Corona-Newsblog: Polizei-Einsatz am Bahnhof Tuttlingen wegen Maskenpflicht

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Die wichtigsten Nachrichten und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Newsblog mit Fokus auf Deutschland und Schwerpunkt auf den Südwesten.

Aktuelle Zahlen des RKI¹:

  • Aktuell Infizierte Baden-Württemberg: ca. 504 (36.041 Gesamt - ca. 33.700 Genesene - 1.837 Verstorbene)
  • Todesfälle Baden-Württemberg:  1.837
  • Aktuell Infizierte Deutschland: ca. 4.799 ( 198.963 Gesamt - ca. 185.100 Genesene - .9064 Verstorbene)
  • Todesfälle Deutschland: 9.064

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • RKI empfiehlt, nach einer Infektion die Corona-Warn-App zu deinstallieren (17.50 Uhr)
  • Experte rechnet nicht mit Impfstoff bis kommendes Jahr (08.45 Uhr)
  • Spahn äußert sich beunruhigt über Verhalten von Urlauber auf Mallorca (1.10 Uhr)
  • Sinkende Antikörperzahl dämpft Hoffnung auf Impfstoff (06.25 Uhr)
  • Folgestudie zu Corona und Kindern (13.43 Uhr)
  • Kinderhilfswerk warnt vor globalem Bildungsnotstand wegen Corona (08.21 Uhr)
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++ Kanzlerin zeigt sich zurückhaltend zu schneller Einigung auf EU-Corona-Hilfen

(20.36 Uhr) Im EU-Finanzstreit um die Corona-Hilfen hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Bezug auf eine schnelle Einigung zurückhaltend gezeigt. „Noch sind die Positionen auseinander; ich vermag nicht zu sagen, ob wir schon am Freitag oder Samstag zu einer Einigung kommen werden“, sagte Merkel bei einer Pressekonferenz mit Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte am Montag auf Schloss Meseberg. Am Ende der Woche ist ein Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs zum beispiellosen Finanzpaket von insgesamt rund 1,8 Billionen Euro geplant.

Deutschland und Italien seien „mit der Grundstruktur des Fonds einverstanden“, sagte Merkel. Zu den von EU-Ratspräsident Charles Michel gemachten Kompromissvorschlägen habe jedes Land allerdings noch seine „nationalen Interessen hinzuzufügen“. Es sei aber eine gute Idee, mit den einzelnen Staaten Vereinbarungen über die Verwendung der Gelder zu schließen, sagte Merkel.

Conte pochte auf eine schnelle Einigung, um seinem schwer von der Corona-Pandemie getroffenem Land zu helfen. Merkel lobte die Anstrengung Italiens und appellierte an die Solidarität in der EU.

Deutschland hat genauso wie Italien ein Interesse an einem funktionierenden Binnenmarkt.

Kanzlerin Angela Merkel

Die EU-Staats- und Regierungschefs kommen ab Freitag in Brüssel zusammen, um über das Finanzpaket von insgesamt rund 1,8 Billionen Euro zu entscheiden. Dabei geht es um den Aufbauplan gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise und den nächsten Sieben-Jahres-Haushalt für die Zeit von 2021 bis 2027.

Die EU-Kommission hat die Aufnahme von 750 Milliarden Euro Schulden zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Rezession wegen der Corona-Krise vorgeschlagen. Profitieren sollen vor allem die am schwersten durch die Pandemie getroffenen Länder wie Italien und Spanien.

500 Milliarden Euro sollen dabei als Zuschüsse fließen, der Rest als Kredite. Österreich, Dänemark, Schweden und die Niederlande wollen dagegen nur Kredite vergeben. Auch bei anderen Details des Vorhabens gehen die Meinungen der Mitgliedstaaten auseinander.

++ Polizei-Einsatz am Bahnhof Tuttlingen wegen Maskenpflicht

(18.14 Uhr) Weil sich mehrere Personen gegen die Maskenpflicht in einem Zug wehrten, kam es am Bahnhof Tuttlingen zu einem Einsatz der Polizei.

