Das sind die Ehrenamtlichen, die im Freibad für Sicherheit sorgen

Lesedauer: 7 Min
 Die eherne Regel für die Rettungsschwimmer lautet: Niemals mit dem Rücken zum Wasser stehen.
Die eherne Regel für die Rettungsschwimmer lautet: Niemals mit dem Rücken zum Wasser stehen. (Foto: Barbara Sohler)
Barbara Sohler

„Warnung vor dem stillen Ertrinken“

Anders als im Film ertrinken Menschen nicht mit wedelnden Armen und lauten Hilferufen, lässt die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in einer aktuellen Pressemitteilung wissen. Mit einer bundesweiten Kampagne macht die DLRG darauf aufmerksam, dass Menschen meist leise und unbemerkt unter der Wasseroberfläche verschwinden. Allerdings, so die DLRG weiter, gebe es erkennbare Anzeichen dafür, dass Jemand zu ertrinken droht: Der Kopf ist nach hinten geneigt und unter Wasser, der Mund befindet sich auf Höhe der Wasseroberfläche. Die Augen sind geschlossen oder glasig und leer. Der Körper befindet sich senkrecht im Wasser, die Beine bewegen sich nicht. Der Ertrinkende beschleunigt die Atmung und ringt nach Luft oder aber versucht zu schwimmen und kommt nicht mehr voran oder versucht vergeblich, sich auf den Rücken zu drehen. Wer solche Alarmsignale bei einem Badegast ausmacht, der sollte sofort handeln. In freiem Gewässer den Notruf 112 wählen. Im Flappach genügt es, um Hilfe zu rufen und die Rettungsschwimmer aufmerksam zu machen. Die DLRG rät, sich auf keinen Fall selbst in Gefahr zu bringen. Laut DLRG-Statistik ertranken allein zwischen Juni und September 2018 fast 300 Menschen in deutschen Gewässern – viele davon lautlos.

Die Badegäste im Flappach planschen im kühlen Nass, schwimmen zum Floß oder drehen vom Sprungturm wagemutige Salti ins Wasser. Währenddessen haben die Rettungsschwimmer von der DLRG stets ein wachsames Auge auf die Badenden. Die Jungs und Mädels in den roten Badeshorts sorgen für Sicherheit, sind im Ernstfall schnell zur Stelle und haben auch für kleinere Wehwechen immer ein offenes Ohr.

Sonntagnachmittag, Hochbetrieb im Flappachbad. Die Sonne sticht vom wolkenlosen Himmel, das Thermometer zeigt 36 Grad im Schatten, geschätzte 3000 Badegäste tummeln sich auf den Liegenwiesen. Wachleiter Marius Clemens und sechs Rettungsschwimmer verrichten Dienst an diesem Sonntag.

Clemens steht mit dem Fernglas im kleinen Kabuff der DLRG am Fenster, scannt den See von links nach rechts. Sein Blick mäandert über die Wasseroberfläche, hat schwächere Schwimmer im Visier. Immer wieder quäkt sein Walkie-Talkie, wenn einer der Kollegen einen Nichtschwimmer im tiefen Wasser ausmacht. Clemens, auch ehrenamtlicher Rettungsschwimmer und im zivilen Leben Sanitäter im Rettungsdienst, gönnt sich eine Minute Schatten, während Julia Hörl auf dem Schwimmbrett Bahnen durch den See zieht.

 Die Rettungsschwimmer vom DLRG haben am Flappach stets ein wachsames Auge auf die Badenden.
Die Rettungsschwimmer vom DLRG haben am Flappach stets ein wachsames Auge auf die Badenden. (Foto: Barbara Sohler)

Die Personalsituation ist in den Ravensburger Bädern wie vielerorts im Land derzeit angespannt. „Glücklicherweise kann die Stadt auf Rettungsschwimmer aus der Umgebung zurückgreifen, die uns tatkräftig bei der Arbeit in den Bädern unterstützen“, sagte Stadtsprecher Alfred Oswald kürzlich über den Einsatz der Ehrenamtlichen.

570 Stunden im Flappach

Die Einsätze der Wachgänger – so heißen die Rettungsschwimmer des DLRG – sind längst nicht das, was der gemeine Badegast aus bunten Hollywood-Streifen wie Baywatch kennt. Da gilt es, einer desorientierten Familie den Weg zum Ausgang zu erklären, hier mal eine kleine Schnittwunde am Fuß zu versorgen und dort einen abhanden gekommenen Kumpel aus der Teenager-Clique ausfindig zu machen.

Gar nicht selten müssen uneinsichtige Eltern ermahnt werden, die nichtschwimmenden Kids nicht mit dem Schwimmtier im offenen Teil des Badesees paddeln zu lassen.

Auch Schwimmflügel oder die bunten Poolnudeln suggerieren eine falsche Sicherheit. Damit es gar nicht erst zum sogenannten „direkten Wassereinsatz“ kommt, hat die 27-köpfige Wachgänger- und Wachleiter-Truppe der DLRG allein im vergangenen Jahr knapp 570 Stunden im Flappach Wache gehalten. Immer an den Wochenende und Feiertagen, von 12 bis 19 Uhr. Alles im Ehrenamt, sprich ohne Bezahlung. Damit die Badegäste einen unbeschwerten und unfallfreien Badetag genießen können.

Julia Hörl gehört an diesem Sonntag zum Wachgänger-Team von Marius Clemens. Auch die 19-jährige angehende Notfallsanitäterin hat die eherne Regel verinnerlicht, die für die Rettungsschwimmer lautet: Niemals mit dem Rücken zum Wasser stehen. Die vermutlich heißeste Stunde, zwischen 13 und 14 Uhr hat sie auf dem Wasser verbracht, im Tretboot auf Patroullienfahrt.

Hat mindestens zehnmal Eltern darauf aufmerksam gemacht, dass nur der Sandstrand beim Nichtsschwimmer-Bereich sicher ist für Kinder. Vorsichtshalber. Nun hat sie Landwache. Sitzt auf der Wachbank, die erhöht über der Liegewiese unweit des Stegs steht. Hat die Masse an Menschen, große Teenager-Gruppen, Familien, ältere und jüngere Gäste im Blick. Und die Sonne brennt erbarmungslos.

 Die Sonne sticht vom wolkenlosen Himmel, das Thermometer zeigt 36 Grad im Schatten.
Die Sonne sticht vom wolkenlosen Himmel, das Thermometer zeigt 36 Grad im Schatten. (Foto: Barbara Sohler)

Nicht bösartig aber immerhin gedankenlos erlebt Clemens häufig, dass Menschen achtlos um Hilfe rufen, wenn sich Jugendliche gegenseitig untertauchen oder mit viel Geschrei in den Weiher werfen. Hier muss der Wachleiter feine Antennen haben dafür, ob es sich um Spaß oder einen Ernstfall handelt.

Er hat, ebenso wie Kollegin Julia, eine ABC-Ausrüstung parat: Schnorchel, Schwimmbrille und Flossen. Dass diese nur selten zum Einsatz kommen müssen, das liegt an den Präventionsmaßnahmen und dem wachen Blick. Einen Noteinsatz im Wasser habe es länger nicht mehr gegeben, sagt Clemens. Glücklicherweise. Steine im Auge nach einer Schlammschlacht – ja. Aber eine bewusstlose oder gar ertrinkende Person glücklicherweise nicht.

 Julia Hörl zieht auf dem Schwimmbrett Bahnen durch den See.
Julia Hörl zieht auf dem Schwimmbrett Bahnen durch den See. (Foto: Fotos: Barbara Sohler)

Julia Hörl und Marius Clemens sehen also häufiger Badegäste mit Sonnenbrand als Wasserleichen. Tipps für einen unbeschwerten Badetag im Flappach geben sie gerne: Eine wasserfeste Sonnencreme, am besten mit Lichtschutzfaktor 50 schützt gegen Sonnenbrand, ein Sonnen- oder Strohhut gegen Sonnenstich.

Besonders an extrem heißen Tagen sollte viel (bis zu drei Liter) getrunken werden. Wasser selbstverständlich. Alkohol könne an solchen Tagen tödlich sein. Sportlichen Ambitionen sollten besser in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden gefrönt werden. Und ganz wichtig: Menschen mit Kreislaufvorerkrankungen und Nicht-Schwimmer sollten sich niemals überschätzen.

Alle Badestellen, Freibäder und Thermen in der Region

Temperaturangaben nur bei Freibädern mit beheizten Becken und verlässlichen Informationen. Preise Stand 11.4.2019. Teilen Sie uns Änderungen an online@schwaebische.de mit.

„Warnung vor dem stillen Ertrinken“

Anders als im Film ertrinken Menschen nicht mit wedelnden Armen und lauten Hilferufen, lässt die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in einer aktuellen Pressemitteilung wissen. Mit einer bundesweiten Kampagne macht die DLRG darauf aufmerksam, dass Menschen meist leise und unbemerkt unter der Wasseroberfläche verschwinden. Allerdings, so die DLRG weiter, gebe es erkennbare Anzeichen dafür, dass Jemand zu ertrinken droht: Der Kopf ist nach hinten geneigt und unter Wasser, der Mund befindet sich auf Höhe der Wasseroberfläche. Die Augen sind geschlossen oder glasig und leer. Der Körper befindet sich senkrecht im Wasser, die Beine bewegen sich nicht. Der Ertrinkende beschleunigt die Atmung und ringt nach Luft oder aber versucht zu schwimmen und kommt nicht mehr voran oder versucht vergeblich, sich auf den Rücken zu drehen. Wer solche Alarmsignale bei einem Badegast ausmacht, der sollte sofort handeln. In freiem Gewässer den Notruf 112 wählen. Im Flappach genügt es, um Hilfe zu rufen und die Rettungsschwimmer aufmerksam zu machen. Die DLRG rät, sich auf keinen Fall selbst in Gefahr zu bringen. Laut DLRG-Statistik ertranken allein zwischen Juni und September 2018 fast 300 Menschen in deutschen Gewässern – viele davon lautlos.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen