Das Projekt „wellcome“ will einer möglichen Überforderung zuvorkommen

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Im Ravensburger Schwörsaal feierten Familien, Ehrenamtliche, Träger und Kooperationspartner das zehnjährige Jubiläum des Dienste
Im Ravensburger Schwörsaal feierten Familien, Ehrenamtliche, Träger und Kooperationspartner das zehnjährige Jubiläum des Dienstes „wellcome“. Die Veranstaltung wird musikalisch umrahmt vom Kinderchor Grünkraut, unter der Leitung Birgit Arnegger. (Foto: Stiftung Liebenau)
Schwäbische Zeitung

Gut fürs Kind, gut für die Familie, gut für die Gesellschaft – mit dieser Überzeugung übernahm die Stiftung Liebenau vor zehn Jahren die Trägerschaft für den ersten „wellcome“-Standort im Landkreis Ravensburg. Seither hat der Dienst zahlreiche junge Familien nach der Geburt ihres Kindes begleitet und sie mithilfe von Ehrenamtlichen, ganz individuell, durch praktische Hilfe im Alltag, unterstützt, teilt die Stiftung mit.

Die Geburt eines Kindes bringt große Freude in das Leben einer jungen Familie, stellt sie aber auch vor große Herausforderungen, den neuen Alltag zu meistern. Wenn dann ein soziales Hilfenetz in Form von Großeltern fehlt, Geschwisterkinder auch Aufmerksamkeit brauchen, die Mutter alleinerziehend ist oder Zwillinge das Licht der Welt erblickt haben, stellt sich schnell die Angst ein, dem nicht gewachsen zu sein. In einer solchen Situation ist der Dienst „wellcome“ da und schließt mithilfe der ehrenamtlich engagierten „wellcome-Engel“ eine gesellschaftliche Lücke, heißt es in einer Pressemitteilung der Stiftung Liebenau. „Schön, dass es „wellcome“ gibt“, ein Satz den Christoph Gräf, Leiter der Frühen Hilfen der Stiftung Liebenau, schon oft gehört hat. „Einer möglichen Überforderung zuvorkommen“, darin, so Gräf, „liegt der Sinn präventiver Hilfen wie ,wellcome’“. Da sein, zuhören und für die Mütter, durch zeitliche Freiräume, Entlastung im Alltag schaffen – auf diese Weise übernimmt wellcome als engagiertes Mitglied im Netzwerk Frühe Hilfen des Landkreises Ravensburg, gemeinsam mit vielen Partnerorganisationen, Verantwortung dafür, dass Kinder einen guten Start ins Leben haben.

Hilfe nach der Geburt

Für Konrad Gutemann, Leiter des Jugendamtes Ravensburg, steht hinter der Arbeit von „wellcome“ ein inklusiver Gedanke: „Der Dienst ,wellcome’ ist für alle da, und die beste Prävention und Fürsorge setzt vor oder direkt nach der Geburt an. Wir müssen Eltern Mut machen, zu erziehen und sie in schwierigen Zeiten unterstützen.“ Das Konzept hat auch den Bürgermeister der Stadt Aulendorf, Matthias Burth, überzeugt: „,wellcome’ ist ein beeindruckendes Beispiel für gelungenes bürgerschaftliches Engagement.“ Unabhängig vom sozialen Status, kann jede Familie die Hilfe von „wellcome“ in Anspruch nehmen. Daher leiste Aulendorf gerne einen finanziellen Beitrag, um das Angebot nachhaltig zu sichern.

Die Familien im Blick haben: „Denn, nur, wenn es den Eltern gut geht, geht es auch den Kindern gut“, so beschreibt Kirsten Harnisch-Eckert, die Geschäftsführerin der „wellcome“-Bundeszentrale Hamburg die Aufgabe der bundesweit mittlerweile 230 „wellcome“-Standorte. Und lobend fügt sie hinzu: „Die Entwicklung des ,wellcome’-Standortes im Schussental ist vorbildlich.“ Die steigende Nachfrage von Familien nach einer Ehrenamtlichen in den letzten Jahren verdeutlicht dies. Der Druck auf die jungen Eltern werde größer. Damit steige auch die Belastung.

Den Einsatz der „wellcome-Engel“ beschreibt Silke Haller, die „wellcome“-Koordinatorin des Standortes Schussental, als „Gelassenheitstransfer“. Die Ehrenamtliche kommt, und die Mütter können einfach mal durchatmen. „In den wöchentlichen Treffen wusste ich meine Kinder versorgt, konnte Schlaf nachholen oder einfach für mich die Ruhe genießen“, erzählt Lena Schepkowski, Mutter von Zwillingen.

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