Die zwölf Reisenden waren auf dem Weg zu einer Demonstration gegen die Corona-Verordnung in Stuttgart und hatten sich unterwegs mit dem Zugbegleiter angelegt. Das teilte die Polizei in Konstanz am Montag mit.

Gegenüber den im Zug eingesetzten Polizisten zeigten sie sich zunächst uneinsichtig. Am Ende lenkten sie jedoch ein. Nur für einen 58-Jährigen endete die Fahrt vorzeitig am Bahnhof Tuttlingen, da er sich weiter weigerte, Mund und Nase zu bedecken. Ihm droht nun ein Bußgeld.

++ RKI empfiehlt, nach einer Infektion die Corona-Warn-App zu deinstallieren

(17.50 Uhr) Die Corona-Warn-App soll Nutzer davor warnen, wenn sie Kontakt mit Corona-infizierten Personen hatten. Aber die App hat einen Denkfehler: Genesene können sich nicht als genesen melden. Das Robert-Koch-Institut hat deshalb auf Anfrage von "schwäbische.de" eine Empfehlung ausgesprochen.

Lesen Sie alle Hintergründe dazu hier.

Corona-Warn-App
Mithilfe der Corona-Warn-App werden Bürger benachrichtigt, sollten Sie sich in der Nähe eines am Corona-Virus erkrankten aufgehalten haben, wenn dieser die App ebenso installiert hatte und seine Erkrankung meldet. (Foto: Michael Kappeler / DPA)

++ Folgestudie zu Corona und Kindern

(13.43 Uhr) Inwieweit reagieren Kinder und Jugendliche anders auf das Coronavirus als Erwachsene? In einer Folgestudie wollen Forscher aus Baden-Württemberg unter anderem untersuchen, ob und wie viele Jungen und Mädchen Antikörper gegen das Virus gebildet haben - und wie es sich im Vergleich mit Erwachsenen im selben Haushalt verhält.

Auch die Immunreaktion der Kinder soll beleuchtet werden, wie das Universitätsklinikum Ulm zum Start des Projekts am Montag mitteilte. An der Studie sind außer dem die Universitätskliniken Tübingen, Heidelberg und Freiburg beteiligt.

Mit ersten Ergebnissen wird erst in drei bis vier Monaten gerechnet. Bereits im April und Mai hatten die vier Kliniken im Auftrag des Landes die Rolle von Kindern bei der Ausbreitung des Virus untersucht. Dabei zeigte sich, dass Kinder sich seltener mit dem Coronavirus infizieren als ihre Eltern.

++ Studie: Schulen keine Corona-Hotspots

Die sächsischen Schulen haben sich nach ihrer Wiedereröffnung in der Corona-Krise bisher nicht als Hotspots für Neuinfektionen erwiesen. Das ist ein Ergebnis einer Analyse der Universitätsklinik Dresden, die am Montag vorgestellt wurde.

Bei 2045 untersuchten Blutproben wurden in zwölf Fällen Antikörper gegen Sars-CoV-2 nachgewiesen. In einigen Schulen habe es bestätigte Corona-Fälle gegeben, bei Lehrern und Schülern an den Schulen seien aber nicht überdurchschnittlich häufig Antikörper nachweisbar, hieß es.

"Wir gehen in die Sommerferien 2020 mit einem Immunitätsstatus, der sich nicht von dem im März 2020 unterscheidet", erklärte Studienleiter Reinhard Berner. Eine stille, symptomfreie Infektion habe den Daten nach noch seltener stattgefunden als zuvor vermutet.

Untersucht wurden im Mai und Juni mehr als 1500 Schüler überwiegend der Klassenstufen acht bis elf und etwa 500 Lehrer aus Schulen in Dresden und im Landkreis Bautzen. Die Studie sei repräsentativ für Regionen mit niedrigen Infektionszahlen, sagte Berner. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) kündigte an, dass nach den Sommerferien an den Schulen der Normalbetrieb mit Hygienevorschriften wieder beginnt.

++ Baden-Württembergischer Handwerkstag schlägt Alarm

(12.25 Uhr) Manche Baubehörden und Landratsämter im Südwesten tauchen seit Beginn der Corona-Krise richtiggehend ab — das ist die Erfahrung der Mitglieder des Baden-Württembergischen Handwerkstags (BWHT).

