Coronavirus: Ravensburger Gesundheitsamt richtet Hotline ein

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Noch gibt es keinen bestätigten Coronavirus-Fall im Kreis Ravensburg, aber das Landratsamt rechnet damit, dass sich das sehr schnell ändern könnte. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Landkreis, Oberschwabenklinik und Kreisärzteschaft am Dienstag wurde deutlich: Bislang wurden im Kreis Ravensburg nur wenige Patienten auf Covid-19 getestet. Viele Hausärzte haben selbst weder Schutzkleidung noch Mundschutzmasken, weil diese bundesweit nicht mehr verfügbar sind. Daher fordert der Vorsitzende der Kreisärzteschaft eine zentrale Anlaufstelle, um Verdachtsfälle zu testen. Für besorgte Bürger hat das Gesundheitsamt jetzt ein Callcenter mit Hotline eingerichtet. Es ist unter 0751/855050 zu erreichen, damit Anrufe nicht mehr ins Leere laufen.

Viele Hausärzte haben keine Schutzkleidung

Wer ist eigentlich zuständig für die Eindämmung einer Seuche, von der man noch nicht so genau weiß, ob sie „nur“ einer schweren Grippe gleicht oder doch gefährlicher ist? Landrat Harald Sievers, Jan-Ove Faust von der Oberschwabenklinik und Kreisärzteschaftsvorsitzender Hans Bürger versuchten Licht ins Kompetenzwirrwarr zu bringen. Damit möglicherweise am Coronavirus erkrankte Menschen in Zukunft nicht mehr von allen möglichen Stellen abgewimmelt werden, stellten die Beteiligten klar: Erster Ansprechpartner ist der Hausarzt, und zwar übers Telefon. „Wenn jemand erkältet aus dem Italienurlaub zurückkommt, sind wir niedergelassenen Ärzte zuständig, ganz klar“, meinte Hans Bürger. Selbst wenn ein Kollege keine eigene Schutzkleidung habe und deshalb verständlicherweise keinen Abstrich vornehmen wolle, müsse er am Telefon ergründen, ob der Betreffende in einem Risikogebiet war beziehungsweise Kontakt zu einem Coronakranken hatte, und bei einem begründeten Verdachtsfall einen Test am Elisabethenkrankenhaus oder dem Krankenhaus Wangen veranlassen. Es gehe nicht, dass Sprechstundenhilfen diese Patienten einfach abkanzelten. „Dass sie keine Schutzkleidung haben, entpflichtet die Kollegen nicht von der Aufgabe, Patienten zu beraten. Es wäre allerdings besser, wir würden eine Anlaufstelle etablieren, wo wir niedergelassenen Ärzte mit Schutzkleidung arbeiten könnten“, forderte Bürger.

Denn die Notaufnahmen der Krankenhäuser sollten nur den schwer kranken Patienten vorbehalten bleiben und nicht verstopft werden mit Menschen, die sich testen lassen wollen, obwohl sie wahrscheinlich nur eine harmlose Erkältung haben. Da die Laborkapazitäten genau wie die Anzahl der Testkits begrenzt sind, filtert die Oberschwabenklinik sehr streng Verdachtsfälle heraus. Am Montag sind nach Worten des Medizinischen Leiters, Jan-Ove Faust, in Ravensburg etwa zehn und in Wangen 20 Menschen getestet worden. Das Ergebnis liegt mittlerweile innerhalb von fünf Stunden vor, weil die Abstriche seit einigen Tagen im Labor Dr. Gärtner untersucht werden können und nicht mehr nach Berlin, Stuttgart oder Freiburg geschickt werden müssen. „Bislang hatten wir noch keinen begründeten Verdachtsfall.“ Viele der Getesteten seien Grippekranke, die nach einer Anweisung des Bundesgesundheitsamtes seit einigen Tagen parallel auf den neuen Erreger Sars-Cov-2 untersucht werden müssen.

Aufenthalt im Risikogebiet reicht nicht aus für Test

Wie streng die Auslese ist, wird an einem Fall deutlich, der am Wochenende im Gesundheitsamt aufgeschlagen ist: Ein Lastwagenfahrer, der zuvor in einem Risikogebiet in Norditalien unterwegs war, rief mit schweren Grippesymptomen an. „Bei näherer Befragung kam dann aber heraus, dass er nur durchgefahren ist und nur einmal an einem Parklplatz angehalten hat, um zur Toilette zu gehen“, erzählt Landrat Sievers. Er wurde folglich nicht getestet. Sievers: „Sonst gelingt es uns nicht, uns auf die Fälle zu konzentrieren, die wirklich wichtig sind.“

Immerhin verfügt die Oberschwabenklinik aber noch über ausreichend Schutzkleidung für das medizinische Personal. Sollte es zur Epidemie kommen, reiche das Material für gut vier Wochen, sagte Faust. Bis dahin werden die Lieferengpässe wahrscheinlich beseitigt sein. „Wir haben es von Anfang an abgelehnt, das Material herauszugeben“, sagte Faust. Andere waren da offenbar blauäugiger und spendeten Schutzmasken und Kittel nach China.

Bei der „Schwäbischen Zeitung“ haben sich nach dem Bericht über eine junge Ravensburgerin, die nach einem Mailand-Aufenthalt Erkältungssymptome zeigte und die niemand testen wollte, einige Leser gemeldet, denen es ähnlich ergangen ist. Demnach wiesen sie die Sprechstundenhilfen am Telefon ab, das Gesundheitsamt war nicht zu erreichen.

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