Bauvorhaben am Steilhang alarmiert Anwohner

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Ein Naturparadies, dessen reichhaltiger Baumbestand aber schon weitgehend abgeholzt worden ist, stellt das zur Bebauung vorgese
Ein Naturparadies, dessen reichhaltiger Baumbestand aber schon weitgehend abgeholzt worden ist, stellt das zur Bebauung vorgesehene Grundstück an der Weißenauer Halde dar. (Foto: Sibylle Emmrich)

Ein rund 6000 Quadratmeter großes Grundstück am Weingartshofer Buckel in Ravensburg soll demnächst bebaut werden. Nicht zuletzt weil der Steilhang im Ravensburger Süden als äußerst sensibel gilt, sind die Anwohner besorgt.

Noch ungut in Erinnerung ist, dass beim Neubau von Möbel-Rundel einst der Hang ins Rutschen kam und ein Haus letztlich abgebrochen werden musste. Erbost hat die Nachbarn zudem, dass der vorige Besitzer das Gelände schon vor einiger Zeit radikal abholzen ließ. In einer gut besuchten Bürgerinformation im Rathaus Oberhofen am Mittwoch, geleitet von Eschachs Ortsvorsteherin Simone Rürup und Bürgermeister Dirk Bastin, gab die Stadtverwaltung Auskunft.

Nachbarn schlagen Alarm

Einst residierte auf dem stattlichen Anwesen an Ravensburgs Sonnenhang der Direktor der Weißenauer Bleicherei, die Villa umgeben von einem im Lauf der Jahrzehnte zu einem Naturparadies gewordenen Park. Der nachmalige Besitzer hatte bereits vor etlichen Jahren Pläne für eine relativ massive Bebauung mit Terrassenhäusern. Als jetzt nach Abholzaktion und neuerlichem Besitzerwechsel durchsickerte, dass es mit einer Bebauung ernst werden soll, schlugen die Nachbarn Alarm. Die Stadtverwaltung reagierte prompt und lud zur Bürgerinformation – noch vor Abschluss des vorgesehenen Architektenwettbewerbs und vorhabenbezogenen Bebauungsplans.

Noch keine fertigen Pläne

Weil noch längst keine fertigen Pläne vorliegen, konnten Bastin und der Leiter des Stadtplanungsamtes Ravensburg, Michael Griebe, keine konkreten Angaben machen. Fakt ist: Das Siedlungswerk hat das Grundstück gekauft und plant eine Bebauung – „tendenziell hochpreisig“, wie es hieß. Wegen des bekannt heiklen Baugrunds – geologisch und ökologisch – und auch der problematischen Verkehrserschließung über die engen Sträßchen Weißenauer Halde und Weinbergweg hatte sich der Investor auf Bitten der Stadt zu einem städtebaulichen Wettbewerb bereiterklärt.

Damit und mit Baugrunduntersuchung und Beweissicherungsverfahren soll, so Bastin, eine gute architektonische Lösung gefunden und möglichen Schäden vorgebeugt werden. Zehn bis zwölf Einfamilien- oder Zweifamilienhäuser könnten letztlich an Stelle der zum Abbruch vorgesehenen Villa stehen, hieß es, Baubeginn könnte 2017 sein. „40 Wohneinheiten werden es sicher nicht sein“, erklärte Bastin. Einleitend hatte der Bürgermeister noch einmal ausführlich auf den großen Wohnungsbedarf in Ravensburg einerseits und den Vorrang ökologischen Bauens („innen vor außen“) hingewiesen. Doch rentieren müsse sich die Sache für das Siedlungswerk unterm Strich schon noch, ließen die anwesenden Geschäftsführer aus Stuttgart und Ravensburg wissen.

Schwierige Verkehrsverhältnisse

„Da muss der Investor aber eine gute Versicherung haben“, orakelte ein Anwohner. Sein Haus habe er mit zwölf Meter tiefen Gründungspfeilern im Moränenuntergrund verankern müssen. „Wenn man den Hang unten anschneidet, kommt er oben ins Rutschen“, ergänzte ein weiterer Nachbar und erinnerte an die entsprechenden Probleme mit der Möbel-Rundel-Baugrube vor rund 20 Jahren. „Eine verdichtete Bauweise geht gar nicht“, lautete das Fazit.

Viele Anwohner verwiesen auf die schwierigen Verkehrsverhältnisse. Im Sträßchen Weißenauer Halde kämen keine zwei Autos im Begegnungsverkehr aneinander vorbei, parkende Autos verstellten oft den Weg. Das habe man bislang bewusst in Kauf genommen, um keinen schnellen Durchgangsverkehr zu bekommen. Ein zusätzliches Verkehrsaufkommen sieht man mit Sorge, gerade auch im Hinblick auf spielende Kinder. Baustellenverkehr mit schweren Lastwagen sei kaum denkbar.

Grünzone soll berücksichtigt werden

Bastin versprach, alle diese Sorgen und Anregungen ins „transparente Verfahren“ aufzunehmen. Keinen Zweifel ließ er jedoch daran, dass die noch unter seiner Vorgängerin Stephanie Utz gepflegte Form der restriktiven Auflagen (Dachneigung und Kubatur) so nicht mehr gelte. Am Ende werde aber eine „nachbarschaftsverträgliche“ Bebauung stehen, bei der auch die geschützte Grünzone berücksichtigt werde. Deshalb seien ja auch Landschaftsarchitekten am Verfahren beteiligt.

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