Beeindruckender Skulpturenparcours in der Kunsthalle Ravensburg

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Den meist raumhohen Werken aus Stahl bietet die diesmal ganz geöffnete riesige Industriehalle einen einzigartigen Auftritt.
Den meist raumhohen Werken aus Stahl bietet die diesmal ganz geöffnete riesige Industriehalle einen einzigartigen Auftritt. (Foto: Schaefer)
Dorothee L. Schaefer

Die Ausstellung ist bis zum

20. Oktober zu folgenden Zeiten geöffnet: donnerstags und freitags von 16 bis 19 Uhr sowie samstags von 11 bis 14 Uhr.

Eine verlässlich zahlreiche Besucherschar hat sich am Freitagabend zur Vernissage von Großplastiken des aus Rottweil stammenden und dort lebenden Künstlers Jürgen Knubben (*1955) in der Kunsthalle Ravensburg eingefunden. Wahrhaftig kein Unbekannter im Südwesten: ein paar Hundert Ausstellungen dokumentieren die bisherigen 45 Schaffensjahre, ein umfangreicher Werkkatalog ist im vergangenen Jahr erschienen. Überdies sind hier in Ravensburg einige zum ersten Mal ausgestellte Arbeiten zu sehen.

Den meist raumhohen Werken aus Stahl bietet die diesmal ganz geöffnete riesige Industriehalle einen einzigartigen Auftritt. Und wie immer beim Transport von solch tonnenschweren Stücken geht es vorher nicht ohne adrenalinfördernde Zwischenfälle ab, erzählt Carin Arnold. Beim Transport war eine der neun jeweils eine Tonne schweren „Säulen“ umgefallen, weil sie falsch positioniert war, und mit zwei Gabelstaplern wurde sie wieder aufgerichtet. Aber das bringt weder eine Carin Arnold aus der Ruhe noch ihr bewährtes Helferteam aus Ehemann und Bruder und ihrem ehemaligen Bildhauerlehrer Axel F. Otterbach.

Andreas Schmauder übernahm in Vertretung von Simon Blümcke das Grußwort der Stadt, indem er sich bei Carin Arnold für die Einrichtung der Kunsthalle als einer „enormen Bereicherung für das kulturelle Ravensburg“ bedankte. Außerdem erinnerte er sich launig an seine Anfänge als Archivleiter im Jahr 1999 und seinen „Dienstherrn“ Thomas Knubben, der fünf Jahre zuvor als promovierter Kulturwissenschaftler in Ravensburg das neu geschaffene Amt des Kulturreferenten angetreten hatte. Wer wäre als Laudator für Jürgen Knubben also besser geeignet als der eigene Bruder, der mit zwei weiteren begabten Brüdern aufwuchs und das künstlerische Schaffen immer im Auge behielt?

Thomas Knubben, seit 2003 Professor für Kulturmanagement an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, legte das Augenmerk auf die künstlerischen Anfänge von Jürgen Knubben, der zunächst nach Abitur und Zivildienst ein Theologiestudium in Tübingen absolvierte, sich seit 1973 der Bildhauerei zuwandte und im Brotberuf 1982 bis 2017 als Dozent für Theologie und als Kunsterzieher tätig war. „Sich treu zu bleiben und doch Neues zu schaffen“ – frei nach Kierkegaard und Richard Wagner – sei die eigentliche Herausforderung für den Künstler, führte Knubben aus und machte sich – mit Hinweisen auf Julio González, Richard Serra oder Eduardo Chillida in die Geschichte der modernen Plastik weit ausholend – an den Beweis, dass sich Jürgen Knubben mit seiner frühen Hinwendung zum Material Stahl eben auch treu geblieben sei.

„Archaischer Charakter“

Der nach seiner Meinung „archaische Charakter“ der Werke sei „normativ“ und „zeitlos“ und finde im Kontext von Architektur und Landschaft seine besondere Entfaltung. Die meist als „Säulen“ bezeichneten Stelen in dreieckigem oder rundem Querschnitt oder die stereometrischen Körper überwiegen hier in der Ausstellung und erinnerten den Laudator an einen „Säulenwald“ oder auch „Totempfähle“, während die Großskulptur einer auf ihre wesentlichen Erkennungsmerkmale schrittweise reduzierten Nofretetebüste („Tête à tête“) alle Zeichen einer „demokratisierten“ Stahlplastik trage. Zwei weitere Ausgaben davon sind übrigens in Berlin und demnächst in Kalifornien zu finden. Ebenfalls zum ersten Mal ausgestellt sind die neun aus vielen runden, auf eine Innenspindel gefädelten Stahlelementen bestehenden „Säulen“ von 2016.

Die Ausstellung ist bis zum

20. Oktober zu folgenden Zeiten geöffnet: donnerstags und freitags von 16 bis 19 Uhr sowie samstags von 11 bis 14 Uhr.

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