Corona-Newsblog: Das waren die wichtigsten Entwicklungen am Wochenende

Lesedauer: 56 Min
Digitalredakteurin
Deutsche Presse-Agentur
Agence France-Presse

Die wichtigsten Nachrichten und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Newsblog mit Fokus auf Deutschland und Schwerpunkt auf den Südwesten.

Aktuelle Zahlen des RKI¹:

  • Aktuell nachgewiesen Infizierte Baden-Württemberg: ca.  5.898 (53.853 Gesamt - ca. 46.054 Genesene - 1.901 Verstorbene)
  • Todesfälle Baden-Württemberg: 1.901
  • Aktuell nachgewiesen Infizierte Deutschland: ca. 36.277 (319.381 Gesamt - ca. 273.500 Genesene - 9.604 Verstorbene)
  • Todesfälle Deutschland: 9.604
Durch Meldeverzug und die aufwändige Datenverarbeitung kann es Abweichungen zwischen den hier gemeldeten Zahlen und Meldungen von einzelnen Landkreisen geben.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Die Lage in Stuttgart und Esslingen spitzt sich zu, Maßnahmen deutlich verschärft
  • Fast 27.000 neue Corona-Fälle an einem Tag in Frankreich (9.50 Uhr)
  • Söder will 250 Euro Bußgeld für Maskenverweigerer in ganz Deutschland (8.56 Uhr)
  • Stuttgart wird zum Risikogebiet (Sonntag, 7.15 Uhr)
  • Gegner von Corona-Maßnahmen demonstrieren mit Schweigemarsch in Berlin (Samstag, 16.40 Uhr)
  • Köln als nächste Großstadt betroffen - Kritik an Wust von Vorschriften (9.30 Uhr)
  • Stadt Memmingen über Corona-Warnwert (8.48 Uhr)
  • Kretschmann rät zu Verzicht auf Urlaub in den Herbstferien  (9.32 Uhr)

++ Mecklenburg-Vorpommern erlaubt Privatbesuche aus Risikogebieten

(22.12 Uhr) Mecklenburg-Vorpommerns Landesregierung hat nun doch die Einreise von Privatpersonen aus Risikogebieten zu Familienbesuchen ohne vorherigen negativen Coronatest und anschließende Quarantäne gestattet. Nach deutlichen Unverständnis-Erklärungen über die seit Freitag geltende neue Corona-Verordnung hat Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) mit sofortiger Wirkung die Bestimmung verändert. Danach dürfen Personen, die in Risikogebieten leben, zu privaten Besuchen bei ihrer Kernfamilie mit Wohnsitz in Mecklenburg-Vorpommern einreisen, sich im Land aufhalten oder wieder zurückkehren.

„Ein solcher Familienbesuch ist auch zusammen mit dem Ehegatten, eingetragenen Lebenspartner oder Lebensgefährten möglich“, heißt es in der am Sonntagabend veröffentlichten sogenannten Allgemeinverfügung. Es müssten aber die angemessenen Schutz- und Hygienekonzepte eingehalten werden.

Die Regelung gelte auch für Anlässe, bei denen die Anwesenheit der Personen aus rechtlichen Gründen oder zur Erfüllung einer moralischen Verpflichtung zwingend erforderlich ist. Eine Sprecherin interpretierte diesen Passus beispielsweise mit einer Trauerfeier. Einreisen dürften auch Personen, die beabsichtigen, im Nordosten eine Ehe zu schließen.

++ Stuttgart fordert Hilfe der Bundeswehr an

(19.31 Uhr) Weil die Zahl der neuen Corona-Infektionen im Kreis Esslingen und auch in Stuttgart weiter gestiegen ist, verschärft die Politik die Einschränkungen und spricht von einer dramatischen Lage. In der Landeshauptstadt treten von diesem Mittwoch an um Mitternacht strengere Regeln in Kraft.

Nach der am Sonntagabend vom Landesgesundheitsamt veröffentlichten jüngsten Statistik liegt die wichtige Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage im Kreis Esslingen bei 74,4, in Stuttgart bei 55,8. Bei einem Wert über 50 werden Auflagen verschärft. Lesen Sie hier alle Details der neuen Entwicklung.

++ Ein Toter und 72 Neuinfektionen in Vorarlberg

(18.21 Uhr) Seit Samstag (16 Uhr) sind in Vorarlberg 72 Corona-Neuinfektionen zu verzeichnen. Demgegenüber stehen acht Personen, die wieder als gesund gelten. Auch ein weiterer Todesfall wurde in dem österreichen Bundesland bekannt. Es gilt in Deutschland als Risikogebiet, die Einreise ist nur unter Auflagen möglich.  

54 der 72 Neuinfektionen können laut Landespressestelle auf das Umfeld von bereits zuvor positiv getesteten Personen zurückgeführt werden. Bei sechzehn Fällen sind die Ansteckungsquellen noch unklar, bei zwei Personen können bereits konkrete Rückschlüsse zm Weg der Infektion gezogen werden.

Der neue Todesfall betrifft eine Person, die seit einer Woche stationär im Landeskrankenhaus Hohenems versorgt wurde. Alktuell sind in Vorarlberg 468 Personen aktiv infiziert.

++ Söder wegen Coronazahlen in Sorge — Polizei löst Partys auf 

(16 Uhr) Bayerjs Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist angesichts der steigenden Zahlen von Coronainfektionen in Sorge. „Wir haben fünf vor zwölf. Man darf sich die Lage nicht länger schönreden“, sagte der CSU-Chef der „Bild am Sonntag. Nötig seien rasche Maßnahmen für alle: „Frühere Sperrstunden und keine größeren Partys und Feiern für eine gewisse Zeit.“

Bayern ist da keine Ausnahme. Vier Corona-Brennpunkte gab es am Wochenende im Freistaat. Die Städte Memmingen und Rosenheim sowie die Landkreise Fürstenfeldbruck und Regen lagen laut Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin am Sonntag (Stand: 00.00 Uhr) über der kritischen Schwelle von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Die Stadt München lag nur knapp darunter.

Söder machte sich für bundesweit schärfere Strafen bei Verstößen gegen Corona-Regeln stark. In mehreren Interviews forderte der CSU-Chef für Verstöße gegen die Maskenpflicht bundeseinheitliche Bußgelder von 250 Euro. In Bayern gilt dieser Regelsatz bereits. „Leider sind wir auf dem Weg zu exponentiellem Wachstum, gerade in den Großstädten ist die Herausforderung sehr, sehr groß“, hatte er am Samstag bei der virtuellen Landesversammlung der Frauen-Union gesagt. Man müsse jetzt klug und umsichtig bleiben, um einen zweiten Lockdown zu verhindern. „Wenn wir aber nichts tun und aufpassen, läuft es unweigerlich in diese Richtung“, sagte Söder.

Das mit Abstand und Rücksicht bei Partys klappte am Wochenende aber nicht überall. In München hatte ein Anrufer der Polizei von einer illegalen Party auf dem Schlachthof-Gelände mit rund 150 Gästen berichtet. Als die Beamte am frühen Sonntagmorgen anrückten, trafen sie dort etwa 30 Leute, die in einem leerstehenden Haus feierten - ohne Abstand und Mundschutz. Sie seien wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz angezeigt worden, heißt es im Polizeibericht.

Am Wochenende gab es vier Corona-Brennpunkte in Bayern. In Rosenheim meldete das RKI 70,8 Infektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche. Im Landkreis Fürstenfeldbruck lag dieser Wert bei 64,3, in der kreisfreien Stadt Memmingen bei 56,7, im Landkreis Regen bei 60,7. Die Stadt München lag mit 48,6 nur noch knapp unterhalb dem Grenzwert von 50. Der Landkreis München hatte mit einem Wert von 35,7 zudem eine wichtige Signalschwelle überschritten. Soll sich daran bis Mittwoch nichts ändern, will das Landratsamt schärfere Maßnahmen anordnen.

In Memmingen handelt es sich nach Auskunft der Stadt um Infektionen im familiären Bereich, das Infektionsgeschehen sei aber nicht klar eingrenzbar. „Wir werden immer auf die Verhältnismäßigkeit von Maßnahmen achten, sollten Einschränkungen notwendig werden“, sagte Oberbürgermeister Manfred Schilder (CSU). Die schwäbische Stadt begrenzte wurde unter anderem die Zahl bei Feiern, Vereins- oder Parteisitzungen auf höchstens 50 Teilnehmer. Von Festen in Privaträumen mit mehr als 25 Menschen riet sie dringend ab. Ähnliche Regeln gibt es in den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Regen.

In Rosenheim dürfen sich seit Samstag im öffentlichen Raum wie auf Privatgrund nur noch höchstens fünf Personen als Gruppe aufhalten. An Feiern in privaten Räumen dürfen maximal 25 Menschen teilnehmen, das gilt auch für öffentliche Veranstaltungen. Verstöße können eine Geldbuße von bis zu 25 000 Euro nach sich ziehen.

++ Dutzende Schüler im Bodenseekreis in Quarantäne - auch Fall in Kita

(14 Uhr) Auch das Bildungszentrum Markdorf (Bodenseekreis) ist seit dem Wochenende direkt von der Corona-Pandemie betroffen. Ein Schüler der Oberstufe des Gymnasiums wurde positiv getestet. Laut Schulleitung müssen Dutzende Schüler und mehrere Lehrer nun zwei Wochen in häuslicher Quarantäne verbringen. Alle Details gibt es hier. Auch an einer Kita in Kressbronn wurde ein Corona-Fall bestätigt.

++ Unbekannte Frau nimmt Maske ab und niest Mann ins Gesicht

(13.23 Uhr) — Eine unbekannte Frau hat einem Mann in einem Geschäft in Oberteuringen aus nächster Nähe ins Gesichts geniest. Auslöser für die Tat soll der fehlende Abstand des Mannes gewesen sein, der nur wenige Zentimeter hinter der Frau in der Kassenschlange des Geschäfts im Bodenseekreis stand, wie ein Sprecher der Polizei am Sonntag sagte.

Nachdem die laut Polizei etwa 30 Jahre alte Frau den etwa 60-jährigen Mann angeniest hatte, habe sie die Maske wieder aufgesetzt und sich zur Kasse gedreht.

Eine Frau, die bei dem Vorfall am Samstag ebenfalls in dem Laden war, hatte die Polizei auf den Vorfall aufmerksam gemacht. Anhand von Bildern einer Videokamera sucht die Polizei nun nach den beiden Beteiligten des Vorfalls.

Sollte sich herausstellen, dass die Frau etwa mit dem Coronavirus infiziert war, müsse sie mit einer Anzeige wegen Körperverletzung rechnen, so der Sprecher der Polizei. Einen entsprechenden Test könne bei Weigerung der Frau auch ein Staatsanwalt anordnen. Die Ermittler sind zuversichtlich, die Frau ausfindig zu machen: Die Zeugin im Geschäft habe sich das Kennzeichen eines Autos notiert, in das die Frau nach Verlassen des Lebensmittelgeschäfts gestiegen sei.

++ Querdenker schüchtern Kinder bei Corona-Tests  ein

(12.48) - Aufgrund einer Infektion an der Grundschule Stockach wurde am Samstag eine mobile Corona-Teststation vom Landratsamt Konstanz eingerichtet, damit sich in Frage kommende Schüler und Lehrer freiwillig testen lassen konnten. Gegen 9.30 Uhr fanden sich fünf Personen der Querdenker-Bewegung vor Ort ein, die beim Einsatzleiter der Polizei eine Spontandemonstration gegen die Untersuchungsmaßnahmen anmeldeten.

Zunächst standen die Personen im Zugangsbereich der Schule, führten ein Transparent mit und zeigten sich passiv. Im weiteren Verlauf begannen sie jedoch verbal auf die Schulkinder einzuwirken und diese durch ihr Auftreten einzuschüchtern.

Die Polizei forderte die Personen auf, etwas Abstand von der Teststation zu halten. Nachdem sie ohne Gegenrede auf die andere Straßenseite wechselten, kam es in der Folge zu keinen weiteren Störungen.

Gegen 12 Uhr beendeten die Querdenker ihre Versammlung und verließen das Gelände. Bis 15 Uhr ließen etwa 200 Schülern und Lehrer einen Test vornehmen.

++ Forscher warnt vor „Epidemie der Einsamkeit“ 

(11.14 Uhr) — Ein wichtiges Mittel gegen die Ausbreitung des Coronavirus ist Abstand halten. Es hat aber erhebliche Nebenwirkungen, vor allem für ältere Menschen. Der Hamburger Zukunftsforscher Horst Opaschowski warnt vor einer „Epidemie der Einsamkeit“.

„Die Zahl der Menschen fast ohne jeden menschlichen Kontakt in einer Großstadt ist größer als man denkt“, sagt der Leiter des Fachbereichs Beratung und Seelsorge beim Diakonischen Werk Hamburg, Stefan Deutschmann. Bundesweit haben die rund 100 von den beiden großen Kirchen getragenen Telefonseelsorgestellen eine deutliche Zunahme der Gesprächskontakte verzeichnet. In rund 40 Prozent der Telefonate seien die Einschränkungen, Verunsicherungen und Veränderungen durch die Pandemie Hauptthema gewesen.

Der Hamburger Zukunftsforscher Horst Opaschowski warnt vor einer dramatischen Zunahme der Einsamkeit. „Die Pandemie droht zur Epidemie der Einsamkeit zu werden. Seit den "Bleib-zu-Hause"-Empfehlungen der Politik wohnen und leben immer mehr Menschen in Deutschland "allein daheim"“, erklärt Opaschowski.

In einer repräsentativen Umfrage hat er festgestellt, dass die Sorge vor Vereinsamung beinahe genauso verbreitet ist wie die Angst vor Altersarmut. Mitte März dieses Jahres, als in Deutschland der Lockdown begann, waren 84 Prozent der Ansicht: „Für viele ältere Menschen wird in Zukunft die Kontaktarmut genauso belastend wie die Geldarmut sein.“ In einer früheren Befragung im Januar 2019 hatten nur 61 Prozent dieser Aussage zugestimmt.

Im vergangenen Mai gaben 80 Prozent der Befragten in einer Umfrage des Forsa-Instituts an, besonders belaste sie der fehlende Kontakt zu Familie und Freunden. Die Folgen der Pandemie hätten viele Menschen auf eine psychische Belastungsprobe gestellt, erklärte die Techniker Krankenkasse (TK), die die repräsentative Studie in Auftrag gegeben hatte. Die Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen nähmen allerdings schon seit Jahren zu, sagte eine TK-Sprecherin.

Die Bundespsychotherapeutenkammer hatte bereits im August auf diese Gefahr hingewiesen. „Neben Depressionen und Angststörungen, akuten und posttraumatischen Belastungsstörungen können auch Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit, Zwangsstörungen und Psychosen zunehmen“, erklärte Kammerpräsident Dietrich Munz. Ältere zählten zu den am stärksten betroffenen Gruppen. „Bei vielen, die 75 Jahre und älter sind, wird aus der Angst sich anzustecken nicht selten Todesangst und aus Rückzug totale Isolation“, so die Kammer unter Berufung auf praktische Erfahrungen von Psychotherapeuten. „Am Ende quälen sie sich mit der Erwartung, wegen Corona allein zu sterben.“

++ Bordelle im Südwesten dürfen wieder öffnen

(11.07 Uhr) — Bordellbetreiber und Prostituierte laufen in Baden-Württemberg seit Wochen Sturm, denn sie sehen sich in der Coronakrise im Vergleich zu anderen Bereichen benachteiligt. Während vieles gelockert wurde, läuft im ältesten Gewerbe der Welt offiziell seit fast sieben Monaten nichts mehr.

Ein Urteil bringt nun die erhofften Änderungen, denn der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim hat das generelle Sexarbeitsverbot gekippt und es als krassen und außerordentlich schweren Eingriff in die Berufsfreiheit bezeichnet. Ab Montag (12. Oktober) dürfen Freier und Prostituierte wohl wieder offiziell intim werden. Aber wie?

Die grün-schwarze Landesregierung war gezwungen, die Entscheidung des Gerichts umzusetzen und hat dafür nun die Coronaverordnung zum vierten Mal geändert. Sie sollte am Sonntag veröffentlicht werden, damit sie am Montag in Kraft treten kann. Die wichtigsten Punkte daraus: 1:1-Prostitution ist erlaubt. Das heißt kein Gruppensex, sondern eine Prostituierte und ein Freier dürfen in einem Raum Sex haben.

Ferner ist ein Mund-Nasen-Schutz Pflicht und der Kunde muss seine Daten wie beispielsweise bei einem Friseur hinterlassen.

Die Bordelle müssen laut einer Sprecherin des Sozialministeriums in Stuttgart schlüssige Konzepte vorlegen, wie sie das umsetzen wollen. Und: Die Coronaverordnung sei nur bindend für Kommunen, die nicht per Allgemeinverfügung ein komplettes Prostitutionsverbot ausgesprochen hätten.

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++ Fast 27.000 neue Corona-Fälle in Frankreich — Rekord

(9.50 Uhr) — In Frankreich haben sich binnen 24 Stunden 26.896 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert — das sind so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Die Zahl der Infektionen machte damit am Samstag im Vergleich zum Vortag noch mal einen deutlichen Sprung nach oben.

Am Freitag wurden 20.339 Neuinfektionen gemeldet. Auch das war ein Rekordwert. Die Zahl der Todesfälle stieg am Samstag um 54 auf 32.684. In Frankreich leben rund 67 Millionen Menschen.

Die Corona-Lage ist damit weiter sehr angespannt. In mehreren Städten, darunter Paris, Lyon, Lille und Marseille, gilt bereits die höchste Corona-Warnstufe. In den betroffenen Städten mussten Bars und gastronomische Einrichtungen, die keine Speisen verkaufen, für vorerst zwei Wochen schließen.

++ Söder will 250 Euro Bußgeld für Maskenverweigerer in ganz Deutschland

(8.56 Uhr) - Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert im Kampf gegen die Corona-Pandemie ein bundesweit einheitliches Bußgeld von 250 Euro für Maskenverweigerer. Es sei Zeit für konsequentes Handeln, sagte der CSU-Chef der „Bild am Sonntag“. „Wenn wir zu lange zögern, besteht die Gefahr eines zweiten Lockdown.“

Um diesen erneuten Lockdown zu verhindern, müssten „rasche Maßnahmen für alle“ ergriffen werden, sagte Söder. Er nannte unter anderem frühere Sperrstunden und das Verbot größerer Partys und Feiern für eine gewisse Zeit. „Und bei Verstößen gegen die Maskenpflicht bei ansteigenden Infektionszahlen bundesweit einheitliche Bußgelder von 250 Euro.“

Söder schätzt die aktuelle Corona-Situation durch die ansteigenden Neu-Infektionen als ernst ein. „Wir haben fünf vor zwölf. Man darf sich die Lage nicht länger schönreden.“

Nachdem am Samstagmorgen Köln die Überschreitung der wichtigen Warnstufe von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen gemeldet hatte, folgte am Abend Stuttgart. Auch Berlin, Frankfurt und Bremen liegen über dieser Schwelle.

Deutschlandweit gab es zum dritten Mal in Folge mehr als 4000 Neuinfektionen binnen eines Tages. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Samstag 4721 neue Fälle.

++ Kretschmann:  „Man muss gerade keine Party feiern“ 

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat wegen steigender Corona-Zahlen die Menschen zum Party-Verzicht aufgerufen. „Ich erwarte von den Bürgern, dass sie aus Verantwortungsbewusstsein nicht mehr alles machen, was sie noch dürfen“, sagte der Grünen-Politiker der „Bild am Sonntag“. „Man muss gerade keine Party bei sich zu Hause oder in der Gaststätte feiern.“

„Ich kann ja verstehen, dass die Jungen gern feiern würden. Doch sie müssen jetzt solidarisch mit den Alten sein, so wie die Alten beim Kampf gegen den Klimawandel solidarisch mit den Jungen sein müssen“, mahnte Kretschmann.

Einen erneuten sogenannten Lockdown könne sich das Land nicht leisten. In Schulen, Kindergärten, Universitäten und in der Wirtschaft dürfe es diese drastischen Maßnahmen nicht mehr geben. „Deshalb ziehen wir die Schrauben an anderer Stelle an. Partys muss man nicht feiern, arbeiten und lernen schon. Die Menschen müssen sich im Freizeitbereich auf Einschränkungen einstellen“, betonte Kretschmann.

++ Stuttgart ist Risikogebiet - 520 Corona-Neuinfektionen in Baden-Württemberg

(7.15 Uhr) — Die Zahl der nachgewiesenen Coronavirus-Infektionen stieg am Samstag im Vergleich zum Vortag um 520 auf 53.853 Fälle. Das teilte das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg . Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus nahm um zwei auf 1901 zu.

Nach dem Landkreis Esslingen hat auch die Landeshauptstadt Stuttgart den wichtigen Wert von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen überschritten. Die Stadt Stuttgart meldete am Samstag einen Wert von 50,5 (Landesschnitt: 25,8) und 82 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden.

In der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg leben rund 600.000 Menschen. Die Stadt bereitet derzeit Einschnitte wie die Einführung einer Sperrstunde, Alkoholkonsum-Beschränkungen und die Maskenpflicht innerhalb des City-Rings vor.

Die Maßnahmen treten nicht sofort in Kraft. Die Sperrstunde müsse rechtlich sauber eingeführt werden, erläuterte ein Sprecher der Stadt.

Private Zusammenkünfte mit mehr als 25 Teilnehmern sind in Stuttgart bereits verboten. Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) sagte am Samstag, die steigenden Infektionszahlen und das immer diffusere Ansteckungsgeschehen bereite ihm Sorge. „Deswegen handeln wir jetzt: zielgerichtet und angemessen.“ Er fühle sich an die Situation im März dieses Jahres erinnert. Es gehe darum, das öffentliche Leben möglichst aufrecht zu erhalten.

Die Stadt ermuntert zum Home-Office, will die Entflechtung des Unterrichtsbeginns an Schulen erreichen und das Masketragen im Rathaus erweitern.

Bislang war der Landkreis Esslingen der Corona-„Hotspot“ in Baden-Württemberg. Auf öffentlichen Plätzen muss in Esslingen ein Schutz über Mund und Nase getragen werden.

Das waren die Entwicklungen vom Samstag: 

++ Rom will neuen Lockdown mit verschärften Verboten vermeiden 

(18.25 Uhr) — Italiens Regierung bereitet nach Medienberichten eine erneute Verschärfung der Anti-Corona-Maßnahmen vor, um den steilen Anstieg der Ansteckungszahlen zu bremsen. Rom plane ein striktes Verbot von Gruppen im Freien vor Bars und Restaurants, hieß es am Samstag in verschiedenen italienischen Zeitungen.

Außerdem solle die Teilnehmerzahl für private Feiern stark begrenzt werden. Die Regierung von Premier Giuseppe Conte hatte im März für viele Wochen Wirtschaft und Leben in dem 60-Millionen-Einwohner-Land stark eingeschränkt. Seit kurzem gilt in ganz Italien auch im Freien eine Maskenpflicht.

Die Zeitung „Corriere della Sera“ schrieb, bisherige Regeln gegen abendliche Menschengruppen vor Lokalen seien in größeren Städten zunehmend missachtet worden. Jetzt erwäge die Regierung, das Stehen draußen vor Bars und Restaurants ganz zu verbieten. Dort würden Gäste dann nur noch an Tischen mit viel Abstand sitzen dürfen. Noch verhandelt das Kabinett intern über die Details möglicher Schutzmaßnahmen. Ein neues Dekret dürfte aber bis zum 15. Oktober fertig sein, berichtete die Zeitung.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen hatte in Italien am Freitag die Schwelle von 5000 Fällen übersprungen und damit wieder die Höhe vom März erreicht. Besonders besorgt waren die Behörden in der lombardischen Hauptstadt Mailand, wo die Zahlen sprunghaft stiegen. Politiker dort appellierten an junge Leute, sich an die Schutzregeln zu halten.

Die Behörden zählten dann am Samstag insgesamt 5724 neue Ansteckungen binnen 24 Stunden in Italien. Außerdem wurden 29 neue Covid-19-Tote registriert. Seit einigen Tagen klettern die Zahlen in dem Land, das zu Beginn der Pandemie Europas Corona-Hotspot war, stärker als in den Wochen davor.

Insgesamt zählte Italien fast 350.000 Infektionen und 36.140 Tote in Verbindung mit Covid-19

++ Gegner von Corona-Maßnahmen ziehen schweigend durch Berlin

(16.40 Uhr ) — Zahlreiche Gegner der Corona-Politik in Deutschland sind schweigend durch Berlin gezogen. Es seien mehrere Tausend Teilnehmer vor Ort, sagte eine Polizeisprecherin am Samstag. Angemeldet war die Demonstration, die am Mittag am Adenauerplatz startete, unter dem Titel „Schweigemarsch gegen Rassismus und für unsere Menschenrechte“. Vom Anmelder angekündigt waren laut Polizei 20 000 Teilnehmer. Ziel sollte am Nachmittag der Große Stern sein.

Die Teilnehmer des Marsches hielten Abstand zueinander und trugen größtenteils Mund-Nasen-Schutz, als sie den Kurfürstendamm entlangliefen. Es gab zunächst keine politischen Bekundungen. Später schrieben Polizisten Anzeigen wegen Verstößen einer kleineren Gruppe gegen die Hygieneregeln, wie die Polizei twitterte.

Teilnehmer waren im Online-Aufruf zur Demo dazu angehalten worden, Schilder, Banner, Fahnen und Kleidung mit Parolen und Symbolen zu Hause zu lassen. Im ersten Block wolle man „möglichst ausschließlich Frauen laufen lassen“, hieß es.

„Wir sind ein bunter Mix verschiedener Menschen, welche fernab von allen politischen Ausrichtungen, Ethnien oder Einkommensverhältnissen, mit der Politisierung des Coronavirus und der daraus erfolgten Einschränkung unserer Menschenrechte nicht einverstanden sind“, hieß es im Aufruf. Dieser wurde zum Beispiel auch im Telegram-Kanal des Vegan-Kochs Attila Hildmann geteilt, der sich selbst „ultrarechts“ und einen Verschwörungsprediger nennt.

Die Teilnehmerinnen an der Spitze des Zuges hielten ein Transparent mit der Aufschrift „Wir müssen reden!“. Nach Angaben auf der Website des Marsches wird Gesprächsbedarf zum Beispiel in Hinblick darauf gesehen, „dass die Pandemie von nationaler Tragweite beendet wird - ohne Impfstoff!“. Es reiche mit „permanenten Angstkampagnen“.

++ SPD will Recht auf Homeoffice weiterhin durchsetzen

(15.02 Uhr) — Die SPD pocht auf einen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice. Die stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Katja Mast, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Für die SPD-Bundestagsfraktion ist das Recht auf mobiles Arbeiten noch längst nicht vom Tisch. Wer politisch mutig vorangeht, muss mit Widerständen rechnen, das sind wir gewohnt. Deshalb werden wir auch nicht nachlassen.“

In den kommenden Wochen werden sicherlich wieder mehr Menschen von zu Hause arbeiten.

Katja Mast

Mast sagte weiter: „Die letzten Monate zeigen doch, wie sehr mobiles Arbeiten entlasten kann. Die Corona-Pandemie führt uns deutlich vor Augen, was alles geht. In den kommenden Wochen werden sicherlich wieder mehr Menschen von zu Hause arbeiten.“ Ein Recht auf mobiles Arbeiten sei kein Allheilmittel, schaffe aber Schutz und Sicherheit für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

In der Union gibt es erheblichen Widerstand gegen die Pläne. Ein Entwurf von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) war vom Bundeskanzleramt zunächst gestoppt worden. Der Entwurf sieht einen gesetzlichen Anspruch auf mobiles Arbeiten vor. Beschäftigte sollen bei einer Fünf-Tage-Woche demnach 24 Tage im Jahr mobil oder im Homeoffice arbeiten dürfen. Voraussetzung soll sein, dass sich die Tätigkeit dafür eignet und keine betrieblichen Gründe dagegen sprechen.

Aus dem Kanzleramt hatte es am Dienstag geheißen, der Entwurf sei nicht geeignet für eine weitere Abstimmung zwischen den Bundesministerien. Im Koalitionsvertrag stehe ein Auskunftsrecht, aber kein Rechtsanspruch auf Homeoffice. Ohne eine solche Ressortabstimmung wäre die Gesetzesinitiative gescheitert.

„Homeoffice kann eine gute Lösung sein“, sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt der „Passauer Neuen Presse“ (Samstag). „Es muss aber eine Entscheidung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam sein. Wir brauchen keinen Eingriff der Politik in die Tarifautonomie.“ Heils Vorstoß bezeichnete Dobrindt als „zu langweilig und unkreativ“. Wichtig sei vor allem Flexibilität, ein starrer Acht-Stunden-Tag biete zu wenig Gestaltungsmöglichkeiten.

Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Johannes Vogel, sagte, Heil müsse seinen Vorschlag so verändern, dass Bürokratie abgebaut statt wie bisher aufgebaut werde. „Wir brauchen mehr Homeoffice, nicht mehr Bürokratie.“ Zudem sei eine Modernisierung des Arbeitszeitgesetzes nötig. „Solange Heil diese zentralen Themen nicht gemeinsam betrachtet, wird keine echte Modernisierung möglich sein.“

Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, sagte der Funke-Mediengruppe (Samstag), Heil könne mit dem Vorschlag „im Großen und Ganzen“ auf seine Unterstützung setzen. „24 Tage Homeoffice im Jahr — das ist ein Rahmen, der sicher keinen überfordert“, so Scheele. „Die Tücke liegt im Detail — etwa in der Frage, ob man seinen Anspruch auf einen festen Büroplatz verliert, wenn man regelmäßig von zu Hause aus arbeitet.“

++ Polizei beendet Party von mehr als 100 jungen Leuten in Trier

(14.58 Uhr) - Wegen massiver Verstöße gegen die Corona-Regeln hat die Polizei eine nächtliche Party mit mehr als 100 jungen Teilnehmern in Trier beendet. Die Beamten wurden nach eigenen Angaben in der Nacht zum Samstag von Anwohnern und besorgten Eltern alarmiert und fuhren gegen 3 Uhr bei dem Partyraum vor. Die dort feiernden jungen Leute missachteten demnach sämtliche Corona-Vorsichtsmaßnahmen. Als die Polizei kam, flohen viele in einen nahegelegenen Wald.

Dennoch konnten die Beamten die Personalien von mehr als 70 Jugendlichen und jungen Erwachsenen feststellen. Ein Verantwortlicher für die Party gab sich zunächst nicht zu erkennen. Erste Erkenntnisse deuteten jedoch darauf hin, dass die Veranstaltung einen kommerziellen Charakter hatte.

++ DFB-Spiel gegen Schweiz: Stadt Köln entscheidet Montag über Zuschauer

(12.23 Uhr) — Die Stadt Köln will auch nach Überschreiten der Warnstufe von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen erst am Montag über die Zulassung von Zuschauern im Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen die Schweiz entscheiden. Das sagte ein Sprecher am Samstag auf Anfrage.

Es ist nicht zu erwarten, dass der Wert bis dahin unter die entscheidende Marke von 35 sinkt, bei der 9200 Zuschauer in die Kölner Arena dürften. Am Samstag lag der Wert bei 54,8 und die jüngsten Tage mit hohen Werten bleiben in der für das Spiel entscheidenden 7-Tage-Spanne.

Es könnten dann möglicherweise wie beim Länderspiel am Mittwoch gegen die Türkei (3:3) und beim letzten Heimspiel des 1. FC Köln gegen Borussia Mönchengladbach (1:3) 300 Zuschauer ins Stadion, darüber entscheidet letztlich aber ein Krisenstab. 

++ Tagesrekord bei Coronainfektionen in Österreich

(12.15 Uhr) — In Österreich sind die täglichen neuen Coronainfektionen auf den Rekordwert von 1235 gestiegen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Samstag bleibt dabei Wien mit 511 Neuinfektionen binnen 24 Stunden landesweit der Spitzenreiter.

In den Krankenhäusern veränderte sich die Lage den Angaben zufolge nicht. Insgesamt stieg die Zahl der sogenannten aktiven Fälle auf 10.800. Unter Berücksichtigung der Einwohnerzahl liegen die Zahlen der Neuinfektionen und der aktiven Fälle deutlich über den aktuellen deutschen Werten.

++ Soziologin: Sperrstunde kann sich negativ auf Sicherheitsgefühl auswirken

(10.11 Uhr) — Nach Meinung der Soziologin Talja Blokland unterschätzt die Politik mitunter, wie wichtig Kneipen für die Gesellschaft sind. Die Sperrstunde in Berlin sieht sie kritisch. „Es kommt rüber, als wären Bars und Cafés zum Feiern da und nichts Notwendiges“, sagte die Professorin am Georg-Simmel-Zentrum für Metropolenforschung an der Humboldt-Universität Berlin.

Wenn man sich frage, wie man lerne, wie man von einer Jobmöglichkeit erfahre oder politisch etwas höre, was anders als zu Hause sei, dann passiere das dort, wo man neue Menschen treffe. „Für das soziale Gefüge der Stadt sind das wichtige Orte.“

Ihrer Einschätzung nach kann sich die Sperrstunde auch auf das Sicherheitsgefühl in der Stadt auswirken. „Wir brauchen volle U-Bahnhöfe, um abends das Gefühl zu haben, sicher nach Hause zu kommen“, sagte Blokland der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn die Stadt um 23 Uhr zumacht, ist das nicht mehr da. Man kann sagen: „Das ist es uns wert.“ Aber man muss es bedenken.“ Uhr

Im Kampf gegen das Coronavirus verschärft Berlin die Regeln. In der Hauptstadt gelten seit Samstag wieder strengere Vorgaben für private Feiern. Restaurants, Kneipen und die meisten Geschäfte müssen außerdem nun von 23 Uhr bis 6 Uhr geschlossen sein.

Einem Teil der Menschen mache die Sperrstunde nicht viel aus, weil der ohnehin nicht nachts unterwegs sei, sagte Blokland. Aber es treffe zum Beispiel Menschen, die nachts ihr Geld verdienen müssten: Restaurantbetreiber, Taxifahrer, Tellerwäscher.

Es werde argumentiert, dass Partys der Grund für die steigenden Infektionszahlen seien. „Das braucht in der Öffentlichkeit klare Belege“, forderte Blokland von der Politik. Mit einer aktuell noch laufenden Umfrage will ihre Universität erforschen, was die Menschen während der Pandemie vermissen und wie sich Einschränkungen auf das Vertrauen in Behörden und Politik auswirken.

++ DIHK-Präsident kritisiert Corona-Einschränkungen als „unkoordinierte Regelungen“

(10.06 Uhr) - Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer, hat die Reisebeschränkungen und Beherbergungsverbote innerhalb Deutschlands als „unkoordinierte Regelungen“ kritisiert. „Die Ausweisung von Risikogebieten in Deutschland mit unterschiedlichen Folgeregelungen schafft zugleich branchenübergreifend für viele bundesweit aktive Unternehmen neue Rechtsunsicherheit“, sagte Schweitzer den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Samstag.

Mit Blick auf international tätige Unternehmen forderte Schweitzer Corona-Schnelltests. Nach wie vor könnten aufgrund der aktuellen Reisebeschränkungen Unternehmen ihre Monteure und Techniker nicht in Auslandsmärkte schicken, sagte er. „Hier brauchen wir Schnelltests und Quarantäneregeln mit Augenmaß, um einen sicheren Reiseverkehr auch in Corona-Zeiten zu gewährleisten.“

++ Ärger über Regelungs-Wust in Corona-Pandemie 

(9.30 Uhr) — Zum dritten Mal in Folge hat es in Deutschland mehr als 4000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus binnen einen Tages gegeben. Das Robert-Koch-Institut meldete am Samstagmorgen 4721 neue Fälle. Köln überschritt als weitere deutsche Großstadt die wichtige Warnstufe von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Wirtschaftsverbände laufen unterdessen Sturm gegen das uneinheitliche Vorgehen der Bundesländer bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie.

