Brücke über die Wangener Straße: Viele Ravensburger sind von der Idee sehr angetan

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 Einzelne befürchten, dass sich (zu) viele Radler, Fußgänger und Autos durchs Ravensburger Obertor drängeln, wenn erst die neue
Einzelne befürchten, dass sich (zu) viele Radler, Fußgänger und Autos durchs Ravensburger Obertor drängeln, wenn erst die neue Brücke über die Wangener Straße gebaut ist. (Foto: Ruth Auchter-Stellmann)

Die Nachricht, dass die Stadt Ravensburg eine Geh- und Radwegbrücke über die Wangener Straße bauen möchte, kommt bei vielen Bürgern bestens an.

„Sehr guter Plan. Hoffentlich wird er schnell umgesetzt!“, kommentiert etwa Matthias M. auf Schwäbische.de. Auch auf Facebook folgten auf den Bericht vom 29. Oktober vor allem positive Kommentare.

Reiner W. beispielsweise findet: „Ist auf jeden Fall eine gute Maßnahme. Dient allen Verkehrsteilnehmern.“ Trotzdem gibt es auch Kritik an dem Projekt.

Das ist geplant

Wie berichtet, soll sich ungefähr auf Höhe der freien Tankstelle eine drei bis vier Meter breite Brücke über die Wangener Straße ziehen – über eine Länge von 80 Metern.

Das rund 2,5 Millionen Euro teure Bauwerk mündet dann ab 2023 – sofern der Ausschuss für Umwelt und Technik am 6. November zustimmt – unterhalb der Veitsburgstraße in einen neu anzulegenden Fuß- und Radweg, der bis zum Obertor führt. Richtung stadtauswärts wird der bisherige Trampelpfad auf 100 bis 200 Metern so ausgebaut, dass auch Radler dort gut bis zur Saarlandstraße gelangen.

Eine Seilbahn wäre sicher spektakulärer.

Dennoch bedauert Andreas B., dass es keine Seilbahn geben soll – „das wäre kreativer gewesen“. Dem widerspricht jedoch Christoph B.: „Eine Seilbahn wäre sicher spektakulärer, aber durch aufwändige Erschließung und den laufenden Betrieb auch deutlich teurer und ineffizienter“, ist er überzeugt. Das Geld sei mit der Brücke deutlich besser angelegt. Zudem würden ja auch Autofahrer vom künftig störungsfreieren Verkehrsfluss profitieren.

Christoph B. ist daher der Ansicht, dass „Vertreter sämtlicher Parteien im Gemeinderat gut beraten wären, dieses Vorhaben zu unterstützen“. Denn: „Ein solcher verkehrspolitischer Geniestreich ist nur äußerst selten umzusetzen.“ Dafür sollten die Grünen laut Christoph B. den Verlust „einiger Bäume im Hang abwägen und letztlich gutheißen“, so sein Wunsch.

Nutzer bringt den Eschersteg ins Spiel

Marco R. bringt den unvermeidlichen, denkmalgeschützten Eschersteg, der seinerzeit über die Ravensburger Bahngleise führte, vor einigen Jahren aber abgebaut wurde, ins Spiel: Am besten werde dieser in die geplante Brücke integriert. „Damit wäre ein weiteres Thema abgehakt, also zwei Fliegen mit einer Klappe“ geschlagen. Ob er diesen Beitrag ironisch meint, lässt Marco R. offen.

Verkehrschaos am Obertor befürchtet

Manfred L. hingegen hat ganz andere Sorgen: Er befürchtet „ein Verkehrschaos am Obertor“. Dass es dazu kommt, wenn mehr Radler und Fußgänger die neue Brücke nutzen und dann durchs Obertor in die Innenstadt kommen, könne man sich „heute schon vorstellen.“.

Sarkastisch fügt Manfred L. hinzu: „Aber da bliebe ja immer noch die Möglichkeit, das Obertor abzureißen, während die Experten in der ’Sofaecke’ sitzen“. Offenbar eine Anspielung darauf, dass Oberbürgermeister Daniel Rapp Ravensburg gern als „Wohnzimmer Oberschwabens“ bezeichnet. Den Gespinstmarkt – der seinem Wunsch nach künftig autofrei sein soll – adelte er in diesem Zusammenhang zur „Sofaecke“ der Stadt.

Christoph B. entgegnet auf diesen Kommentar: „Die Bewohner der wachsenden östlichen Vorstadt werden so oder so durch das enge Obertor in die Stadt müssen.“ Und weiter: „Alleine der Wegfall weiterer Ampelstopps sowie die Verbesserung der Schulwegsituation überzeugen doch. Sie konstruieren aus eigener Interessenlage Konflikte, die es so nicht gibt.“

Im Übrigen geht Stadtplanungsamtsleiter Christian Herrling davon aus, dass das Obertor den zusätzlichen Verkehr durch die neuen Bewohner der östlichen Vorstadt gut verkraften wird. Da man aber eben erst in die Vorplanung der neuen Fuß- und Radwegbrücke einsteige, gebe es noch keine belastbaren Zahlen dazu, räumt er ein.

Wenn der Ausschuss Ja sagt, macht sich das Stadtplanungsamt zunächst dran, „die genau Verkehrsführung über die Brücke zu überprüfen“, so Herrling weiter. Dann sehe man auch die Auswirkungen auf die Altstadt respektive das Obertor. Noch ist beispielsweise nicht heraus, wo genau die Radler – die bisher entlang der Wangener Straße geführt werden – auf der Veitsburghangseite auf die Veitsburgstraße geführt werden. „Da arbeiten wir uns Schritt für Schritt voran“, erläutert Herrling.

Und verspricht, dass unter anderem auch die Polizei in Überlegungen eingebunden werde, die etwa dahin gehen könnten, Radlern Vorfahrt bei der Einmündung von der Veitsburg- in die Markstraße einzuräumen. Herrling geht bislang aber davon aus, dass sich in Sachen Verkehr am Obertor auch in Zukunft „gar nicht so viel verschieben wird“.

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