Das wird im Hotel vergessen und geklaut

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Zimmermädchen bemerken nicht nur oft einen Diebstahl als erste, sie finden auch so einiges. In einem Hotel in Aalen war das beis
Zimmermädchen bemerken nicht nur oft einen Diebstahl als erste, sie finden auch so einiges. In einem Hotel in Aalen war das beispielsweise eine Taufurkunde. (Foto: dpa)

Diebstähle gehören im Hotelgewerbe beinahe schon zum Alltag. Manches ist bereits einkalkuliert, anderes lässt die Hoteliers eher fassungslos zurück. Ob die Diebstähle angezeigt werden, hängt vor allem vom Wert des Gestohlenen ab. Schwäbische.de hat sich bei Hoteliers aus der Region umgehört.

Helga Schlack ist seit rund 50 Jahren im Gewerbe und leitet das gleichnamige Hotel in Tuttlingen. „In so einer langen Zeit habe ich viel erlebt“, sagt sie. Einige Fälle seien ihr stark im Gedächtnis geblieben. Aber: „Diebstähle sind mittlerweile stark zurückgegangen, komischerweise“, so Schlack. Silberblumenvasen, Silberbesteck und Milch- und Kaffeekannen seien beliebtes Diebesgut gewesen, erinnert sie sich. „Das Besteck haben wir ausgetauscht und sind zu einer preisgünstigeren Variante übergegangen.“

Ein leerer Gang - alle Gemälde weg

Besonders ein Fall sei ihr immer noch präsent: „Vor etlichen Jahren habe ich einen leeren Gang entdeckt. Alle acht Bilder waren weg.“ Einen konkreten Verdacht hatte sie damals auch: „Ich habe die Polizei zu einem Ehepaar aus Berlin geschickt, die Adresse hatte ich ja“, sagt sie. Die Ermittlungen hätten aber nichts ergeben, die „schönen Landschaftsbilder“ tauchten nicht mehr auf. Ein weiteres - von einem Tuttlinger Künstler - sei von einem anderen Gast im Zimmer einfach aus dem Rahmen geschnitten worden. Schlack: „Zusammengerollt und rein in den Koffer.“ Und in dem verschwindet auch vieles andere. 

Gast tauschte Wasserhähne aus

Einkalkuliert seien beispielsweise immer die Badartikel wie Shampoo und Seife. Und dann gebe es eben auch die skurrilen Fälle, über die die Branche spricht. „Es gab mal den Fall, dass ein Gast die Armaturen im Badezimmer ausgetauscht hat“, erinnert sich Daniel Ohl vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). „Wasserhähne sind teuer“, fügt er an. Das seien aber die außergewöhnlichen Fälle, zudem registriere der Verband derzeit vergleichsweise wenige Diebstahlmeldungen.

Logos verführen

In der Regel zeigen Hoteliers auch nur jene Fälle an, bei denen eine reelle Chance besteht, das Diebesgut zurückzubekommen. „Bei Geschirr oder Besteck lohnt sich das nicht“, erklärt Ohl. Vor allem Dinge, die einen gewissen Souvenircharakter haben, seien da beliebt. „Besteck zum Beispiel, auf dem das Logo des Hotels eingraviert ist, sagt Ohl. Deswegen hätten einige Betreiber darauf reagiert und die Gravuren vom Besteck verbannt. „Eine andere Maßnahme ist, dass diese Dinge in hoteleigenen Shops angeboten werden. Das hat auch Erfolg.“

Trotz Logo kaum Diebstähle

Der bayerische Hof in Lindau möchte dennoch nicht darauf verzichten, sein Logo auf Gästeartikeln zu präsentieren – und macht damit gute Erfahrungen: Auf „Souvenirgedanken“ würden die Gäste nicht kommen. „Das hängt immer sehr stark vom Betrieb ab“, weiß Dehoga-Sprecher Ohl.

Auch Patrick Schiehlen vom Estilo-Hotel in Aalen (Ostalbkreis) habe mit Diebstählen kaum Probleme. „Es liegt nicht mehr so viel rum, das man klauen könnte“, sagt der Geschäftsführer des Business-Hotels. Das sei der heutige Trend, das moderne Design. Höchstens mal ein Löffel würde verschwinden.

Sexspielzeug vergessen

Im Gegensatz dazu wird aber so einiges in den Zimmern vergessen. Und auch da kommt - neben Ladegeräten, die in allen Hotels in Massen vergessern werden - so einiges Skurriles vor. „Ein Gast hat zum Beispiel eine Tauf- und eine Geburtsurkunde vergessen“, erinnert er sich. Die Dokumente seien aber sofort am nächsten Tag abgeholt worden. „Wenn wir die Kontaktdaten haben, melden wir uns bei den Gästen. Sie müssen das Zurückschicken aber dann selbst in Auftrag geben“, so Schiehlen. Einzig ein zurückgelassenes Sexspielzeug sei in den Müll gewandert.

„Man muss da schon auch abwägen, ob man den Gast anschreibt oder anruft“, sagt Geschäftsführungsassistentin Vanessa Nassal vom Kapuzinerhof in Biberach. „Stellen Sie sich vor, es war jemand mit seiner Geliebten bei uns und wir rufen dann die Ehefrau an.“

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