Benzinpreis auf Vier-Jahres-Hoch - so teuer ist es in der Region

Lesedauer: 8 Min
An den Zapfsäulen müssen Autofahrer derzeit tiefer in die Tasche greifen.
An den Zapfsäulen müssen Autofahrer derzeit tiefer in die Tasche greifen. (Foto: Imago)
Digitalredakteur
Deutsche Presse-Agentur

Die Preise an den Zapfsäulen der Tankstellen kennen derzeit nur eine Richtung - nach oben. Eine Analyse des ADAC zeigt: Die Preise für Benzin und Diesel sind so hoch wie seit vier Jahren nicht mehr. Erstmals seit 2014 hat der Preis für einen Liter Super E10 die Hürde von 1,50 Euro überschritten.

Auch der Dieselpreis hat in den vergangenen Monaten spürbar angezogen, das zeigen unter anderem Stichproben an Tankstellen in der Region. Laut Experten des ADAC hat vor allem der zuletzt angestiegene Rohölpreis zur Entwicklung beigetragen. 

Ein Ende des Preisanstieges scheint derzeit zudem nicht in Sicht. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat vor einem weiteren Anstieg der Ölpreise aufgrund von Produktionsausfällen gewarnt. „Wenn die Ölexporte aus Venezuela und dem Iran weiter zurückgehen sollten, könnte sich das Angebot am Markt verknappen und die Preise könnten steigen“, heißt es im Monatsbericht der IEA, der am Donnerstag veröffentlicht wurde.

Experten warnen zudem vor dem schwelenden Streit zwischen den USA und dem wichtigen Förderland Iran. „Es ist davon auszugehen, dass die Ölexporte aus dem Iran in einem gewissen Umfang zurückgehen werden“, sagte Dekabank-Rohstoffexpertin Dora Borbély.

An den Tankstellen der Region bedeutet dies für auf den Sprit angewiesene Kunden nichts Gutes. Eine Analyse von schwäbische.de mit Hilfe der App "Clever tanken" zeigt den regional stark angestiegenen Benzinpreis. Zudem ergeben sich zum Teil deutliche regionale Unterschiede.

Eine Stichprobe vom 13. September (21 Uhr) offenbart: Diesel-Kunden fanden die günstigste Tankstelle in Tuttlingen vor - dort lag der Preis für einen Liter Diesel bei einer der über die App "Clever tanken" aufgelistete Tankstelle bei 131,9 cent. Am meisten wurden Kunden rund um Biberach zur Kasse gebeten: die teuerste gelistete Tankstelle verlangte 137,9 Cent pro Liter Diesel (weitere Werte für Diesel und Super E10 siehe Schaukasten).

Große Unterschiede kommen zudem je nach Bundesland auf die Tankstellen-Kunden zu. Wie der ADAC in einer Studie ermittelte, seien die Preisunterschiede je nach Bundesland so groß wie nie zuvor. Bis zu fünf Euro pro Tankfüllung mehr könnten beispielsweise Diesel-Kunden bezahlen, je nachdem, in welchem Teil Deutschlands sie gerade tanken.

Baden-Württemberg und Bayern kommen im Ranking des Automobilclubs eher schlecht weg: Im Schnitt kostet ein Liter Super E10 derzeit 150,8 cent (Baden-Württemberg) beziehungsweise 151,5 cent (Bayern) - nur im Saarland sind die Preise noch höher. Ähnlich sieht es beim Diesel aus.

Der ADAC rät Autofahrern generell, Preise zu vergleichen und einige Hinweise beim Tanken zu beachten, denn gerade bei dem sehr hohen Spritpreisniveau lohne es sich, preisbewusst zu tanken. 

Verzichten sollte man, sofern es die Situation ermöglicht, in den Morgenstunden die Tankstelle anzufahren. Zwischen 15 und 17 Uhr sowie zwischen 19 und 22 Uhr dagegen seien die Spritpreise am niedrigsten, so die Analyse der Verkehrsexperten. Es lohne sich darüber hinaus, mit Hilfe von Apps die aktuellen Benzinpreise vor Ort zu vergleichen, um so die günstigsten Tankstellen ansteuern zu können. 

An speziellen Wochentagen das Tanken sein zu lassen, ist zudem nicht mehr nötig.  Ein im August veröffentlichter Bericht der Bundesregierung über die Arbeit der Markttransparenzstelle für Benzin und Diesel kommt zu dem Ergebnis, dass es zwischen den einzelnen Wochentagen keine „wesentlichen Unterschiede“ bei den Preisen an den Zapfsäulen gibt. Die ebenfalls befürchteten Preisanstiege in den Ferienzeiten konnten die Experten ebenfalls nicht bestätigen.

Müssen wir uns weiter auf steigende Benzinpreise einstellen? Marktbeobachter sind sich uneins. Die US-Sanktionen gegen den Iran könnten dazu führen, dass der Ölpreis weiter steigt. 

Der Iran hat schon gedroht, im Fall von Sanktionen die Straße von Hormus und damit die Meerenge zum Persischen Golf zu blockieren. Das ist ein wichtiges Nadelöhr, durch das ein Großteil des weltweiten Öltransports auf See läuft.

Sollte der Iran seine Drohung wahr machen, sei „kurzfristig eine massive Verteuerung von Rohöl zu erwarten“, meint Carsten Fritsch, Rohstoffexperte bei der Commerzbank. Über das Ausmaß im Fall einer Blockade könnten aber keine seriösen Angaben gemacht werden, betont er.

Der Ölpreis könnte dagegen fallen, sollte der Handelskonflikt zwischen den USA und China weiter an Fahrt gewinnen. Mit jeder bisherigen Eskalationsstufe stieg am Ölmarkt die Sorge vor einem Handelskrieg der beiden weltgrößten Volkswirtschaften.

Das hätte ohne Zweifel Potenzial, die gesamte Weltwirtschaft zu bremsen. Die Folge wäre ein Rückgang der Rohöl-Nachfrage. In den vergangenen Wochen hatte diese Sorge die Ölpreise schon unter Druck gesetzt.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen