Bei „Ravensburg spielt“ gibt’s erstmals auch Digitales zum Ausprobieren

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Daniel Krüger

Vorsichtig tastet sich Lisa Stenmans über die schmale Planke, die vom Dach eines Hochhauses ins Nichts führt. 100 Meter unter ihr befindet sich eine belebte Straße, auf der sie ameisengroße Autos und Passanten erkennt. „Ich habe zum ersten Mal eine VR-Brille aufgehabt und hätte niemals gedacht, dass es so unglaublich real aussieht“, sagt sie später. „Du stehst da auf diesem Hochhaus und denkst, hier geh ich keinen Schritt weiter.“ Wie Stenmans haben viele Besucher von „Ravensburg spielt“ am Wochenende ihre ersten Schritte in der virtuellen Realität gewagt. Möglich war das im Holocafé der Dualen Hochschule (DHBW) mit einer speziellen Brille der Firma Eyeconcept, die den freiwilligen Probanden eine alternative 360°-Realität auf die Netzhaut projizierte.

„Uns war wichtig, das Spielefest zu erweitern. Das klassische Spielen liegt zwar weiterhin im Fokus, aber das Digitale gehört inzwischen einfach dazu und davor möchten wir uns nicht verschließen“, sagt Franziska Eger vom Kulturamt der Stadt Ravensburg. So gab es in diesem Jahr erstmals eine eigene Digitale-Zone am südlichen Marienplatz, rund um das Burg-Kino. Beliebter Anlaufplatz für das jüngere Publikum war dabei vor allem die Mensa der DHBW, die von den Studierenden zur eGaming-Arena umfunktioniert wurde. Auf Großleinwand und zahlreichen Flatscreens konnten hier Neuigkeiten aus der Spielkonsolenwelt getestet werden. Und vielleicht war das mit den Spielkonsolen gar keine so schlechte Idee, denn den Sonntag hat es nach einem schönen und gut besuchten Samstag ordentlich verregnet.

Trotz der digitalen Konkurrenz waren die Neuigkeiten aus der analogen Welt aber nicht weniger gefragt. „Wir probieren zu Hause zwar gerade eine geliehene Wii-Konsole aus, aber aktuell bevorzugen unsere Kinder noch die klassischen Brettspiele“, sagt Rosa Malsam. Sie kommt jedes Jahr mit ihrem Mann und den zwei Kindern auf die Spielemeile, um – vorzugsweise an den Ständen von Ravensburger – neue Ideen für die heimischen Spieleabende aufzuschnappen. So geht es auch Arndt Boland, der sich ständig über Neuigkeiten auf dem Spielemarkt auf dem Laufenden hält und dazu regelmäßige Internetrecherchen betreibt. Ganz anders sein Sohn Linus, der vom größten aller Klassiker, dem Spiel der Könige, fasziniert ist und in der Schule sogar die Schach AG besucht. Entsprechend ungleich verläuft das Duell der Generationen am Schachbrett. „Inzwischen lässt Linus mir kaum noch eine Chance, höchstens, wenn ich daheim noch Unterstützung von meiner Frau bekomme“, sagt Arndt Boland.

Auf gute Unterstützung sind die Veranstalter von „Ravensburg spielt“ übrigens genauso angewiesen. Gut 70 ehrenamtlichen Helfer haben sich für das Wochenende gemeldet, zahlreiche Unternehmen aus der Region waren als Partner und Sponsoren dabei. So zum Beispiel die Firma Vetter, deren Aktionsstand in der Kreativ-Zone fest in der Hand der Azubis und DHBW-Studenten war. Eine von ihnen ist Anna-Lena Keckeisen, die eine Ausbildung zur Chemielaborantin macht und im mobilen Laboratorium Kinder dabei anleitet, ihre eigene Seifenblasenlösung herzustellen. Dazu wird zunächst jeder Nachwuchsforscher in einen standesgemäßen weißen Kittel gekleidet. „In unserem Projekt ,Haus der kleinen Forscher’ setzen wir uns für frühe Bildung in naturwissenschaftlichen Themen ein. Wir überlegen uns dazu einfache Experimente und organisieren dann Besuche in Kindergärten oder planen Mitmach-Aktionen wie diese“, sagt sie.

Wie Vetter nutzten viele Unternehmen aus der Region die Möglichkeit, sich auf der Spielemeile zu präsentieren, allen voran natürlich der Ravensburger Spieleverlag, als logischer Partner. So freut sich auch Eugen Müller, Geschäftsführer des Wirtschaftsforums Pro Ravensburg, über eine gelungene 31. Auflage des zweitwichtigsten Stadtfestes, wie er betont: „Was Ravensburg auszeichnet, ist das gute Zusammenspiel von Stadt und Wirtschaft. Unser gemeinsames Anliegen ist es, authentische Veranstaltungen zu machen und was gibt es da besseres als Ravensburg spielt!“

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