Buttercremetorte erlaubt sie sich nur zum 100. Geburtstag

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Gertrud Anna Möser isst eigentlich keine kalorienreichen Torten – zum 100. Geburtstag macht sie aber gern eine Ausnahme.
Gertrud Anna Möser isst eigentlich keine kalorienreichen Torten – zum 100. Geburtstag macht sie aber gern eine Ausnahme. (Foto: Martina Kruska)
Martina Kruska

Gertrud Anna Möser, geboren am 15. Januar 1920, achtet auf ihr Gewicht und isst keine kalorienreichen Torten. Ausnahme: Ihr 100. Geburtstag. Schlank und gesund möchte sie bleiben, und nicht nur das: Sie möchte weiter hübsch aussehen und beweglich sein. Nach einem schweren Schicksalsschlag vor einigen Jahren ist sie zwar auf den Rollstuhl angewiesen, dennoch betreibt sie Krafttraining und macht viel Gymnastik.

An ihrem 100.Geburtstag trägt die alte Dame mit dem gepflegten Pagenkopf einen dezenten Glitzerpulli mit Pelzkragen und Halskette. Sie erzählt und lacht viel in der kleinen Gratulantenrunde mit Oberbürgermeister Daniel Rapp. Ja, vor einigen Jahren habe sie im Gespräch mit der Heimleitung, Frau Weber, beschlossen, 100 zu werden, und das habe geklappt. Als Rezept, dieses Ziel zu erreichen, nennt sie außer ihrer gesunden Lebensweise ihre positive Lebenseinstellung. Sie freut sich an kleinen Dingen des Lebens und redet nur ungern über Krankheiten. Eine gehörige Portion Humor gepaart mit einem Schuss Ironie und ihr wacher Geist tragen wohl zu ihrem positiven Lebensgefühl bei. „Es kommt noch dazu, dass ich nicht gerade dement bin“, schließt sie das Kapitel um ihr Lebensgefühl ab. „Beim Gedächtnistraining ist sie immer einen Tick voraus“, sagt ein jüngerer Heimbewohner in einer Laudatio zu Ehren der Jubilarin.

Als junge Frau verließ Anna Möser ihre Heimat Reichenberg im heutigen Tschechien in Richtung Ravensburg. Im Zug ab Ulm um fast ihr ganzes Hab und Gut bestohlen, begann sie dennoch voller Zuversicht ihr neues Leben. Und sie fand bald was sie suchte, um glücklich zu sein: Einen Mann für’s Leben – er trug auch noch denselben Nachnamen, Möser, wie sie – und eine Anstellung als Anwaltsgehilfin, die sie erst mit 70, nach dem Rückzug des Chefs wieder aufgeben sollte. Mit ihrem Mann verreiste sie viel. Sie machten große Radtouren und Wandertouren, gingen im Winter Skifahren und Langlaufen.

Als ihr Mann mit 89 Jahren im Heim, in das sie beide gezogen waren, verstarb, meisterte Anna Möser diese schwere Situation mit Mut und viel innerer Stärke. Das Schicksal forderte sie mal wieder heraus, doch sie ließ sich nicht unterkriegen.

Um sich abzulenken spielt sie gern Gesellschaftsspiele, auch mit ihren Nichten und Neffen, die sie regelmäßig besuchen. Das Ehepaar Möser hat keine Kindern, aber sehr guten Kontakt bis heute zu Nichten, Neffen und deren Kindern. So ging der engere Familienkreis gemeinsam zum Mittagessen und feierte anschließend an der bunten Kaffeetafel im Haus am Mehlsack.

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