„Auf Schwäbisch bin ich authentisch“

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Gibt am 4. Mai ein Konzert in Ravensburg: Patrick von Blume.
Gibt am 4. Mai ein Konzert in Ravensburg: Patrick von Blume. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Eine Staffel lang hat der einzelgängerische Privatdetektiv „Huck“ im ARD-Vorabendprogramm ermittelt. Auf Schwäbisch. Ende 2015 wurde „Huck“, gespielt von dem in Ravensburg aufgewachsenen Schauspieler Patrick von Blume, wieder abgesetzt. Weil „Huck“ sich auch als singender Pianist profilierte, ist von Blume derzeit mit den Songs zur Serie auf Abschiedstour. Das letzte Konzert steigt am 4. Mai in der Ravensburger Zehntscheuer. Ruth Auchter hat sich mit von Blume über das Programm, seine oberschwäbischen Wurzeln und zukünftige Projekte unterhalten.

Wie viel Patrick von Blume steckt in „Huck“?

Huck ist im Gegensatz zu mir ein alleinstehender Bohemien. Mein erster Gedanke zu der Figur war, dass sie in der Kneipe Tom Waits-Songs auf Schwäbisch schrammelt. Nicht für Publikum, einfach so für sich. Das korrespondierte mit meiner eigenen Neigung, Musik zu machen: In meiner Jugend spielte ich zwar in der einen oder anderen Band, habe nach dem Abi am Welfengymnasium eine Klavierbauerlehre gemacht, aber musikalisch habe ich mich nie so richtig ausagiert. Die Idee mit der Musik diente einem crossmedialen Ansatz für „Huck“ – die Grenze zwischen Fiktion und Realität sollte verschwimmen, indem die Leute „Huck“ ins Internet folgen und dort sein Leben außerhalb der Serie mit seinen Kneipenauftritten erleben. Das sollte sich günstig auf die traditionell schwache Quote auf diesem Sendeplatz auswirken.

Ging das Konzept auf?

Leider nur zum Teil. Die Umsetzung hat wegen struktureller und juristischer Probleme nur schemenhaft geklappt. Und die Quote reichte nicht.

Was verbirgt sich hinter Ihrem Musikprogramm „Mit Herz und Fauscht“?

Teilweise habe ich Texte von Tom Waits und anderen übersetzt, teilweise eigene Songs beigesteuert. „Mit Herz und Fauscht“ könnte man als „Hucks“ Motto bezeichnen. Er ist ein emotionaler Typ, der aus dem Bauch raus handelt und sich auch mal prügelt. Beim Konzert bestreite ich einen Teil alleine am Klavier, den Rest mit meiner Band, die Tuba, Gitarre und Schlagzeug im Gepäck hat.

„Huck“ schwäbelt – Ihnen hört man den Dialekt aber nicht an...

Ich bin zweisprachig aufgewachsen, mein Vater stammt aus Hamburg (lächelt). Für mich war die Dialekt-Serie trotzdem so etwas wie ein „Zurück zu den Wurzeln“-Erlebnis, auch eine Auseinandersetzung mit meiner alten Heimat. Obwohl es damals gute Gründe gab, Ravensburg zu verlassen, fehlen mir die Menschen, ihre Art und die Sprache. Darum freut es mich unglaublich, dass gerade Ravensburg nun die letzte Station unserer Tour ist. Der Dialekt hat beim Spielen sehr geholfen: Wenn ich Schwäbisch spreche, bin ich mit dem Herzen verbunden und fühle mich authentisch.

Sie leben seit vielen Jahren in Berlin – gibt es noch Kontakte nach Ravensburg? Und können Ihre Kinder Schwäbisch?

Ja sicher, meine Eltern leben in Ravensburg, mein Bruder mit Familie und viele Freunde von früher. Meine Kinder amüsieren sich über den Dialekt, er ist ihnen aber ziemlich fremd.

Wie geht es nach „Huck“, der nur acht Folgen lang über den Bildschirm flimmern durfte, für den Schauspieler von Blume weiter?

Ich bin Teil des Ensembles des Kinofilms „Hotel O“, der sich mit dem Umgang mit der Vernichtung in Auschwitz auseinandersetzt und im Sommer fertig wird. Zuletzt war ich im „Urbino-Krimi“ in der ARD mit dabei und demnächst bin ich in zwei Episoden einer neuen Reihe mit Jutta Speidel zu sehen. Weil ich 2015 aber neben meinen Dreharbeiten und der Promo für die Serie meine CD „Mit Herz und Fauscht“ produziert und das Konzertprogramm entwickelt habe, nehme ich mir nun Zeit für mich und meine Familie.

Da sind Sie ja ganz gut im Geschäft.

Naja, wie das Leben so spielt – das hat sich so entwickelt. Nach meiner Lehre in Göttingen hab ich alles hingeschmissen, Job, Wohnung, hab meine Sachen verkauft und in England und Irland Klaviere gebaut. Ende der 90er-Jahre kam ich nach Berlin, habe dort an einem Off-Theater eine neunmonatige Ausbildung gemacht und in der freien Theaterszene gespielt. Finanziert habe ich das über Klavierreparaturen und -stimmen. Es war ein kleines Wunder, dass ich nach recht kurzer Zeit von der Schauspielerei leben konnte.

Wie hat sich Ihr Leben dadurch verändert?

Die Tage sind komplett verschieden, und ich kann und muss meine Zelt selbst strukturieren. Das ist sehr herausfordernd, aber er entspricht mir und war immer mein Wunsch. Mit den Jahren hat sich auch die nötige Gelassenheit eingestellt, die ich in dieser unruhigen, manchmal hysterischen Branche brauche.

Gelassenheit inwiefern?

Man kann nie wissen, wofür etwas gut ist. Es hat wenig Sinn, Ereignisse in gut oder schlecht einzuteilen. Die tollsten Sachen können in der Katastrophe münden, und umgekehrt das tiefste Tal unheimliches Potenzial entfalten. Alles ist möglich. In dieser Hinsicht ist mein Beruf nah am Leben: Ich kann mich auf wenig verlassen, nur schauen, dass ich in mir möglichst glücklich und frei bin.

Patrick von Blume und seine Band spielen am Mittwoch, 4. Mai, 20 Uhr, in der Zehntscheuer. Karten gibt es im Vorverkauf und an der Abendkasse für 16 Euro, mit der SZ-Abocard kosten sie 14 Euro. Reservierungen sind unter tickets.schwaebische.de möglich.

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