Bürger für Ravensburg wollen drittstärkste Kraft werden

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Günter Peitz

Die Bürger für Ravensburg (BfR), bisher mit vier Mandaten im Gemeinderat vertreten, hoffen bei der Kommunalwahl im Mai in der Wählergunst kräftig zuzulegen. Sie wollen drittstärkste Kraft im Stadtparlament werden. Und sie seien „guten Mutes“ dieses Ziel auch zu erreichen, versicherte Stadtrat Wilfried Krauss in der Nominierungsversammlung in der Gaststätte „Kiesgrube“ am Dienstag. Spitzenkandidat auf der BfR-Liste, die an dem Abend gutgeheißen wurde, ist Stadtrat Siegfried Scharpf.

Sein Ratskollege Wilfried Krauss. Seit 1984 im Rat und damit dienstältester Mandatsträger, rangiert auf Platz zwei, Stadtrat Berthold Traub, der auch wieder antritt, an dritter Stelle, an vierter ebenfalls ein Bewerber mit langer Gemeinderats-Erfahrung, Alt-Stadtrat Peter Schröder. Auf der Liste der Bürger für Ravensburg kandidieren auch sonst bekannte Persönlichkeiten mit den verschiedensten Berufen, so der Urologe und Chefarzt Dr. Wolfgang Kropp (Platz fünf), der Vorsitzende Richter am Landgericht Ravensburg Jürgen Hutterer (Platz sechs) und Geschäftsführer Albert Bauer vom Theater Ravensburg an siebter Stelle. Gestandene Frauen und Mütter fehlen ebenso wenig (komplette BfR-Liste siehe Kasten).

Bevor über die Liste abgestimmt wurde, hatte Stadtrat Krauss daran erinnert, dass es die Bürger für Ravensburg, die großen Wert auf die Feststellung legen keine Partei zu sein, nun schon seit zehn Jahren gibt. Anfangs belächelt, errangen sie zuerst drei Mandate, dann vier und verfehlten bei der dritten Gemeinderatswahl, bei der sie 2009 antraten, ein fünftes nur knapp. „Wir vertreten nicht einseitig die Interessen bestimmter Gruppen“, versicherte Krauss, wobei er offenkundig vorrangig die CDU im Visier hatte, „wir kümmern uns um die Belange der Bürgerinnen und Bürger, die von der Verwaltung und der Mehrheit im Gemeinderat alleine gelassen sind.“ Zentrales Anliegen der BfR ist nach seinen Worten, dass die Meinung der Bürger rechtzeitig gehört und in die Entscheidungen einbezogen werden, etwa bei der Gestaltung des Gespinstmarkts, wo die Bürgerschaft bereits in den Planungsprozess aktiv einzubeziehen sei. Traditionelles Verwaltungshandeln in Ravensburg, so kritisierte Krauss, sei immer noch geprägt von der Amtsverschwiegenheit. Notwendig sei aber ein Verzicht auf Macht und Herrschaftswissen im Sinne von mehr Transparenz. Es gelte, den Sachverstand der Bürgerschaft stärker in Entscheidungen einzubeziehen. Ausdrücklich lobte Krauss die Agenda-Gruppe Oberstadt, weil sie nun auch noch aktiv an eine Feinstaubmessung herangeht. Sie niederzumachen, weil sie zu wenige Mitglieder habe, dieses Vorgehen sei nicht hinnehmbar. Auch sprach sich Krauss dafür aus, die Lebenserfahrungen der wachsenden Gruppe älterer Menschen über 60 einzubinden. Im Übrigen plädierte er für eine „ideologische Abrüstung“ im Gemeinderat. Die ist seiner Meinung nach dringend notwendig. Und er betonte, die BfR betrachteten die Parteien im Rat nicht etwa als Feinde. Machen diese vernünftige Vorschläge, stimme man zu.

Spitzenkandidat Scharpf verschwieg nicht, dass er sein Gemeinderatsmandat auch als Bürde empfindet: „Man goht im Grunde net gern na.“ Die BfR seien im Stadtparlament oft das Zünglein an der Waage. Man sei frei von Ideologie und verfolge keine vorgefertigte Politik. Als Fraktionsvorsitzender sitze er nicht etwa mit „Abnickern“ in einem Boot. Im Übrigen nahm er den gesamten Gemeinderat gegen abwertende Kritik in Schutz: „Wir sind nicht so schlecht, wie oft dargestellt.“ Erneut formulierte er sein Unbehagen, was die starke Subventionierung der Kitas durch die Stadt betrifft. Kleine Kinder, so die Überzeugung des erfahrenen Vaters, haben mindestens drei Jahre lang ein Anrecht auf ihre Eltern und auch das gehöre gefördert. Den EK-Ausbau hält Scharpf für völlig überzogen. Er hätte es lieber gesehen, wenn die kleinen Krankenhäuser in ihrer Existenz gestärkt worden wären. „Wir von der BfR sind für kleingliedrige, einfache Lösungen und müssen auch für bessere Luft sorgen“, betonte er. Der gesamte Gemeinderat sollte nach seiner Überzeugung nicht nur einmal, sondern zweimal im Monat tagen, die Ausschüsse sollten abgeschafft werden, damit immer alle Mitglieder über alle Sachverhalte und Entscheidungen informiert sind.

Unter der Leitung von Berthold Traub wurde dann über die als Entwurf vorliegende BfR-Liste diskutiert und die Reihenfolge der Bewerberinnen und Bewerber lediglich in zwei Fällen, betreffend die Ortschaften Eschach und Taldorf, geändert, ehe die Liste per Abstimmung abgesegnet wurde.

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