Besucher erleben spektakuläre Kampfkunst

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Schwäbische Zeitung

Vor etwa 2000 Zuschauern hat das 27. Karate Sommercamp in Ravensburg am Freitagabend in der Oberschwabenhalle seinen Höhepunkt gefeiert: Mit einer Karate- und BudoShow-Night, bei der spektakuläre Kampfkunst vorgeführt und um den European Master Cup 2010 gekämpft wurde, erstmals auch bei den Damen.

Von unserer Mitarbeiterin Barbara Sohler

Natürlich wissen die meisten der Gala-Besucher genau, was ein „Yogu Geri“ ist. Und selbstverständlich auch, was sich hinter dem Begriff „Ashi Barei“ verbirgt. Auch scheinen alle zu wissen, wie ein „Mawashi Geri“ auszusehen hat, der sich gewaschen hat. Denn schließlich sitzen Karate-Größen wie der Landespräsident des Karateverbandes Baden Württemberg e.V. (KVBW), Siegfried Wolf, auf den Ehrenplätzen neben Günter Mohr, der Initiator, Organisator und nicht müde werdender Motor der hiesigen Karatebewegung ist.

Für die Handvoll Uneingeweihter gibt Moderator Nico Bonschinski zu Beginn wenigstens eine Schnupperstunde. Regelwerk light beim Wettkampf-Karate sozusagen: Ein Schwinger, ein Kniestoß oder sich Beschweren gilt nicht – das zieht unweigerlich eine Ermahnung nach sich. Und weil gleich acht amtliche Richter in Uniform und im Uhrzeigersinn um die königsblaue Matte auf der Bühne rotieren – und weil es im Budo zur Geisteshaltung gehört, fair zu kämpfen – deshalb gibt es von Seiten der Jury wenig zu bemängeln.

Lautstark hingegen tun kleinere und größere Fangruppen kund, was sie wollen: „Auf Nikita“ kreischen welche, „Du bist die Schönste, Linda!“ und „Los Vicky!“, als die Karate-Damen zum ersten Mal überhaupt in Ravensburg um den European Masters Cup kämpfen. Interessant, dass niemand der späteren Siegerin Jana Bitsch einen aufmunternden Spruch zuruft. Vielleicht, weil die 19-Jährige – als Tochter des Bundesjugendtrainers Klaus Bitsch von Kindesbeinen an auf der Matte zuhause – im Finale den Sieg souverän nach Hause holt.

Auch der Pokal des European Master Cups 2010 der Männer wird im Hause Bitsch einen Platz finden. Denn Janas großer Bruder Noah, 21, gewinnt das enge Finale gegen den Österreicher Stefan Pokorny mit 1:0.

20 verschiedene Stoßtritte

Schnell, geschickt und gelassen müssen die Sportler sein – egal in welcher der beiden Wettkampfdisziplinen, die in Ravensburg auf die Matte kommen: Sowohl beim sogenannten „Kumite“, dem Freikampf, wie auch bei der „Kata“ - einer Abfolge von strengen Schrittdiagrammen, die für eine gedachte Kampfszene so etwas wie eine Choreografie vorgibt. Allein bei den Stoßtritten – den „Tsuki“– kennt das Karate-Lexikon fast 20 verschiedene, vom Prellstoß über den Berg Stoß zum Paralell-Stoß. Insofern ist es also müßig, sich irgendwelche Techniken abgucken zu wollen.

Und doch sind auch Nicht-Fachleute von der atemberaubenden Schnelligkeit, der wohldosierten Kraft und der geschmeidigen Beweglichkeit beeindruckt.

Und damit der Spaß zwischen all den angedeuteten Kampfhandlungen nicht zu kurz kommt, haben sich die Organisatoren um Günter Mohr ein unterhaltsames Rahmenprogramm ausgedacht: Mit Brasilianischen Kampftänzen, mit Aikido und Kung-Fu Demonstrationen. Die wenigen Karate-Laien werden es mit dem Moderator halten, der gesteht: „Also, ich versteh’s nur, wenn es in Zeitlupe ausgeführt wird.“

Und auch der Hinweis, dass sich Bewegungsabläufe erst automatisieren, wenn sie 30 000 Mal gemacht werden,bleibt hängen. Ansonsten bleiben die Hochachtung vor erstklassigen Sportlern und der Respekt vor der waffenlosen Kampfkunsttechnik.

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