Barbara Ehrmann schöpft aus dem Vollen

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  Mit „Echo im Fluss“ präsentiert die Ravensburger Künstlerin Barbara Ehrmann eine raumfüllende Installation in der Kundenhalle
Mit „Echo im Fluss“ präsentiert die Ravensburger Künstlerin Barbara Ehrmann eine raumfüllende Installation in der Kundenhalle der Kreissparkasse. (Foto: Caesar)
Babette Caesar

Große Besucherresonanz, viele Gespräche und intensive Blicke auf das Werk von Barbara Ehrmann haben ihre Ausstellungseröffnung am Montagabend in der Kreissparkasse Ravensburg zu einem Erlebnis gemacht. „Echo_im Fluss“ nennt sich die Schau, die einmal mehr die Ausstellungsfläche in der Kundenhalle in Form einen weiträumigen begehbaren Installation für sich in Anspruch nimmt. Diese Erkundungsgänge sind äußerst reizvoll.

Von oben hängen ihre sieben Bildfahnen an Drahtseilen frei herab und gliedern den Raum, doch ohne ihn wirklich zu dominieren oder gar zu verschließen. Über drei Meter in der Länge und knapp zwei Meter in der Breite messen die auf Japanpapier mittels Acryl, Tusche, Sprühlack, Wachs und teilweise Collage fixierten Motive, die „schwer-leicht“ titeln und die speziell für diese Ausstellung in Ehrmanns Ravensburger Atelier entstanden sind. Sie offerieren beidseitig unterschiedliche Bildwelten, was in dieser Konstellation beim Umschreiten stets Überraschung auslöst und für neue Inspirationen sorgt. Wechselseitig eingebunden sind die Bildfahnen in ausgewählte Werkgruppen der Jahre 2016 bis 2019 kleiner und mittlerer Formate. Mehrheitlich ihre charakteristischen Wachsarbeiten neben einer Serie Monotypien („eingetaucht“) und der Collage „Oma’s Botschaft“ von 2019, die auf die Anfänge zurückgreift – auf das Eintauchen in Schichten familiärer Vergangenheiten.

Prägnante und klar strukturierte Rede

1996 richtete ihr die Kreissparkasse eine erste Ausstellung mit dem Titel „2 Welten“ ein, erinnerte sich Vorstandsvorsitzender Heinz Pumpmeier. Es folgten 2002 „Unter der Haut“ und 2011 „Labiles Gleichgewicht“. 16 Kunstwerke hätten sie von der Kunstpreisträgerin der Städte Ravensburg und Weingarten (2018) bis dato angekauft. Andreas Gabelmann, Kurator und Kunstwissenschaftler aus Radolfzell, führte in einer prägnanten und klar strukturierten Rede in das Werk Ehrmanns ein.

Entstanden sei es in Erlebnisräumen jenseits der Wirklichkeit. Gemeint ist damit die Unterwasserwelt, in die sie regelmäßig abtaucht. Sei es im Bodensee, im Mittelmeer oder in weiter entfernt gelegenen exotischen Ländern. Apnoe-Tauchen oder Freitauchen nennt sich diese sportliche Disziplin, die ohne Geräte nur mit einem Atemzug auf Tauchstation geht. Hierbei kommt es zu Grenzerfahrungen und bisweilen auch Grenzüberschreitungen, die im künstlerischen Schaffen ihren Widerhall finden. Gesehenes und Gefühltes fließe in die Malerei, in Skulpturen und Videoprojekte ein.

Dabei stehe das Wachs für sinnliche Qualitäten, für den Balanceakt zwischen Erkennen und Erahnen, für eine mythisch-irreale Atmosphäre. Die aus Paraffinwachs gegossenen Blöcke umschließen in Serien wie „Deep Immersion“ transparente Farbzonen, die weit in der Tiefe zu liegen scheinen und aus sich selbst herausleuchten. Davor gesetzt sind wiederholt schattenrissartige Figuren in Gestalt von Tauchern, hantierend mit kugelförmigen Dingen. Mit Netzen und in Booten, die allesamt Ausdruck von nach unten gleitender Schwere sind.

Schweben in schwerelosen Räumen

Ehrmanns Bildzonen sind ein beständiges Auf und Ab, ein Schweben in schwerelosen Räumen. Von „Stimmbildern für Existentielles“ spricht sie mit Blick auf ihre Bildkosmen, so Gabelmann. Und die spielen sich nicht nur unter Wasser ab, sondern umgekehrt auch in Wüstenzonen. Dafür steht die Serie „Gozo-Dahab“, deren leuchtend orangefarbige Tongebung ihr Umfeld überstrahlt. Ehrmann gehe es um die Ergründung innerer Zustände, um die Wiedergabe des Nichtfassbaren, um „das Lauschen in die endlosen Weiten des Bildraums“.

Der Ausstellungstitel „Echo_im Fluss“ verkörpert genau dies – das langsame, reflektierte Eintauchen in Welten außerhalb des Gewohnten. Dazu lädt ihre begehbare Installation auf besondere Weise ein. Sie bietet Fülle, die einen nicht erschlägt. Statt dem Abschreiten von Bildern lässt sie Betrachterinnen und Betrachter zu Wandlern werden, die Schwingungsfelder von Schwerem und Leichtem, von Lautem und Leisem in sich aufnehmen können.

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