Corona-Lage: Das waren die wichtigsten Entwicklungen am Freitag

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Die wichtigsten Nachrichten und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Newsblog mit Fokus auf Deutschland und Schwerpunkt auf den Südwesten.

Aktuelle Zahlen des RKI¹:

  • Aktuell Infizierte Baden-Württemberg: ca. 450 (35.057 Gesamt - ca. 32.800 Genesene - 1.802 Verstorbene)
  • Todesfälle Baden-Württemberg:  1.802
  • Aktuell Infizierte Deutschland: ca. 5.310 ( 185.674 Gesamt - ca. 171.600 Genesene - 8763 Verstorbene)
  • Todesfälle Deutschland: 8.763

Das Wichtigste des Tages:

  • Irritationen um Grenzöffnungen im Südwesten Deutschlands (16.15 Uhr)
  • Weniger Verstöße gegen Corona-Verordnung im Südwesten (06.31 Uhr)

  • Bahnverkehr im Land ab Sonntag wieder auf Normalmaß (07.49 Uhr)

  • Führte ein Fußballspiel in Liverpool zu Corona-Todesfällen? (11.34 Uhr)

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Das war's für heute. Wir wünschen Ihnen eine gute Nacht und sind morgen Früh auf Schwäbische.de wieder mit einem neuen Corona-Newsblog für Sie da.

++ Fast 100 Corona-Infizierte auf Spargelhof in Bayern

(17.49 Uhr) Auf einem Spargelhof in Landkreis Aichach-Friedberg sind inzwischen 95 Menschen positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden.

Die Getesteten hätten zum Zeitpunkt des Abstrichs jedoch keinerlei Symptome einer Covid-19-Erkrankung gezeigt, teilte die Behörde unter Berufung auf Gesundheitsamtsleiter Friedrich Pürner mit.

Die Geschäftsführung der Lohner Agrar GmbH teilte am Freitag mit, angesichts der Vorkehrungen wie die Einrichtung eines eigenen Supermarktes, einer eigenen Kantine mit Abstandsvorkehrungen und die Unterbringung in Ein- bis Zwei-Personen-Zimmern keine Erklärung dafür zu haben, wie das Virus auf den Hof gekommen ist.

Mit Verweis auf die Behörden und weil der Abstrichtest nicht zwischen aktiven und abgestorbenen Viren im Rachenraum unterscheide, könnten Menschen womöglich schon vor der Einreise eine Erkrankung durchgemacht haben.

Wegen der ersten positiven Tests hatte der Betrieb die Spargelernte und den Verkauf vor gut einer Woche eingestellt und die Spargelsaison vorzeitig beendet.

++ Irritationen um Grenzöffnungen im Südwesten Deutschlands 

(16.15 Uhr) Die Grenzöffnungsstrategie Berlins sorgt in Baden-Württemberg und den angrenzenden Ländern für Irritationen. Während Frankreich und die Schweiz am Sonntagabend um Mitternacht die Grenzkontrollen einstellen wollen, sollen die Grenzen auf deutscher Seite erst um Mitternacht am Montag endgültig geöffnet werden. Es sei bedauerlich, dass es nicht gelungen sei, die Grenzöffnung auf einen gemeinsamen Zeitpunkt zu koordinieren, kritisierte der Konstanzer Bundestagsabgeordnete Andreas Jung (CDU) am Freitag.

Unverständnis herrsche vor allem deshalb, weil zwei wichtige Corona-Faktoren zwischen den drei Ländern längst im Lot seien, nämlich die Angleichung des Infektionsgeschehens und die enge Abstimmung mit den Partnerländern. Nun müsse es vor allem darum gehen, dass man es das nächste Mal besser mache, sagte Jung.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit darf nicht nur etwas für Schönwetterlagen sein — das muss sich auch im Sturm bewähren.

Andreas Jung

Unter der Hand heiße es in Berlin, dass schon am Montag auf der deutschen Seite nicht mehr kontrolliert werden solle, sagte Jung. Formal jedoch bleibe es bei den unterschiedlichen Zeitpunkten. Nicht zuletzt im Elsass sorgt das für Verunsicherung; dort hatte sich in den vergangenen Wochen am Grenzübergang nach Deutschland gezeigt, dass selbst formale Weisungen nicht immer gleich Anwendung fanden und die Menschen bei der Einreise doch kontrolliert wurden.

++ Wirtschaftsministerium will weitere Lockerungen für Messebetreiber

(12.46 Uhr) Die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut setzt sich für eine rasche Wiederaufnahme des Messebetriebs mit größeren Veranstaltungen ein.

Dass kleinere Messen mit weniger als 500 Teilnehmern ab dem 1. August wieder stattfinden könnten, sei bereits ein erster wichtiger Schritt, sagte die CDU-Politikerin am Freitag in Stuttgart.

„Ich bin zuversichtlich, dass der Weg einer schrittweisen Öffnung von Veranstaltungen nun kontinuierlich fortgesetzt werden kann und dass wir auch eine klare Perspektive für die Wiederaufnahme von größeren Messen und Veranstaltungen ab September 2020 festlegen können.“

Zuvor hatten die „Stuttgarter Zeitung“ und die „Stuttgarter Nachrichten“ darüber berichtet. Am Dienstag solle das Thema in der Kabinettssitzung besprochen werden, teilte das Wirtschaftsministerium mit.

++ Zähfließend und erstarrt: Integration in Zeiten der Corona-Krise

(12.04 Uhr) Ohne soziale Kontakte ist erfolgreiche Integration kaum möglich. Durch die Corona-Krise sind diese aber bereits seit Monaten stark eingeschränkt. Auch in der Arbeit mit Flüchtlingen entstehen dadurch neue Herausforderungen.

„Vieles ist viel zähfließender geworden oder erstarrt“, sagt Siegbert Fetzer. Der 58-Jährige betreut als Integrationsbeauftragter Gemeinden im südlichen Landkreis Tuttlingen. 

Die Corona-Krise beeinflusst seine Arbeit enorm. Hier lesen Sie mehr

++ Führte ein Fußballspiel in Liverpool zu Corona-Todesfällen?

(11.34 Uhr) Beim Champions-League-Spiel zwischen dem FC Liverpool und Atlético Madrid drängen sich am 11. März mehr als 50.000 Fans im berühmten Stadion von Anfield. Wenige Wochen später häufen sich in den Krankenhäusern im Raum Liverpool die Todesfälle von mit dem Coronavirus infizierten Menschen.

BEHAUPTUNG: Die Menschenansammlung bei der Partie soll die Corona-Infektionen in der Region in die Höhe getrieben haben. Das soll in der Folge zu mehr Todesfällen geführt haben.

BEWERTUNG: Dass das Match die Verbreitung des Coronavirus beschleunigt hat, gilt zwar als wahrscheinlich. Einen Beweis für mehr Todesfälle gibt es aber nicht.

FAKTEN: Die Partie war das letzte große Fußball-Spiel in England, bevor das öffentliche Leben eingeschränkt wurde: Titelverteidiger Liverpool mit dem deutschen Trainer Jürgen Klopp verlor nach Verlängerung 2:3 (1:0, 1:0) gegen Atlético Madrid (Hinspiel: 0:1) und schied in diesem Jahr schon im Achtelfinale der Königsklasse aus. Rund 52.000 Menschen erlebten das umkämpfte Rückspiel im berühmten, voll besetzten Stadion von Anfield.

3000 Fans waren dafür aus Madrid angereist, obwohl in der spanischen Hauptstadt zu diesem Zeitpunkt schon erste Einschränkungen des öffentlichen Lebens galten. Tags zuvor war entschieden worden, dass in Spanien keine Zuschauer mehr bei Fußballspielen erlaubt sind. Wenige Tage später rief das Land den Alarmzustand aus, der Spielbetrieb in La Liga wurde komplett gestoppt.

++ Kabinett will Kinderbonus und Mehrwertsteuer-Senkung beschließen

(09:02 Uhr) Bares Geld aufs Familienkonto und sparen bei jedem Einkauf - die Bundesregierung will am Freitag neue Entlastungen wegen der Corona-Pandemie auf den Weg bringen. Weil einige Maßnahmen schon zum 1. Juli wirken sollen, muss es schnell gehen.

Viele Einkäufe im Supermarkt, Möbelhaus oder Elektromarkt sollen für ein halbes Jahr billiger werden. Dafür soll eine reduzierte Mehrwertsteuer sorgen — und den Konsum ankurbeln. Konkret soll der Mehrwertsteuersatz vom 1. Juli bis zum 31. Dezember von 19 auf 16 Prozent sinken. Der ermäßigte Satz, der für viele Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs gilt, sinkt von 7 auf 5 Prozent.

Das Finanzministerium weist in seinem Gesetzentwurf darauf hin, dass die Steuersenkung nur dann wie gewünscht wirkt, wenn sie an die Verbraucher weitergegeben wird, wenn also wirklich die Preise im Supermarkt sinken

Der Schritt soll vor allem Geringverdiener entlasten, denn die Mehrwertsteuer ist oft die einzige Steuer, die sie in nennenswerter Höhe zahlen. Den Bund kostet er rund 20 Milliarden Euro.

Geplant ist ein Bonus auf das Kindergeld von insgesamt 300 Euro pro Kind, der in drei Raten aufs Konto kommt. Alleinerziehende sollen nun zusätzlich Hilfe bekommen: der Entlastungsbetrag bei der Steuer wird in diesem und dem kommenden Jahr mehr als verdoppelt, von derzeit 1908 auf 4008 Euro. 

Kleine und mittelständische Firmen, die besonders von der Krise betroffen sind, sollen bis August besondere Überbrückungshilfen bekommen, um Pleiten zu verhindern. Insgesamt plant die Bundesregierung dafür 25 Milliarden Euro ein.

++ Bahnverkehr im Land ab Sonntag wieder auf Normalmaß 

(07.49 Uhr) Nach rund zweieinhalb Monaten „Corona-Fahrplan“ mit einem zeitweise deutlich ausgedünnten Angebot kehrt der Bahnverkehr im Südwesten an diesem Wochenende in den Normalbetrieb zurück. In der Nacht von Samstag auf Sonntag soll der Fahrplan wechseln.

Von einigen Ausnahmen etwa durch Baustellen abgesehen, sollen ab dann wieder 100 Prozent der Verbindungen im Regionalverkehr angeboten werden. Das hatten Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und Vertreter der Betreiber Abellio, DB Regio, Go-Ahead und SWEG angekündigt.

Um einen stabilen Verkehr gewährleisten zu können, war der Fahrplan im März teils bis zur Hälfte ausgedünnt, nach und nach aber auch schon wieder erweitert worden. Laut einer Übersicht des Ministeriums wurden zuletzt in großen Teilen des Landes schon wieder mehr als 75 Prozent der Verbindungen angeboten, teils auch schon die vollen 100.

Die geringere Auslastung der Netze und auch der Züge selbst hatte die Pünktlichkeitswerte zuletzt deutlich steigen lassen und die Ausfallquoten reduziert. Darauf wollten die Anbieter nun aufsetzen und die guten Werte nach Möglichkeit halten, hatten sie angekündigt.

++ Weniger Verstöße gegen Corona-Verordnung im Südwesten

(06.31 Uhr) Baden-Württemberg verzeichnet immer weniger Verstöße gegen die Corona-Verordnung, obwohl weiterhin viel kontrolliert wird. So wurden am 31. März 438 Ordnungswidrigkeiten und 24 Straftaten registriert. Am 30. April waren es 310 Ordnungswidrigkeiten und 26 Straftaten, am 29. Mai nur noch 89 Ordnungswidrigkeiten.

Dabei lag die Zahl der Personenkontrollen mit 3567 Ende Mai nach Angaben des Innenministeriums sogar leicht über der vom Ende März. Die Kontrollen betreffen derzeit vor allem den Mindestabstand von 1,5 Meter, zum Beispiel auf Spielplätzen.

Polizei
Polizeibeamte kontrollieren in einem Park die Einhaltung der Vorschriften zur Eindämmung des Coronavirus. (Foto: Sebastian Gollnow / DPA)

Zum Beispiel in Heidelberg entfiel der überwiegende Teil der Anzeigen von Polizei und Vertretern von Gesundheits- und Ordnungsämtern auf den Monat April. Seit Mitte Mai gehen dort deutlich weniger Anzeigen ein - derzeit noch zwei bis vier pro Tag. Auch in Karlsruhe gab es eine Spitze zu Beginn. Mittlerweile seien die Anzeigen infolge der Lockerungen zurückgegangen, teilte die Stadt mit.

Die sinkenden Zahlen ließen sich aber nicht nur mit dem Zuwachs an Freiheiten erklären, sagt der Sprecher des Innenministeriums, Renato Gigliotti. Er meinte: „Die Menschen haben die Regelungen mehr und mehr verinnerlicht - sie gehören mittlerweile zum Alltag.“ Die weiterhin zahlreichen Kontrollen hätten nicht das Ziel, möglichst viel zu ahnden, sondern mit den Bürgern in Dialog zu treten.

Das waren die letzten Meldungen vom Donnerstag:

+++ Wettkämpfe im Breiten- und Leistungssport wieder erlaubt 

(18.50 Uhr) Im Tennis, Turnen, Schwimmen oder Reiten dürfen ab sofort in Baden-Württemberg auch auf der Ebene des Breiten- und Leistungssports wieder Wettkämpfe durchgeführt werden. Eine geänderte Fassung der entsprechenden Corona-Verordnung gilt ab diesem Donnerstag, wie das Kultus- und das Gesundheitsministerium mitteilten.

Die neue Regelung gilt für kontaktlose Sportarten, bei denen ein Abstand von eineinhalb Metern eingehalten werden kann - also etwa auch für Golf, Sportschießen oder verschiedene Leichtathletikdisziplinen.

Die Wettkämpfe dürfen allerdings nur ohne Zuschauer stattfinden. Zudem müssen die Veranstalter ein Hygienekonzept entwickeln und dieses auf Verlangen der Behörden vorlegen. Bis zu 99 Sportlerinnen und Sportler sind bei den Wettkämpfen zugelassen

„Jetzt kommt es auf uns alle an, in der kommenden Zeit wachsam zu sein und die Hygieneregeln auch bei Sportwettkämpfen konsequent einzuhalten“, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne).

++ Corona-Warn-App kostet den Bund rund 20 Millionen Euro

(15.58 Uhr) Die Entwicklung der Corona-Warn-App des Bundes durch den Softwarekonzern SAP und die Deutsche Telekom wird rund 20 Millionen Euro kosten. Dazu kommen Betriebskosten in Höhe von 2,5 bis 3,5 Millionen Euro monatlich, hieß es am Donnerstag in Regierungskreisen in Berlin.

Der Großteil davon entfällt auf den Betrieb von zwei Hotlines bei der Deutschen Telekom. Die App soll in der kommenden Woche nach etwa sechswöchiger Entwicklungszeit freigeschaltet werden und helfen, Corona-Infektionsketten schneller zu erkennen, nachzuverfolgen und zu durchbrechen.

Anwender können sich bei den Hotlines bei der Installation der App und dem Eintrag eines positiven Testergebnisses in die App helfen lassen. Die Infizierten erhalten dabei von dem Callcenter einen Freischaltcode.

Die Kosten für die Software-Entwicklung der Corona-Warn-App des Robert Koch-Instituts bewegen sich am unteren Ende der von der Bundesregierung prognostizierten Größenordnung in Höhe eines „zweistelligen Millionenbetrags“.

Bei den Kosten für die Callcenter müsse berücksichtigt werden, dass die Anwender nicht in langen Warteschlangen landen sollten. Außerdem wolle man den Service nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch und Türkisch zur Verfügung stellen.

Die App soll kommende Woche erscheinen.

+++ Hier geht es zum Newsblog vom Donnerstag +++

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