Bürger fordern neues Verkehrskonzept

Lesedauer: 3 Min

Die Ravensburger Stadtverwaltung redet nur und unternimmt nichts - so lautet die Kritik der Agendagruppe Oberstadt. Hintergrund
Die Ravensburger Stadtverwaltung redet nur und unternimmt nichts - so lautet die Kritik der Agendagruppe Oberstadt. Hintergrund: Bei Messungen in der Stadt wurden deutliche Überschreitungen der Schadstoffwerte festgestellt. (Foto: dpa)
stellv. Redaktionsleiter

Ein Gesamtkonzept der Stadt Ravensburg zur Verkehrsberuhigung, Luftreinhaltung und den Ausbau des öffentlichen Personenverkehrs fordert die Agendagruppe Oberstadt. Aus Sicht der Bürgergruppe wird über diese Themen in der Ravensburger Lokalpolitik nur geredet. Gehandelt aber werde nicht.

Eigentlich wollte die Oberstadtagenda am Mittwochabend im Gasthaus „Mohren“ mit Baubürgermeister Dirk Bastin über die laufenden Luftschadstoffmessungen in Ravensburg sprechen. Doch Bastin sagte krankheitsbedingt ab. Daher mussten sich die drei erschienen Stadträte Maria Weithmann, Johannes Kleb (beide Grüne) und Peter Wagner (CDU) anstelle des Bürgermeisters die Sorgen und den Ärger der Oberstadtbewohner anhören. Das funktionierte nicht immer ganz ohne Emotionen. Denn die Oberstadtagenda hat mitunter das Gefühl, gegen eine Wand zu laufen. „Die Ravensburger Politik ist: viel reden, nicht handeln“, sagte deren Sprecher Manfred Lenz sichtlich verärgert.

Die Oberstadtagenda sieht die Argumente auf ihrer Seite: Die seit 1. Januar laufenden Stickstoffdioxidmessungen zeigten an allen Stellen Überschreitungen der zulässigen Grenzwerte, Radfahrer klagen über gefährliche Situationen in der Burg- und in der Marktstraße, Innenstadtbewohner über lästigen Parksuchverkehr. Da die Autos nicht unerheblich zur Luftverschmutzung beitragen, fordert Manfred Lenz: „Ravensburg braucht endlich ein Gesamtverkehrskonzept.“

Für die Agendagruppe gibt es dafür vielerlei Ansätze. Sie plädiert nach wie vor für eine Einbahnregelung in der Burgstraße, die Ausweitung von Fußgängerzonen, das Verbot von Motorrädern in der Altstadt oder die Sperrung der Marktstraße übers Wochenende nach dem Ende des Marktes.

Kritik an der CDU

Warum niemand diesen Vorschlägen folgt? Nach Ansicht von Manfred Lenz liegt das an dem einflussreichen Verband der Gewerbetreibenden, dem Wirtschaftsforum Pro Ravensburg, und an der CDU. An der Union gab es daher immer wieder Kritik am Mittwochabend. Lenz: „Die machen eine Verkehrspolitik wie in den 70er-Jahren!“

Keine Widerrede seitens der rund 30 Besucher gab es auf den Satz von Stadträtin Maria Weithmann, wonach man in Ravensburg die Verkehrsmenge insgesamt reduzieren, und nicht nur einzelne Verkehrsarten oder Straßen in den Blick nehmen müsse. Aber wie? Stadtrat Peter Wagner hatte schon zu Beginn der Veranstaltung trocken-realistisch gesagt: „Autos wird es immer geben.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen