Das Rutentheater erfindet sich neu

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„Zauber und Zinnober“ ist der Titel des Stücks beim diesjährigen Ravensburger Rutentheater.
„Zauber und Zinnober“ ist der Titel des Stücks beim diesjährigen Ravensburger Rutentheater. (Foto: Rosa Laner)
Rosa Laner

Karten für das Ravensburger Rutentheater 2018 gibt es in der Tourist-Information im Lederhaus.

Alle Berichte zum Rutenfest finden Sie unter www.schwaebische.de/rutenfest

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Zum ersten Mal sind die Schauspielerinnen und Schauspieler des Ravensburger Rutentheaters in dieser Woche in ihre Kostüme geschlüpft. Fazit: Die Schneiderinnen haben ganze Arbeit geleistet. Eher nüchtern, grau und gedeckt die einen, leuchtend und farbenfroh die anderen. Dieses Farbkonzept verdeutlicht die Handlungsebenen. Denn zwei Epochen, die Aufklärung des 18. Jahrhunderts und die Romantik, kommen in dem Stück „Zauber um Zinnober“ in diesem Jahr zusammen.

Die Akteure warten auf ihren Einsatz. „Wir sagen beide zwei Wörter. Und wir kommen von jeder Seite einmal auf die Bühne“, berichten die süßen Feen Toffi Fee und Kori Fee voller Stolz. Das sind die sechsjährige Judith und die siebenjährige Luisa. Eine andere Rolle hat Maxi, nämlich die der Candida Terpin. „Ich spiele die Tochter von einem Professor. Bei mir geht es mit dem Lernen, ich habe nur mittelmäßig viel Text“, erklärt sie. Lampenfieber hat sie nicht, sie habe schon dreimal beim Ballett und dreimal beim Theater mitgemacht. Die Auftritte vergesse man nie wieder.

Der zehnjährige Yannik darf als Wurzelsepp einen Rap und der elfjährige Vincent als Erdgeist ein Gedicht zum Besten geben. Ob nun Hauptrollen oder kleinere Nebenrollen, eins haben alle gemeinsam: Mit großer Begeisterung und auch Ernsthaftigkeit sind sie bei der Probe dabei, folgen den Anweisungen des Regisseurs Bodo Klose: „Abtritt, Umbau, spielt etwas nach vorne. Das Verliebte war gerade ganz schön gespielt.“ Klose hat wahrlich alles im Blick. Wo genau die Bühnenelemente platziert werden. Wenn eine Perücke nicht richtig sitzt, ein Hosenbein nicht ordentlich im Stiefel steckt oder eine Türe offen steht.

Das Zuhause des Klein Zaches, ein fürstlicher Hof von Kemmerlang und Wuchzenhofen, die Universitätsstadt Kemmerlang und die Welt der Zauberer und Feen: Spannung und Spaß fließen ineinander, allein schon bei den Namensgebungen. Ekkehard Zeim, der wieder das Stück geschrieben hat, erklärt: „Der Inhalt basiert auf dem Märchen ,Klein Zaches genannt Zinnober’ von E.T.A. Hoffmann. Die Aufklärung wird infrage gestellt von der Romantik. Skeptiker kommen ins Spiel, vor allem Zauberer. Nach der Aufklärung darf es keine solche mehr geben. Zauberer und Feen haben Berufsverbot, natürlich machen sie heimlich weiter.“

So wird durch den in guter Absicht verhängten Zauber einer Fee der flegelhafte Klein Zaches auf einmal von allen als hochbegabter Mensch wahrgenommen. Er heißt jetzt Zinnober, studiert und macht Karriere. Aber in Wirklichkeit kann er rein gar nichts, außer zu lügen und auf anderen herumzutrampeln. Wie diese Verblendung enden wird, bleibt noch geheim. Immerhin verrät Ekkehard Zeim: „Die Schussen soll aufgestaut, Wälder sollen abgeholzt und Schulen verbessert werden. Eine Aktion ist zum Beispiel, dass es dem Minister das Toupet lupft. Ich habe mit solchen Ideen schon einige Probleme für die Spezialisten geschaffen und es war spannend, wie diese gelöst wurden.“ Ein dreiviertel Jahr dauerte der Entstehungsprozess des Stückes. Die Beteiligten hätten erst einmal schlucken müssen angesichts einer nie gehörten, ganz unbekannten Geschichte. Für den Autor sind es am Ende die schönsten Momente, wenn er das Gerüst und die Figuren vor Augen hat.

Martina Zeller hat wieder die Gesamtleitung des Rutentheaters. „Bis jetzt ist alles super gelaufen“, sagt sie, „aber am Anfang war ich schon kritisch. Doch es ist schön, dass wir mal ein Wagnis bringen. Ich weiß, dass es richtig gut wird. Ich freue mich, dass wir die Leute überraschen.“

Regisseur Bodo Klose zur Seite steht das bewährte Rutentheater-Team. Rund 90 Schauspieler/innen spielen in zwei Besetzungen. Klose: „Diese zwei Welten der Aufklärung und Romantik sind sehr interessant. Bei mir war die Begeisterung dafür gleich da. Es ist eine tolle theatralische Entwicklung auf verschiedenen Ebenen. Wir wollen das Publikum mit einer neuen Geschichte überraschen, bei der die Kinder natürlich ihren Spaß haben sollen. Aber das Stück hat auch eine metaphysische Bedeutung für Erwachsene. Da spielt zum Beispiel im Hintergrund Trump mit rein, dass so jemand sich so durchsetzen kann.“

Das Bühnenbild hat Marcus Bendel mit seinem Team geschaffen: Sperrholz, Styropor und Farbe, daraus sind die überdimensionalen Bücher hergestellt. Die Welt der Bücher ist die Welt der Wissenschaft. Die Proportionen erinnern dabei an die Bregenzer Festspiele.

Die Tänze steuert erstmals die Ballettschule Bettina Owczarek bei. Für die Musik sorgt das Jugendblasorchester der Musikschule Ravensburg unter der Leitung von Musikdirektor Harald Hepner.

Karten für das Ravensburger Rutentheater 2018 gibt es in der Tourist-Information im Lederhaus.

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