Bildhauerin Angelika Schneider eröffnet ihre Ausstellung im Heilig-Geist-Spital

Lesedauer: 5 Min
 Das Berühren der Steinskulpturen ist in der Ausstellung von Angelika Schneider (rechts), hier zusammen mit Laudator Hermann Dip
Das Berühren der Steinskulpturen ist in der Ausstellung von Angelika Schneider (rechts), hier zusammen mit Laudator Hermann Dippon, erlaubt. (Foto: Babette Caesar)
Babette Caesar

Eine Ausstellung mit Skulpturen hat es im Foyer des Heilig-Geist-Spitals Ravensburg schon lange nicht mehr gegeben. Nun aber, mit der Werkreihe der Ravensburger Bildhauerin Angelika Schneider, ist es wieder soweit. Unter dem Titel „Steine berühren“ zeigt sie 20 figurative und abstrakte Skulpturen, die in den vergangenen zehn Jahren entstanden sind. Ihr Bildhauerkollege Hermann Dippon führte in die am Dienstagabend eröffnete Ausstellung ein.

Der Titel „Steine berühren“ ist Programm und ganz ernst gemeint. Die Besucher dürfen, wenn nicht gar sollen, mit den Handflächen und Fingern über die samtweich polierten Oberflächen gleiten. Um diese mittels Tastsinn zu erkunden und um über das bloße Anschauen hinaus eine weitere sinnliche Erfahrung zu machen. „Toll, dass man die Sachen anfassen darf. Das gibt’s sonst nie“, lauteten so auch spontane Äußerungen von Besuchern, die lange verweilten, oft mit geschlossenen Augen. Stefan Jäckle vom Heilig-Geist-Spital verwies in seiner Begrüßung auf die Besonderheit einer Skulpturenausstellung, die das Flair der Spitalhalle durch die frei im Raum platzierten Werke betonen. Angelika Schneiders Skulpturen erklären wolle er nicht, begann Hermann Dippon seine Laudatio mit einem Vergleich aus der griechischen Mythologie um den Giganten Antaios. Dieser bezog seine gewaltige Kraft aus der Berührung mit seiner Mutter Gaia, der Erde.

Angelika Schneider ist gebürtige Stuttgarterin und lebt seit 40 Jahren in Ravensburg. 30 Jahre war sie in der Erwachsenenbildung tätig, vor zehn Jahren hat sie mit der Steinbildhauerei angefangen. In Kursen bei Herbert Leichtle und Rudolf Kurz. Dippon blickte auf die Anfänge ihrer künstlerischen Faszination für den Stein zurück. Als Urlaubsreisen sich in Fahrten zu Steinbrüchen in Italien verwandelten, oder sie in Neuseeland statt Strandspaziergänge zu unternehmen auf den Abraum eines stillgelegten Steinbruchs stieß.

Lohnender Einblick in Materialität und Farbspektren

„Torso“, „Black and Gold“, „Beflügelt“ oder „Himmelwärts“ heißen einige der gezeigten, auf Sockeln fixierten Werke. Sie geben sich figurativ in Gestalt von Köpfen und Gesichtern oder betonen abstrakte Formgebungen. Auffallend sind der harmonische Schwung, der allen Arbeiten inne wohnt, und die Vielzahl der verschiedenen von ihr verarbeiteten Gesteinsarten. Neben dem weitläufig bekannten Carrara Marmor tauchen Namen wie Cannstatter Travertin, Laaser Marmor, Rosa Perlino oder Alpenkalk auf. So vermittelt die Schau dem Besucher, allein vom Material und den wechselnden Farbspektren – von leuchtendem Weiß hin zu rötlichen Ockertönen – einen lohnenden Einblick. Schneider erlebe sich als Schöpfende, sobald sie mit Hammer und Meißel, Winkelschleifer und Steinölen zu Werke geht. In der Regel ohne Modell und ohne Vorstellung über das endgültige Aussehen. Linie, Bewegung und Schwung seien die entscheidenden Faktoren. Eine gewichtige Rolle spielt der Stein selbst. Ist in ihm doch vieles schon angelegt, was Maserung und Struktur angeht. Schön zu sehen ist das an Beispielen wie dem liegenden abstrahierten Marmorkopf „Black and Gold“. Einzelne Werke wie „Wunderfitz“ oder „Narziss“ beleuchten die unterschiedlich belassenen Oberflächen zwischen glatt poliert und offen behauen. Hier ist ein Ertasten von besonderem Reiz. Dass es im Bildhauerleben Schneiders durchaus Vorstellungen gibt, was aus einem Rohling werden soll, die sich später ändern, lässt das Paar „KussKuss“ durchblicken. Auch die vier Gesichter „Hauptsache“, die, angelegt als eine Art Rundumskulptur, ihrer Familie gewidmet sind, zeigen dies. Doch das kann sie nicht ernsthaft erschüttern, denn für Angelika Schneider beinhaltet der Stein keinen Zweifel. Während sie schlägt, hämmert, schleift und poliert, ist der Kopf frei und so glaubt sie stets an einen guten Ausgang.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen