Bund der Steuerzahler kritisiert Bau des Kunstmuseums

Lesedauer: 4 Min
Schwäbische Zeitung

Kritik am geplanten neuen Ravensburger Kunstmuseum gibt es nun aus einer ganz anderen Richtung. Der Bund der Steuerzahler hat die Entscheidung für den Museumsneubau als „nicht nachvollziehbar“ bemängelt. Die Stadt Ravensburg, so der Verband, könne sich dieses Projekt „eigentlich nicht leisten“.

Von unserem Redakteur  Bernd Adler

Der Bund der Steuerzahler (BdS) beschäftigt sich in seiner aktuellen Monatszeitschrift „Der Steuerzahler Baden Württemberg“ mit dem Ravensburger Museumsprojekt. Darin bezeichnet der Stuttgarter gemeinnützige Verein die Idee eines Museums für moderne Kunst in der Burgstraße, das die Selinka-Kunstsammlung zeigen wird, als „zweifelhaftes Großprojekt“. Begründung: Die Stadt Ravensburg sei „wie viele andere Kommunen hochverschuldet“ und könne „sich das Projekt eigentlich nicht leisten“. Angesichts der Schulden der Stadt sollte nach Ansicht des BdS in Ravensburg stattdessen besser „ein eiserner Sparkurs regieren“.

Nachdem der Gemeinderat das Kunstmuseum mit überwältigender Mehrheit beschlossen hatte, gab es nur vereinzelte kritische Stimmen in der Stadt. Diese richteten sich nicht gegen die moderne Kunst der Sammlung Selinka, die dort gezeigt werden soll, sondern gegen die Finanzierung des Projekts. Wie berichtet, baut die Firma Reisch das Museum und vermietet es zu einer Nettokaltmiete von 240 000 Euro im Jahr an die Stadt. Diese zeigt dort Werke der Sammlung Selinka, die ihr für 30 Jahre als Leihgabe zur Verfügung gestellt werden.

Der Bund der Steuerzahler, der sich für ein sparsames Ausgabenverhalten der öffentlichen Hand und gegen die Verschwendung von Steuergeld einsetzt, rechnet wie auch die Ravensburger Stadtverwaltung damit, dass das neue Kunstmuseum inklusive aller Nebenkosten jährlich rund 500 000 Euro kosten wird – nach Ansicht des Stuttgarter Verbands eindeutig zu viel für den städtischen Haushalt

Zwar ist auch der BdS der Ansicht, dass die Selinka-Sammlung „zweifellos wertvoll“ ist. Doch obwohl die Bilder nicht in das Eigentum der Stadt übergehen, sondern lediglich für 30 Jahre verliehen werden, „wird ein Museum errichtet, das den städtischen Haushalt über drei Jahrzehnte belasten wird, denn kostendeckend wird das Museum nicht zu betreiben sein“. Trotz des Verständnisses dafür, dass man mit dem Museum in Ravensburg große Chancen für die Stadt sehe, sei das Projekt angesichts der Finanzlage der Stadt eine Nummer zu groß.

Auch im OB-Wahlkampf war das Thema Kunstmuseum diskutiert worden, auch über die Möglichkeit einer Rückabwicklung des Vertrags zwischen der Stadt, der Selinka-Stiftung und der Baufirma Reisch wurde geredet. Der künftige Oberbürgermeister, Daniel Rapp, hatte das Museum zwar als Chance bezeichnet, zugleich aber kritisiert, dass bei einer so weitreichenden und die Stadt 30 Jahre finanziell belastenden Entscheidung nicht vorab die Bevölkerung gehört worden ist.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen