhandel mit Waren „ausschließlich von deutschen Metzgern, hauptsächlich einer Metzgerei aus Krauchenwies“, die jede Woche per Kühlspedition geliefert werden. Dazu kommen noch Spätzle, Rotkohl, Sauerkraut und Maultaschen mit den jeweils dazugehörenden Senfs, Essiggkuren und Soßen. Die deutsche Metzgerware gewinne immer mehr Freunde, sagt David Rundel, der jetzt auch Wildschwein in allen Variationen aus der hohenzollerischen Jagd exportiert.

Jedenfalls hat der junge Mann aus Berg seinen Umzug in die britische Hauptstadt noch keine Minute bereut, wenngleich der Start dort hart war. Stundenlang und tageweise im heißen Verkaufswagen zu stehen: Heute ist er Chef und gleichzeitig Springer, wenn einer seiner 15 Mitarbeiter ausfällt.

Ihren Lebensmittelpunkt hätten seine Freundin Tor und er längst in London, doch zwei-, dreimal zieht es den 31-Jährigen schon noch heim zur Familie ins Schussental. Oder nach Illmensee, wo es mit der Firma Vemus einen international bekannten Verkaufswagen-Hersteller gibt, der in den letzten zehn Wochen für den Sausage Man einen rund 30 000 Euro teuren einen Verkaufsstand gebaut hat. Der geht in der Wochen nach Ostern über den Ärmelkanal, wo er vorm Rathaus in Ealing seinen Platz bekommt.

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