Chip führt auf die Spur entlaufener Tiere

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Die entlaufene Katze Gismo ist seit sechs Wochen unauffindbar.
Die entlaufene Katze Gismo ist seit sechs Wochen unauffindbar. (Foto: Privat)
Theresa Ebert

Die Ravensburgerin Andrea Gebhardt vermisst seit sechs Wochen ihre Katze Gismo. Obwohl das acht Jahre alte Tier ein modernes Chip-Implantat trägt, bleibt es bis heute unauffindbar. Jährlich verschwinden in Ravensburg mehrere hundert Tiere.

Die Besitzerin fragt sich nun, ob ihre Katze noch lebt. Oder ob sie ums Leben gekommen ist und bereits entsorgt wurde. „Etwa 99 Prozent der entlaufenen gechippten Tiere können erfolgreich an ihre Besitzer zurückvermittelt werden“, sagt Margaritaru Dragos, Leiter des Tierheims in Berg bei Ravensburg. Die Chancen ein gechipptes Tier zurück zu bekommen stehen also gut.

„Nachdem ich von Weingarten in die Ravensburger Weststadt umgezogen bin, ist mir meine Katze weggelaufen“, sagt Andrea Gebhardt. Seitdem fehlt jede Spur von der getigerten Katze. Jegliche Versuche, das geliebte Haustier ausfindig zu machen, schlugen fehl: Die verzweifelte Besitzerin hat unter anderem die Umgebung abgesucht, das Tierheim kontaktiert und Plakate ausgehängt.

Großteil der Tiere gechippt

Sie appelliert an Leute, denen eine Katze zugelaufen ist: „Ihnen muss klar werden, dass die meisten Katzen nicht herrenlos sind, auch wenn sie kein Tattoo haben.“ Heutzutage werden die meisten Katzen und Hunde gechippt und nicht tätowiert. Rund 90 Prozent der Hunde und 60 bis 70 Prozent der Katzen werden mit einem Chip gekennzeichnet. Tierpraxen raten zum Einsetzen eines Millimeter großen Transponders – ein kleines passives Funkgerät –, das nicht sichtbar in die linke Halsseite des Tiers injiziert wird. Dieses enthält einen Micro-Chip mit einem 15-stelligen Code, der weltweit nur einmal vergeben wird.

Wird ein Tier gefunden, bringen Polizei oder Feuerwehr es in der Regel ins Tierheim. Dort wird das Tier dann mit einem Lesegerät abgefahren, das gegebenenfalls den Chip erkennt. Der Code mit 15 Zahlen kann dann beispielsweise an das Deutsche Haustierregister oder an Tasso – eine Organisation, die sich um Tierschutz und um die Rückvermittlung von Haustieren – gemeldet werden. „Das Wichtigste ist, die Katzen nicht nur zu chippen, sondern sie dann auch zu registrieren,“ sagt Johanna Dombrowski von Tasso. „Nur so können sie dem Besitzer zugeordnet werden.“ Die Kennzeichnung sei sinnlos ohne die Verknüpfung der Tier- und Halterdaten mit einer Datenbank. Johanna Dombrowski rät den Haustierbesitzern zu einem Chip: „Tattoos können verblassen.“ Die Zuordnung könne daher oft in einem „traurigen Rätselraten“ enden. Nach Angaben des Haustierregisters Tasso wird etwa alle zehn Minuten ein Tier erfolgreich zurück vermittelt.

Ab und an kommt es auf den Straßen zu Unfällen mit Fahrzeugen, die für die Vierbeiner tödlich enden. Jede Woche sammelt der Betriebshof Ravensburg ein bis zwei Tierkadaver von den Straßen der Stadt. Darunter sind etwa ein bis zwei Katzen pro Monat. Wer auf seinem Grundstück ein totes Tier findet, ist für dessen Entsorgung verantwortlich. „Für alle Grundbesitzer gilt die Pflicht der gesetzlichen Tierkörperbeseitigung“, sagt Siegfried Veit, Leiter des Betriebshofs Ravensburg. „Die Zahl ist überschaubar.“

Laut Alfred Oswald, Pressesprecher der Stadt Ravensburg, müssen verendete Tiere unschädlich entfernt werden, weil sie durch übertragbare Krankheiten und Giftstoffe Menschen und Umwelt gefährden können. Dabei müssen gewisse Hygienevorschriften beachtet werden. Aus Sicherheitsgründen werden die Kadaver nicht mehr direkt angefasst und auch nicht mehr gescannt. Oft sind de Tiere in so einem schlimmen Zustand, dass das niemandem mehr zu zumuten sei, so Siegfried Veit.

Dies hinterlässt häufig Haustierbesitzer, die in der Ungewissheit bleiben, ob ihr Tier noch lebt oder gestorben ist. Katzenbesitzerin Andrea Gebhardt fragt sich dennoch, warum die toten Tiere nicht gescannt werden können, ehe sie entsorgt werden. Und obwohl Gismo nun schon wochenlang verschwunden ist, sagt Gebhardt: „Die Hoffnung ist noch nicht vollständig gestorben.“

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