„Kommunale Behörden müssen wieder auf Normalbetrieb hochfahren“, forderte BWHT-Präsident Rainer Reichhold am Montag bei einer Corona-Zwischenbilanz des Handwerkstags in Stuttgart. Das Handwerk habe gearbeitet, Geschäfte seien wieder offen - das müsse auch für Ämter gelten.

Das Handwerk werde ausgebremst, weil viele Ämter weder Bau-Abnahmen noch Ausschreibungen durchführten, heißt es beim BWHT. Reichhold und BWHT-Geschäftsführer Oskar Vogel vermuten, dass das unter anderem an massiven Defiziten bei der Digitalisierung liegt. „Die Mitarbeiter sind im Homeoffice und sagen uns, sie können Abnahmen nicht einmal vorbereiten, weil sie keinen Zugriff auf die vollständigen Unterlagen haben“, sagte Vogel.

Für das Handwerk sei dieser Zustand besorgniserregend. Wenn es keine Baugenehmigungen gebe, gebe es auch weniger Aufträge und es sei damit für das Handwerk im Land umso schwerer, die Corona-Krise zu überstehen.

++ Corona-App-Funktion fehlt: Was macht man bei Genesung?

(11.45 Uhr) Die Corona-Warn-App wird von der Bundesregierung als entscheidende Maßnahme zur Identifizierung von Infektionsketten angesehen. Gegenwärtig hätten rund 15,5 Millionen Menschen die App auf ihre Smartphones geladen, bestätigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bei einer Pressekonferenz am Montag.

Die App funktioniere auch und habe sich bewährt, so Spahn. Allerdings scheint die Bundesregierung bei der Entwicklung einen entscheidenden Aspekt nicht berücksichtigt zu haben: Was können infizierte Personen tun, die wieder genesen sind?

In der App lässt sich der Infektions-Warnhinweis nicht als „gesund“ aktualisieren, die Warnung bleibt also auch in den Apps von Genesenen bestehen. In den „Fragen und Antworten“ der Bundesregierung gibt es dazu keinen Hinweis.

Die „Zeit“ hat das RKI mit diesem Umstand konfrontiert und auch mit einer betroffenen Person gesprochen, die die App wieder von ihrem Smartphone gelöscht hat, weil sie nicht ihren neuen Gesundheitsstatus hinterlegen konnte. „Eine Gesundmeldung ist […] nicht möglich“, bestätigt das RKI der „Zeit“ auf Nachfrage.

Personen, deren positives Testergebnis registriert sei, könnten die App wieder löschen, heißt es beim RKI und das Bundesgesundheitsministerium erklärt, dass Anwender auch die App in den Einstellungen zurücksetzen könnten. Doch diese Hinweise sind für die Anwender nicht ausdrücklich in den Hinweisen hinterlegt.

Spahn betonte am Montag, dass die App fortlaufend verbessert werde, vor allem mit Blick auf Fehlermeldungen. Ob auch ein Update für einen „Gesund-Knopf“ angedacht ist, blieb aber offen.

++ Spahn äußert sich beunruhigt über Verhalten von Urlauber auf Mallorca

(10.10 Uhr) Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat seine Mahnung erneuert, die Corona-Pandemie nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Eine zweite Welle sei nicht ausgeschlossen. "Die Gefahr einer zweiten Welle ist real".

Die Krise sei keineswegs vorbei. Vor diesem Hintergrund hätten ihn die Meldungen von der Urlaubsinsel Mallorca sehr beunruhigt, so Spahn. "Wir müssen sehr aufpassen, dass der Ballermann kein zweites Ischgl wird."

Am Partystrand Ballermann auf Mallorca sorgten Hunderte Touristen für Empörung, die am Freitagabend unter Missachtung der Vorsichtsmaßnahmen feierten. Auf Mallorca und den anderen Baleareninseln soll am Montag wegen der Corona-Pandemie nun eine weitgehende Maskenpflicht in Kraft treten.

Die Gesundheit der Urlauber und der Einheimischen habe Priorität, begründete die Präsidentin der Balearen-Regionalregierung, Francina Armengol, die Maskenpflicht. Das Coronavirus sei immer noch da und es wäre ungerecht, wenn die große Mehrheit, die sich verantwortungsbewusst verhalte, von wenigen Unvorsichtigen gefährdet werde.

++ Experte rechnet nicht mit Impfstoff bis kommendes Jahr

(08.45 Uhr) Der französische Epidemiologe Arnaud Fontanet geht nicht davon aus, dass die Entwicklung eines vollständig wirksamen Impfstoffes gegen das neuartige Coronavirus bis ins kommende Jahr gelingt.

Die Entwicklung eines Impfstoffes dauere in der Regel mehrere Jahre, sagte Fontanet im Sender BFMTV. Der Berater der französischen Regierung in der Corona-Krise rief die Menschen dazu auf, Abstandsregeln aufgrund der Pandemie ernst zu nehmen.

Zwar gebe es „beispiellose Bemühungen zur Entwicklung eines Impfstoffs“ gegen das Coronavirus, sagte Fontanet. „Ich wäre aber sehr überrascht, wenn wir 2021 einen effektiven (Impfstoff) hätten.“

 ++Kinderhilfswerk warnt vor globalem Bildungsnotstand wegen Corona

(08.21 Uhr) Die Kinderhilfsorganisation Save the Children hat vor einem weltweiten Bildungsnotstand als Folge der Corona-Pandemie gewarnt. Bis Jahresende könnten fast zehn Millionen Kinder für immer vom Unterricht ausgeschlossen sein.

Besonders betroffen seien Mädchen in ärmeren Ländern oder Konfliktregionen, die aufgrund der Schulschließungen und wirtschaftlichen Probleme in Kinderarbeit oder Frühehen gezwungen würden.

Als Konsequenz fordert die Kinderrechtsorganisation unter anderem Kreditgeber auf, den ärmsten Staaten einen Aufschub bei der Schuldentilgung zu gewähren. Darüber hinaus müssten Kinder während der Schulschließungen Zugang zu digitalem Lernen und Schutzmöglichkeiten haben.

Vor der Pandemie seien 258 Millionen Kinder und Jugendliche weltweit nicht zur Schule gegangen, hieß es in dem Bericht. Durch die weltweiten Schulschließungen waren es demnach zwischenzeitlich 1,6 Milliarden, aktuell liegt die Zahl bei etwa einer Milliarde.

++ Sinkende Antikörperzahl dämpft Hoffnung auf Impfstoff

(06.25 Uhr) Neue Untersuchungen von genesenen Covid-19-Patienten dämpfen die Hoffnung auf eine lang anhaltende Immunität und damit auch auf eine lange Wirksamkeit einer möglichen Impfung.

Bluttests der ersten Corona-Patienten in Deutschland, die Ende Januar in der München Klinik Schwabing behandelt wurden, zeigten ein deutliches Absinken der Anzahl von sogenannten neutralisierenden Antikörpern im Blut, berichtete Clemens Wendtner, Chefarzt der dortigen Klinik für Infektiologie.

„Bei vier der neun Patienten sehen wir sinkende neutralisierende Antikörper in einem sehr speziellen Test, der nur in einem Hochsicherheitslabor erfolgen kann“, sagte Wendtner. „Inwieweit dies Auswirkungen für die Langzeitimmunität und die Impfstrategien hat, ist derzeit noch spekulativ, muss aber im weiteren Verlauf kritisch beobachtet werden.“ Es deute aber darauf hin, dass nach durchgemachter Krankheit eine Neuansteckung möglich sei.

Dies müsse weiter beobachtet werden, sagte Wendtner. Für die Langzeitimmunität sei neben der sogenannten B-Zell-assoziierten über Antikörper gemessenen Immunität auch die sogenannte T-Zell-Immunität relevant. Wenn Patienten neutralisierende Antikörper verlören, könne diese Immunität eventuell einen Schutz geben. T-Lymphozyten können virusinfizierte Zellen gezielt abtöten, wenn sie zuvor ihren Gegner einmal kennen gelernt haben.

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