Betrunkener Asylbewerber verletzt drei Polizisten

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Im Asylbewerberheim in der Schützenstraße hat der Sicherheitsdienst am späten Sonntagabend die Polizei informiert. Gleich mehrer
(Foto: Derek Schuh)
Jasmin Bühler

Schon wieder hat es im Asylbewerberheim in der Ravensburger Schützenstraße eine folgenreiche Auseinandersetzung gegeben. Der Sicherheitsdienst hatte die Polizei am späten Sonntagabend wegen eines betrunkenen und aggressiven Asylbewerbers informiert. Als die Beamten die Situation unter Kontrolle bringen wollten, widersetzte sich der Mann und verletzte mehrere Polizisten schwer.

Die Situation ähnelt derjenigen von vor einer Woche, als sich zwei Asylbewerber bei einem Streit gegenseitig mit einem Messer verwundeten (SZ vom 23. Juni: „Messerattacke im Asylbewerberheim löst Tumulte aus“). Damals führte ein zwischenmenschlicher Zwist zu einem großen Polizeieinsatz. Und auch dieses Mal waren mehrere Streifenwagen vor Ort. Der Auslöser war vergleichsweise banal: Ein Flüchtling hatte zu tief ins Glas geschaut.

Am Sonntagabend wurde gegen 21.15 Uhr die Polizei alarmiert. Einem Sicherheitsmann war ein betrunkener 40-jähriger Schwarzafrikaner aufgefallen, der sich laut und aggressiv gebärdete. Wie die Polizei mitteilt, zeigte sich der aus Nigeria stammende Mann den eingetroffenen Beamten gegenüber „nicht kooperativ“. Ihm sollten daraufhin Handschellen angelegt werden. Darüber geriet der Nigerianer derart in Rage, dass er sich heftig zur Wehr setzte. Er biss einen Beamten heftig in den Arm und ließ erst von ihm ab, als die Polizisten Pfefferspray und körperliche Gewalt anwendeten.

Im Polizeibericht heißt es weiter, dass der Betrunkene sodann mit einer Stehlampe einem weiteren Beamten ins Gesicht schlug. „Mit Schlägen, Tritten und Bespucken versuchte sich der 40-Jährige dem Gewahrsam zu entziehen“, berichtet die Polizei. Erst mit einem massiven Kräfteaufwand sei es den Beamten schließlich gelungen, den Mann zu fixieren. Drei verletzte Polizisten mussten ärztlich versorgt werden.

„Sie haben ihn mit einem Elektroschocker zu Boden gebracht und auf dem Fußboden mit Handschellen gefesselt“, erzählt Barbara Missalek vom Arbeitskreis Asyl. Sie war noch am Sonntagabend von einem in der Schützenstraße wohnenden Asylbewerber informiert worden und sofort hingefahren. Missalek kennt den 40-jährigen Nigerianer persönlich. Es habe psychische Probleme und greife hin und wieder zur Flasche, sagt sie. Aber im Grunde sei er harmlos. So wie man ihr berichtet habe, sei er am Sonntagabend zwar laut gewesen, aber keineswegs aggressiv. Er habe nur Spaß gemacht. „Warum also hat der Sicherheitsdienst die Polizei gerufen?“, fragt Missalek.

Flüchtlinge bekunden Solidarität

Seit der Messerattacke am vergangenen Wochenende ist in der Schützenstraße rund um die Uhr ein Sicherheitsdienst im Einsatz. Beauftragt wurde er vom Landratsamt Ravensburg. Die Wachmänner sollen dafür sorgen, dass Tumulte früh genug erkannt werden oder gar nicht erst entstehen. „Die Asylbewerber fühlen sich von dem Sicherheitsdienst doch provoziert“, sagt Missalek vom Arbeitskreis Asyl. Sie würden sich beobachtet und kontrolliert vorkommen, „wie im Gefängnis.“

Während die Polizisten den Nigerianer überwältigten, zeigten sich weitere anwesende Asylbewerber mit ihm solidarisch. Sie griffen die Beamten verbal an. Es kam zu Diskussionen. Handgreiflichkeiten blieben aber aus. Die Polizei betont, dass eine Eskalation der Situation durch eine verstärkte Präsenz ihrerseits verhindert werden konnte.

Auch am Montag herrschte im Asylbewerberheim noch Aufregung. Die Bewohner ärgerten sich über das Verhalten der Polizei, das sie „übertrieben“ nannten. Sie hätten sogar Videos gemacht, wie die Einsatzkräfte den Nigerianer geschlagen hätten. Absolut unverhältnismäßig sei das gewesen, meint auch der Arbeitskreis Asyl. Man hofft nun, dass sich die Lage entspannt. Denn am Dienstag kommen 50 neue Flüchtlinge an.

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