Auf musikalischer Lauschstation

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Zum Auftakt des Ravensburger Kinderherbstes gab’s ein Lauschkonzert mit dem Stadtorchester.
Zum Auftakt des Ravensburger Kinderherbstes gab’s ein Lauschkonzert mit dem Stadtorchester. (Foto: Babette Caesar)
Schwäbische Zeitung
Babette Caesar

Das Lauschkonzert für Familien mit dem Stadtorchester Ravensburg hat am Samstagabend den Auftakt zum diesjährigen Ravensburger Kinderherbst gemacht. Im Nu füllte sich bei einsetzender Dämmerung der Boden im Schwörsaal mit Decken, Kissen, Isomatten und Schlafsäcken. Kinder ab vier Jahren und ihre Eltern machten es sich gemütlich und genossen Werke von Edvard Grieg, Serge Prokoffief und Engelbert Humperdinck.

Klassik einmal anders erleben. Nicht wie gewohnt, sondern ähnlich einem Picknick im Freien auf dem Boden sitzend oder liegend im abgedunkelten Raum. Nein, eingeschlafen ist niemand. Dafür war die Geschichte von „Peter und der Wolf“ mit Erzählerin Karin Nowak zu spannend und aufregend. Das Stadtorchester unter Leitung von Musikdirektor Harald Hepner startete mit Edvard Griegs „Morgenstimmung“ aus der Peer Gynt Suite Nr. 1, deren sanft berauschende Melodie von sonnigen Waldlandschaften auf einer Großleinwand begleitet wurde. Hierbei ließ sich gut den Klängen lauschen und auch etwas hineinträumen in eine andere, ferne Welt.

„Ja, liebe Kinder, jetzt seid ihr alle wach und aufgestanden“, lud Hepner sein junges Publikum zu Prokoffiefs mutigem Peter ein, der den Wolf Schachmatt setzt und so die Tiere rettet. Nur die Ente, die er zuvor mit Haut und Haaren verschlungen hat, quakt bis zum Schluss in seinem Bauch weiter.

Vor Einsetzen des gut halbstündigen Stücks haben die Musiker Prokoffiefs Akteure vorgestellt. Den Vogel, den die Flöte zwitschern ließ, die Oboe für das Watscheln der Ente, die schleichende Katze übernahm die Klarinette, den behäbigen Großvater das Fagott, den düsteren grauen Wolf drei Hörner, Pauken und Trommeln intonierten die donnernden Gewehrschüsse der Jäger. Mittendrin ließen Klarinetten und Saxofon den fröhlich gestimmten Peter das Gartentor öffnen und seine Reise beginnen. Karin Nowak übernahm den Erzählpart, so dass beides – Musik und Text – eine spannende Geschichte ergaben. „Habt ihr die Tiere alle erkannt?“, fragte Hepner nach Peters Triumph über den bösen Wolf. „Nicht genau“, kam als Antwort, doch das hinderte nicht am genussvollen Zuhören.

Nach so vielen instrumentalen Höhen und Tiefen spannte sich der musikalische Bogen hin zu Ruhigerem: zu Engelbert Humperdincks „Abendsegen“ aus der 1893 in Weimar uraufgeführten Oper „Hänsel und Gretel“. Sie brachte dem deutschen Komponisten Weltruhm ein. Bei der von Trompeten, Posaunen und Tuba getragenen Melodie ließ es sich gut die Augen schließen und träumen.

Ausgeklungen ist das Lauschkonzert mit viel Applaus und einem Besuch bei den Musikern, um einmal selbst in eine Trompete oder Posaune blasen zu können – und oft kam auch ein Ton heraus.

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