Claudia Roth ruft zu mehr humanitärer Verantwortung auf

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Claudia Roth, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, war am Freitagmittag zu Gast in Ravensburg.
Claudia Roth, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, war am Freitagmittag zu Gast in Ravensburg. (Foto: Karin Kiesel)

Sie ist eine Wahlkämpferin der Grünen, wie man es sich als Kandidat für die Landtagswahl wahrscheinlich nur wünschen kann: bekannt, etwas schrill, mitreißend und emotional: Claudia Roth, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, ist am Freitagmittag auf Einladung des Landtagsabgeordneten Manne Lucha in die Kuppelnauwirtschaft nach Ravensburg gekommen. Um Themen im Schussental ging es dabei kaum. Doch das störte die rund 60 Gäste des „politischen Mittagessens“ wenig.

Die meisten der Besucher dürften ohnehin schon wissen, wen sie am 13. März in den Landtag Baden-Württembergs wählen werden. „80 Prozent sind Grüne oder aus dem Umfeld“, bestätigte Maria Weithmann, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Ravensburger Gemeinderat. Bei einem Gaisburger Marsch in der Wirtschaft der Grünen-Stadträtin Ottilie Reck-Strehle, die extra wegen des Wahlkampftermins über Mittag geöffnet hatte, lauschten die Anwesenden der Rede der langjährigen Bundesvorsitzenden Claudia Roth.

Sie freue sich, wieder mal in Ravensburg zu sein, wo sie schon als Kind häufiger mal ihren Onkel Eugen besucht habe, sagte Roth zu Beginn und heimste damit einkalkulierbare Pluspunkte bei den Ravensburgern ein. Und auch darüber, mal wieder den „typischen bayerisch-schwäbischen Sound von Manne Lucha“ zu hören, den aber trotzdem jeder verstehe, „weil er mit dem Herzen spricht“.

Arg viel mehr Lokalgefärbtes gab es nicht von Claudia Roth, die aber mit ihren Worten zu den aktuellen Krisen und Konflikten in der Welt und ihrer Kritik vor allem an der CSU und der AfD mehrmals Applaus und zustimmendes Raunen der Anwesenden erntete.

Baden-Württemberg sei im Gegensatz zu Bayern ein Land, in dem in der Flüchtlingsfrage angepackt werde (und das beispielsweise als einziges Bundesland 1000 jesidische Frauen aus dem Irak aufgenommen habe). „Was wir brauchen ist mehr humanitäre Verantwortung.“

Die Menschen in Deutschland, so Roth, sollten sich überlegen, in welchem Europa sie leben wollen. „Um Europa muss man sich derzeit große Sorgen machen.“ Ebenso beängstigend sei die Entfremdung, Hetze und Enthemmung in sozialen Netzwerken, besonders beim Thema Flüchtlinge. „Niemals werde ich denjenigen meine Angst schenken“, sagte Roth und ohrenbetäubender Applaus folgte.

Am Ende ihrer Rede, das Klatschen war noch nicht zu Ende, stand plötzlich ein junger Mann vor ihr und gab ihr gerührt die Hand. „Thank you so much for what you are saying“ (Vielen Dank für Ihre Worte), bedankte sich Ammar Alrefaay aus Damaskus bei Roth, der seit vier Monaten in Deutschland lebt und derzeit in Wetzisreute untergebracht ist.

Das Schlusswort hatte Manne Lucha, der betonte, dass man aufgrund der guten Umfrageergebnisse (aktuell liegen die Grünen bei 32 Prozent) „nicht abheben“ werde und weiterhin „demütig“ bleibe.

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