Das Kunstmuseum eröffnet erst im März 2013

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Das Kunstmuseum eröffnet erst im März 2013
Schwäbische Zeitung

Mit Dezember 2012 wird es nichts: Das Kunstmuseum in der Burgstraße eröffnet erst am 1. März 2013. Definitiv, verspricht dessen Leiterin, Dr. Nicole Fritz. Zwar werden Architekt und Bauunternehmer den Neubau wie versprochen im Oktober diesen Jahres übergeben – den Innenausbau, der dann folgt, „wollen wir aber nicht unter Druck angehen“, erläuterte Fritz am Montag dem Gemeinderat.

Schließlich müssten bei einer solch hochkarätigen Sammlung die klimatischen Bedingungen tipp top sein: Die Temperatur soll beispielsweise konstant bei 20 Grad Celsius liegen; die Luftfeuchtigkeit zwischen 50 und 55 Prozent. Sechs Monate seien im Übrigen „normal“, um die Inneneinrichtung samt Leit- und Kassensystem plus Personaleinweisung anzugehen sowie die Werke zu hängen, führte Fritz aus. Auch die Bestandsaufnahme und der Aufbau einer Homepage laufen auf Hochtouren, wobei Fritz besonders damit beschäftigt ist, Kontakte zu knüpfen, damit das Museum nicht an den Ravensburgern vorbei entsteht. Sämtliche Fraktionen waren denn auch voll des Lobes für das, was bereits läuft. Die Räte hoffen, dass sich viele zunächst skeptische Ravensburger schließlich für das Objekt erwärmen.

Fritz versucht einen Spagat: Zum einen sollen international anerkannte Ausstellungen für Renommee sorgen. Zum anderen will sie die Ravensburger mitnehmen, das Museum in der Stadt verankern. Etwa mit einer Gruppe von 16 sogenannten Scouts, von denen ihr die meisten praktisch „zugelaufen“ sind, einfach weil sie sich fürs Museum interessieren – und zwar altersübergreifend. Scouts kriegen Extra-Einführungen und ihr Job ist es, als Multiplikatoren Freunde und Bekannte über Ausstellungen auf dem Laufenden zu halten. Die fast zwei Dutzend Kunstvermittler wiederum firmieren als freie Führer und entwickeln gemeinsam mit Fritz altersspezifische Rahmenprogramme. Auch die Aktion „Neue Bewohner der Burgstraße“ will die Bürger mitnehmen. Aus dem Museum Ravensburger wird im April allabendlich eine Art Dia-Show mit Künstler-Portraits an die gegenüberliegende Hochschulwand projiziert, denn: „Wir wollen der Kunst ein Gesicht geben“, sagt Fritz.

Fremde Blicke auf Ravensburg

Gesicht und Alleinstellungsmerkmal des Museums ist naturgemäß die hochklassige expressionistische Sammlung von Peter und Gudrun Selinka. Daher werden bei der als Hommage an die Leihgeber konzipierten Eröffnungsausstellung 60 der insgesamt 230 Selinka-Arbeiten, ergänzt von privaten und öffentlichen Leihgaben, gezeigt. Der Titel „Appassionata – Die Sammlung Selinka im Dialog“ bezieht sich nicht nur auf Selinkas Sammel-Faible, sondern beleuchtet auch die Rolle, die das Gefühl generell im 20. Jahrhundert gespielt hat. Kurz nach dem Richtfest, das für den 10. Mai angesetzt ist, kommt der erste Stipendiat nach Ravensburg: Einmal im Jahr sollen Künstler aus aller Welt zwei Monate lang ihren „fremden Blick“ auf die Stadt richten und den Einheimischen neue Sichtweisen ermöglichen. Als Erster geht Jerome Chazeix im Theater Ravensburg in einer Performance das Thema Jugendliche mit Migrationshintergrund an.

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