Bischof kommt nach Widerruf der„Ravensburger Erklärung“ zur Diskussion nach Ravensburg

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 Nach dem Widerruf der Ravensburger Erklärung trafen sich im Oktober 2018 enttäuschte Christen zu einem Schweigemarsch von der e
Nach dem Widerruf der Ravensburger Erklärung trafen sich im Oktober 2018 enttäuschte Christen zu einem Schweigemarsch von der evangelischen Stadtkirche hin zur Friedenssäule vor der Liebfrauenkirche. (Foto: Archiv: Felix Kästle)
Redaktionsleiter

Lange haben die Befürworter der „Ravensburger Erklärung“ auf diesen Tag gewartet: Am 25. März kommt Gebhard Fürst, der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, nach Ravensburg. Nachdem er den Stadtpfarrer Hermann Riedle zum Widerruf der Erklärung gedrängt hatte und dafür von vielen Gläubigen scharf kritisiert wurde, will er sein Vorgehen nun bei einem Besuch erklären und mit Gläubigen diskutieren.

Mit der „Ravensburger Erklärung“ hatten sich Protestanten und Katholiken gegenseitig zu Abendmahl und Kommunion eingeladen – erstmals in Deutschland. Die Initiative ging vom Arbeitskreis „Kirche lädt ein“ aus, die unter dem Motto „Vom Trennen zum Teilen – Abendmahl für alle“ für ihr Anliegen warb. Daraus entstand die „Ravensburger Erklärung“, die im Oktober 2017 unter anderem von Riedle und von seinem evangelischen Kollegen Martin Henzler-Hermann unterzeichnet worden war. Ein Jahr später musste sich Riedle auf Weisung aus Rottenburg davon distanzieren. Bei einem Schweigemarsch machten rund 200 Christen kurz darauf ihrem Ärger und ihrer Enttäuschung Luft. Der evangelische Dekan Friedrich Langsam sprach von einem Rückschritt in der Annäherung der beiden Konfessionen.

Fragen aus dem Publikum möglich

Jetzt also die Veranstaltung im Schwörsaal – sie wird um 19 Uhr beginnen (Saalöffnung um 18.30 Uhr) und soll gut zwei Stunden dauern. Bischof Gebhard Fürst will eine knappe halbe Stunde lang zunächst zum Thema sprechen. „Dabei will ich natürlich auch das Problem beschreiben und erklären, warum ich mich so entschieden habe“, sagte er der „Schwäbischen Zeitung“. Danach soll es dann ein moderiertes offenes Gespräch geben. Fragen aus dem Publikum sollen dabei gesammelt werden, damit möglichst viele Zuhörer zu Wort kommen. Die Diskussion moderiert Matthias Ball vom Institut für Fort- und Weiterbildung der Diözese. Im Anschluss will Bischof Fürst noch zu einer Art Stehempfang einladen und auch dort Gläubigen Gelegenheit geben, direkt auf ihn zuzukommen.

 Bischof Gebhard Fürst
Bischof Gebhard Fürst (Foto: Archiv: Roland Rasemann)

Eine halbe Stunde vor der Veranstaltung wird sich der Bischof mit dem ökumenischen Arbeitskreis „Kirche lädt ein“ treffen, wie Arbeitskreis-Sprecherin Isolde Leopold sagt. Auch während der Veranstaltung räume die Diözese Vertretern des Arbeitskreises „Kirche lädt ein“ und der Kirchengemeinderäte Zeit ein, um die Aktion „Vom Trennen zum Teilen“ vorzustellen. Leopold kündigte an, unter anderem eine Präsentation mit Bildern vom gemeinsamen Mahl Hunderter Christen in der Ravensburger Innenstadt zu zeigen.

Arbeitskreis freut sich auf Gespräch

Im Oktober 2017, am Tag der Unterzeichnung der „Ravensburger Erklärung“, hatte eine rund 400 Meter lange Tafel die evangelische Stadtkirche und die katholische Liebfrauenkirche miteinander verbunden. Menschen teilten dort Brot, Wein und Saft. Die Aktion sollte Gastfreundschaft symbolisieren. Der einseitige Widerruf der Erklärung war für die Mitglieder des Arbeitskreises eine herbe Enttäuschung.

Isolde Leopold freut sich aber, dass der Bischof jetzt auf sie zugekommen ist. „Das ist toll. Das Blatt hat sich gewendet“, sagt sie. „Er hat gemerkt, dass wir nicht seine Feinde sind.“

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Der katholische Bischof Gebhard Fürst kommt im Frühjahr für Gespräche mit enttäuschten Katholiken nach Ravensburg.
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