Das nordrhein-westfälische Landeszentrum Gesundheit gab den Wert für die Millionenstadt Köln am Samstag mit 54,8 an. Die Kölner Stadtverwaltung hatte das Überschreiten der Schwelle erwartet und deshalb von diesem Samstag an bereits zahlreiche Einschränkungen für das öffentliche Leben angeordnet. Unter anderem müssen die Menschen in Fußgängerzonen Masken tragen.

In einer Reihe von Bundesländern haben die Herbstferien begonnen. Wer aber aus einem Corona-Hotspot kommt, wird in einigen Bundesländern mit einem Beherbergungsverbot belegt. Das trifft etwa viele Berliner, die in den Ferien an die Ostseeküste wollten. 

Berlin versucht, mit strengeren Corona-Regeln der Ausbreitung des Virus entgegenzuwirken. Neue Vorschriften gelten ab diesem Samstag. Von 23 bis 6 Uhr müssen Restaurants, Bars, Kneipen und die meisten Geschäfte geschlossen sein. Bei privaten Zusammenkünften in geschlossenen Räumen dürfen nur noch höchstens zehn Menschen zusammenkommen. Im Freien dürfen sich von 23 bis 6 Uhr nur noch fünf Personen versammeln.

Am Freitag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Bürgermeistern der elf größten Städte beraten und sich auf eine Reihe von Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie verständigt. Kommende Woche steht wieder ein Gespräch Merkels mit den Ministerpräsidenten der Länder an.

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, kritisierte „unkoordinierte Regelungen“ bei Beherbergungsverboten. Dies sorge aktuell für große Verunsicherung bei den Unternehmen, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag). 

Die Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, Ingrid Hartges, bezeichnete es als „völlig unbefriedigend, dass wir keine bundeseinheitlichen Regelwerke haben“. Gäste wie Hoteliers hätten unzählige Fragen und wüssten nicht, was jetzt im Detail gelte. „Daher muss dringend mehr Einheitlichkeit her“, forderte Hartges in der „Passauer Neuen Presse“ (Online/Samstag). So müsse zum Beispiel generell klar sein, dass Geschäftsreisende von den Beherbergungsverboten ausgenommen werden.

Unmut kommt auch aus der Ärzteschaft. Der Chef des Kassenärzte-Verbandes, Andreas Gassen, warf den Ländern auch überzogene Maßnahmen vor. „Diese Regelungswut ist oft eher kontraproduktiv“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag). Gassen bezeichnete innerdeutsche Reisen als „Pseudo-Gefahr“. Masseninfektionen gebe es durch traditionelle Großhochzeiten, in Fleisch verarbeitenden Betrieben und durch unkontrolliertes Feiern. Auch Sperrstunden und Alkoholverbote wie in Berlin seien „mehr als fragwürdig“. „Durch den Wust an nicht nachvollziehbaren Regelungen verlieren wir aber eventuell die Akzeptanz für die Maßnahmen, die wirklich etwas bringen“, warnte Gassen.

Warnungen, die Pandemie könnte außer Kontrolle geraten, wertete er als überzogen. „Wir müssen aufhören, auf die Zahl der Neuinfektionen zu starren wie das Kaninchen auf die Schlange, das führt zu falschem Alarmismus“, sagte Gassen. „Selbst 10.000 Infektionen täglich wären kein Drama, wenn nur einer von 1000 schwer erkrankt, wie wir es im Moment beobachten.“

Der Virologe Christian Drosten hält in den kommenden Monaten wieder mehr bundeseinheitliche Regelungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie für notwendig. „Es ist gut, wenn es klare Regeln gibt. Das ist ganz eindeutig“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag). Sie durchzusetzen, sei angesichts einer regional unterschiedlichen Häufigkeit der Krankheit derzeit verständlicherweise noch schwierig, räumte der Experte ein. Er betonte aber: „Das Virus wird sich immer gleichmäßiger verteilen. Wir werden mehr und mehr in eine Situation kommen, wo man besser pauschal reguliert“.

++ Stadt Memmingen über Corona-Warnwert

(8.48 Uhr) — Nach der Stadt Rosenheim haben nun zwei weitere Regionen in Bayern einen wichtigen Corona-Warnwert überschritten. In der Stadt Memmingen gab es innerhalb einer Woche 54,4 Infektionen pro 100.000 Einwohnern, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin am Samstag mitteilte. Im Landkreis Fürstenfeldbruck lag der Wert bei 51,1 und damit knapp über dem kritischen Wert von 50.

Rosenheim hatte diese Schwelle bereits am Freitag überschritten. Am Samstag gab es dort laut RKI innerhalb von sieben Tagen 67,7 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. In der Stadt gelten deshalb seit Samstag strengere Corona-Bestimmungen.

So dürfen sich im öffentlichen Raum wie auf Privatgrund nur noch höchstens fünf Personen als Gruppe aufhalten. An Feiern in privaten Räumen dürfen maximal 25 Menschen teilnehmen, das gilt auch für öffentliche Veranstaltungen. Verstöße können eine Geldbuße von bis zu 25.000 Euro nach sich ziehen.

++ Kretschmann: Menschen sollen in Herbstferien nicht wegfahren

(9.32 Uhr) — Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat den Bürgern nahe gelegt, angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen auf den Urlaub im Herbst zu verzichten. „Vielleicht sollten die Bürger in den Herbstferien nicht groß in der Gegend herumreisen. Weder im Inland, noch im Ausland - und schon gar nicht in Risikogebiete“, sagte der Grünen-Politiker im Interview mit der „Heilbronner Stimme“, dem „Mannheimer Morgen“ und dem „Südkurier“ (Samstag). Weil die Infektionszahlen in Berlin so hoch seien, sei er am Freitag auch nicht zur Bundesratssitzung gereist.

Kretschmann betonte zugleich, er fürchte keine Ansteckung, und schütze sich bestmöglich, in dem er sich an die AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken) halte und unnötige Risikokontakte weitestgehend vermeide. Der Regierungschef erwartet, dass Weihnachtsmärkte eher nicht stattfinden könnten. „Wenn die Infektionszahlen weiter so ansteigen, dann wird es sehr schwierig, Weihnachtsmärkte zu veranstalten. Da sollten wir uns mal nichts vormachen.“

Jetzt komme es darauf an, dass es in den Kernbereichen der Gesellschaft, also in der Bildung, Wirtschaft und Gesundheit, nicht zu scharfen Einschnitten komme. „Bei verzichtbaren Events sollten wir eher Opfer bringen, um den Kernbereich aufrechterhalten zu können. Wir müssen mit Blick auf Restriktionen in den Freizeitbereichen härter und in den Kernbereichen softer sein“, sagte er.

Der Grünen-Politiker appellierte an die Menschen, die Corona-Regeln einzuhalten. „Aber die Akzeptanz von Regeln ist erst dann stärker, wenn die Menschen schlimme Bilder sehen. Die Bilder aus Bergamo hatten eine abschreckende Wirkung.“

++ Die aktuellen Fallzahlen in Deutschland: Weit mehr als 4000 Neuinfektionen

(9.17 Uhr) - Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin hat die Zahl der in Deutschland mit dem Coronavirus infizierten Menschen am Samstag mit 319.381 angegeben - ein Plus von 4721 seit dem Vortag. Die in der US-Stadt Baltimore ansässige Johns-Hopkins-Universität (JHU) meldete 320.495 Infizierte.

Das RKI, das nur die elektronisch übermittelten Zahlen aus den Bundesländern berücksichtigt und seine Aufstellung einmal täglich aktualisiert, registrierte 9604 Todesfälle und damit 15 mehr als am Vortag. Die JHU zählte 9.609 Tote.

Die Zahl der Genesenen lag laut RKI bei etwa 273.500.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Lagebericht vom Freitag bei 1,34 (Vortag: 1,17). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel mehr als einen weiteren Menschen ansteckt.

Das waren die letzten Meldungen vom Freitag:

++ Nach Corona-Absagen: Nur noch ein Team bei Judo-Meisterschaft 

(19.37 Uhr) Nach zwei weiteren Absagen wegen der Corona-Pandemie ist für das Finale der Judo-Bundesliga der Frauen nur noch ein teilnehmendes Team übrig geblieben. HTG Bad Homburg und JC71 Düsseldorf sagten ihre Teilnahme am Freitag aufgrund der aktuellen Entwicklungen ab, wie der Deutsche Judobund mitteilte.

Damit ist der BC Karlsruhe der letzte verbliebene Teilnehmer für die Titelkämpfe, die für diesen Sonntag in Senftenberg in Brandenburg geplant sind.

Es werde nun über das weitere Vorgehen beraten, teilte der DJB mit. Vorstandssprecher Reinhard Nimz sagte, dass „der DJB und der Ausrichter in Senftenberg alles, was möglich war, unternommen haben, um die Veranstaltung so sicher wie nur irgendwie möglich zu planen.“ 

Ursprünglich hätte in den Bundesligen ab März 2020 an mehreren Tagen im Ligaformat gekämpft werden sollen — wegen der Corona-Pandemie war das aber nicht möglich. 

++ Kritische Corona-Lage in Esslingen — Stuttgart unter 50er-Grenze

(18.10 Uhr)  Der Landkreis Esslingen ist weiterhin der Corona-„Hotspot“ in Baden-Württemberg. Die Stadt Stuttgart hat dagegen die kritische Grenze von 50 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen bisher nicht überschritten.

Der Wert sank in Stuttgart im Vergleich zum Vortag von 43,7 auf 41,2, wie das Landesgesundheitsamt am Freitag mitteilte. In Esslingen stieg der Wert von 54,6 auf 56,3. Schwäbisch Hall (37,6) liegt als einziger sonstiger Landkreis in Baden-Württemberg über der Vorwarnstufe von 35.

Die Zahl der nachgewiesenen Coronavirus-Infektionen im Südwesten stieg um 527 Fälle. Insgesamt haben sich nun 53.333 Menschen nachweislich mit dem Erreger Sars-CoV-2 angesteckt. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg um 1 auf 1.899.

++Landkreis Schwäbisch Hall übersteigt ersten Corona-Grenzwert

(17.35 Uhr) Der Landkreis Schwäbisch Hall hat am Freitag die sogenannte 7-Tage-Inzidenz überschritten. Das teilt die Kreisverwaltung auf ihrer Webseite mit.

Demnach sei der Grenzwert von 35 Personen pro 100.000 Einwohner, die positiv auf das Coronavirus getestet worden sind, geknackt worden.

Nach Vorgabe des Landes Baden-Württemberg werde bei Erreichen dieser Vorwarnstufe die Zahl der Teilnehmer an privaten Feierlichkeiten im Landkreis begrenzt, heißt es weiter. Damit handle das Landratsamt Schwäbisch Hall nach den Vorgaben des Ministeriums für Soziales und Integration.

Mehr dazu lesen Sie hier.

++ Bundeswehr und RKI sollen Experten in Corona-Hotspots schicken

(15.00 Uhr) Die Bundeswehr und das Robert Koch-Institut sollen künftig Experten in Corona-Hotspots schicken.

Das gilt nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur laut einer am Freitag getroffenen Vereinbarung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Bürgermeistern von Großstädten, wenn in sieben Tagen mehr als 35 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner registriert wurden.

Spätestens wenn der Wert auf 50 Infektionen steigt, sollen die Städte umfangreichere Beschränkungen einführen. Dazu gehört etwa die Erweiterungen der Mundschutz-Pflicht auf den öffentlichen Raum, wenn dort der nötige Abstand nicht eingehalten werden kann. Genannt werden auch Sperrstunden und Alkoholbeschränkungen für Gastronomiebetriebe sowie weitergehende Beschränkungen der Teilnehmerzahlen von Veranstaltungen und private Feiern. Hier lesen Sie mehr.

 

+++ Hier geht es zum gesamten Newsblog vom Freitag. +++

 

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