Aus 33 Wohnungen werden 100

Lesedauer: 4 Min

Die Nachbarn fürchten, dass durch die neuen Wohnungen der Verkehr in der Meersburger Straße stark zunimmt.
Die Nachbarn fürchten, dass durch die neuen Wohnungen der Verkehr in der Meersburger Straße stark zunimmt. (Foto: Alexis Albrecht)

Etwa hundert neue Wohnungen plant der Bau- und Sparverein in der Ravensburger Weststadt. Dafür werden zwischen der Meersburger Straße und dem Absenreuterweg allerdings zunächst alte, unsanierte Mehrfamilienhäuser mit 33 Wohnungen abgerissen. Der Gemeinderat billigte den Vertrag zwischen Stadt und Bau- und Sparverein bei nur einer Enthaltung von Rolf Engler (CDU), obwohl es Widerstand in der Nachbarschaft gibt: Die Agendagruppe Weststadt fürchtet nicht nur die lange Bauzeit von sieben bis acht Jahren, sondern auch einen Wegfall öffentlicher Parkflächen und ein stark erhöhtes Verkehrsaufkommen.

In einem zweiseitigen Schreiben hatte Franz Ruile, Sprecher der Agendagruppe, alle Bedenken und Änderungsvorschläge der Bürger zusammengefasst. Es ging an alle Gemeinderäte und die Stadtverwaltung. Geantwortet hätten laut Wilfried Krauss, Fraktionschef der Bürger für Ravensburg, nur er selbst und August Schuler (CDU). „Wäre ich in der Agendagruppe Weststadt, wäre ich jetzt politikverdrossen“, meinte Krauss. Immer wieder würde die Stadtverwaltung betonen, die Bürger mitnehmen zu wollen, und bei einem so „massiven Eingriff in ein bestehendes Wohngebiet“ bekämen sie nicht einmal eine Antwort. Dafür entschuldigte sich Baubürgermeister Dirk Bastin. Das Antwortschreiben sei „irgendwo untergegangen“ und werde nachgereicht.

Für das eigentliche Bauvorhaben gab es allerdings nur Lob. „Wir begrüßen diese Maßnahme sehr“, meinte August Schuler (CDU). Die neuen Wohnungen lägen verkehrsgünstig direkt an der Bushaltestelle. Maria Weithmann (Grüne) betonte, dass Innenverdichtung grundsätzlich besser sei, als am Stadtrand weitere Grünflächen zu versiegeln. Sie freut sich, dass dort „Mietwohnungen im bezahlbaren Segment“ entstehen. Einziger Wermutstropfen: 29 Bäume müssten gefällt werden. Sie hofft, dass schnell wieder aufgeforstet wird.

Thomas Gihring (FDP) meinte begeistert: „Ich möchte für mehr solcher Projekte werben.“ Gisela Müller (SPD) sagte, mit dem Bauvorhaben werde ein alter Vorschlag des früheren SPD-Stadtrats Hans Georgii aufgegriffen. Die Bauzeit bis ins Jahr 2025 erscheint ihr jedoch zu lang. „Das ist eine unzulässige Zumutung für die Nachbarschaft. Geht das nicht in vier bis fünf Jahren?“

Leise Kritik kam lediglich von Rolf Engler (CDU). „Die Nachbarn haben Angst, dass die Verkehrssituation nicht mehr beherrschbar wird und fordern eine Verkehrssimulation. Ich habe aber den Eindruck, dass die Stadtverwaltung diese scheut wie der Teufel das Weihwasser.“ Angesichts des zweiten Bauabschnitts des Baugebiets Hofgut und einiger Neubaugebiete in Schmalegg und im Mittelösch werde an der Kreuzung immer mehr Verkehr aufeinandertreffen.

Baubürgermeister Bastin verwies auf den Verkehrsentwicklungsplan, der in der Mache sei. Erst nach den Erkenntnissen aus dem Plan mache eine Simulation Sinn. Er soll Mitte 2019 vom Gemeindeverband Mittleres Schussental verabschiedet werden.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen