Lena Berlinger bei ihrem Sieg im Ravensburger Flappachbad.
Lena Berlinger bei ihrem Sieg im Ravensburger Flappachbad. (Foto: Rolf Schultes)
Sportredakteur

Im Mai und Juni, wenn sich die Triathleten eigentlich mitten in der Saison befinden, hatte Lena Berlinger ihre Saison eigentlich schon abgehakt. Bei einem Unfall im Training Ende April hatte sich die Baindterin das Schlüsselbein gebrochen und die Rippen geprellt. Statt Training und Wettkampf gab es eine unfreiwillige Zwangspause. Doch Berlinger stand schneller als gedacht wieder an der Startlinie und überraschte dann auch sich selbst mit guten Ergebnissen.

Schon beim Eistobellauf im Juli (mit Streckenrekord) und beim Ravensburger Triathlon Anfang August holte sich Berlinger Siege und Selbstvertrauen. Der Sieg beim Inferno-Triathlon im Berner Oberland in der Schweiz hat der 30-Jährigen dann gezeigt: „Ich bin wieder da.“ Das war – auch für Berlinger selbst – so nicht zu erwarten. Bei einer Trainingsfahrt auf dem Fahrrad in der Nähe von Salzburg ist sie frontal mit einem anderen Radfahrer, der nicht aufgepasst hatte, zusammengestoßen. „Für die Saison habe ich schwarzgesehen“, gesteht Berlinger im Rückblick. „Ich wusste, ein Bruch dauert mindestens sechs Wochen. Erst dann geht es wieder um Kraft und Beweglichkeit.“

Immerhin: Berlinger kam um eine Operation herum. Der Tagesablauf, der sonst in weiten Teilen auf das zeitintensive Triathlontraining zugeschnitten war, war zunächst vollkommen ungewohnt. „Meine Schwester hat zu mir gesagt: ,Genieß doch mal das Frühjahr, leg dich in die Sonne.’ Ich hatte den ganzen Tag Zeit, das kannte ich gar nicht mehr.“ Berlinger ging viel spazieren („Alleine im Wald, das war gut für den Kopf“) und ließ ihrem Schlüsselbein und ihren Rippen („Das habe ich viel länger gemerkt als das Schlüsselbein“) Zeit. „Ich wollte nichts erzwingen, alles sollte komplett verheilen“, sagt Berlinger.

Nach sechs Wochen wurde das Schlüsselbein geröntgt. Der Knochen war wieder gut zusammengewachsen, das – noch leichte – Training konnte starten. Ein bisschen Radfahren auf der Rolle, ein bisschen Joggen. „Mitte Juni hab ich mir gedacht, dass es vielleicht mit dem Inferno in der Schweiz klappen könnte.“ Auf Schmerzmittel hat Berlinger bewusst verzichtet, unter Druck hat sie sich nicht gesetzt. Gedanken an den Unfall? „Am Anfang war ich auf dem Rad schon vorsichtig“, gesteht Berlinger. „Aber man muss den Sturz ausblenden. Das Gute für mich war, dass ich mir keinen Vorwurf machen musste. Es lag ja nicht an einem Fahrfehler von mir.“

Nervös, aber lockerer als sonst („Ich hab schließlich nicht viel erwartet“) stand Berlinger Mitte August beim Inferno-Triathlon an der Startlinie. Auch wenn die Baindterin lange nicht geschwommen war, übernahm sie im Wasser direkt die Führung und gab diese auch auf dem Rennrad (97 Kilometer), auf dem Mountainbike (30 Kilometer) und beim Lauf (25 Kilometer) nicht mehr ab. Im Nebel auf dem Schilthorngipfel feierte Berlinger den unerwarteten Sieg. „Der Ehrgeiz und die Ziele kamen schnell wieder“, meint Berlinger. „Ich habe aber dennoch nur von Rennen zu Rennen geplant.“ Und es wurde noch eine richtig erfolgreiche Saison 2018: Zweite beim Transvorarlberg, Sieg bei der Challenge Davos, Zweite in der Challenge-Serie auf Mallorca sowie Dritte bei der Challenge-Serie auf Sardinien.

Eigene Ansprüche steigen mit guten Ergebnissen

Derzeit plant die Athletin des Skinfit Racing Tri Teams die Saison 2019. Im April oder Mai wird Berlinger wohl das erste Rennen über die Mitteldistanz (1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren, 21 Kilometer Laufen) machen. „Ich habe gute Ergebnisse erzielt, natürlich steigen dann die eigenen Ansprüche“, sagt Berlinger. Im Hinterkopf hat die 30-Jährige aber auch die Langdistanz. „Das geht mir für die neue Saison schon im Kopf herum“, meint Berlinger.

Viele würden ihr auch da gute Resultate zutrauen. Doch Training, Vorbereitung und Regeneration seien bei den langen Rennen etwas ganz anderes als bei kürzeren Wettkämpfen. „Halblebig will ich nicht in einen Wettkampf gehen“, lautet ein Motto der Baindterin. Wenn 2019 ein Start über die Langdistanz (3,8 Kilometer Laufen, 180 Kilometer Radfahren, 42,195 Kilometer Laufen) erfolgen sollte, dann wäre das sicher der Saisonhöhepunkt für Berlinger.

Und vielleicht ja doch noch irgendwann Hawaii – der legendäre Ironman. „Das ist der Mythos, die WM, für Profis der Maßstab“, weiß Berlinger. „Da würde ich gerne hin, aber nicht um jeden Preis.“ In der kommenden Saison und in der Zukunft hat die 30-Jährige noch viel vor. Bloß keine Zwangspause mehr.

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