Auch nach 50 Jahren mischen die Eltern in der Grund- und Werkrealschule St. Konrad kräftig mit

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 Sebastian Deck, Christa Wachter und Markus Miller bilden heute das Leitungsteam der Grund- und Werkrealschule am Bildungszentru
Sebastian Deck, Christa Wachter und Markus Miller bilden heute das Leitungsteam der Grund- und Werkrealschule am Bildungszentrum St. Konrad. (Foto: Maria Anna Blöchinger)
Maria Anna Blöchinger

Am Beginn der Schule auf dem Burachhügel stehen Idealismus und Risikobereitschaft einer Reformschule. Noch heute verlangt die Schule von Lehrern und Eltern großes Engagement, um ihre Werte zu verwirklichen und Qualität zu bieten. Über die Entwicklung ihrer Freien Grund- und Werkrealschule (GWRS) sprechen Rektorin Christa Wachter und die Konrektoren Markus Miller und Sebastian Deck vom Schulleitungsteam.

„Die Schüler saßen anfangs an Biertischen“, erzählte Rektorin Christa Wachter. Als Lehrerin begleitet sie das Bildungszentrum schon seit dem Jahr 1985. Von einer „Baustelle mit Schulbetrieb“ sei damals gern die Rede gewesen, bemerkte Konrektor Markus Miller. Er ist seit 20 Jahren an der Freien Grund- und Werkrealschule. Beim Ehemaligentreffen vor Kurzem war er dem Sohn von Erwin Besenfelder begegnet, der unter den Gründereltern federführend wirkte. „Das Sankt-Konrad ist immer noch eine Elternschule“, betonte er. „Eltern werden mit dem Eintritt ihrer Kinder automatisch Mitglieder des Elternvereins. Sie werden eingespannt, können ihre Ideen aber auch in Gremien einbringen.“

Christa Wachter skizzierte den Bildungs- und Erziehungsplan, den Marchtaler Plan, der seit 1984 die pädagogischen Grundlinien Bildungszentrums vorgibt. Neben einem gemeinsamen Morgenkreis und der täglichen Freiarbeit ist das vernetzte Unterrichten bemerkenswert. Eine Themenstellung soll dabei mehrere Wochen lang aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet werden und ganzheitliches Lernen ermöglichen. Die Schule weist außerdem verschiedene Profile auf: ein musisch-ästhetisches, ein handwerklich-praktisches, ein pastorales und ein sportliches. Wobei die Werkrealschule besonders von ihrer handwerklich-praktischen Ausrichtung lebt. Sie ist mit Firmen als Bildungspartnern vernetzt und bietet den Schülern so eine durch das Boris-Siegel ausgezeichnete Berufsvorbereitung. „Schule steht nicht still!“ schreibt Franz Ehrat, Vorsitzender des Katholischen Schulwerks Ravensburg/Weingarten in der Festschrift zum 50jährigen Jubiläum.

Die Katholische Freie Grund-, und Werkrealschule ist heute eine von fünf eigenständigen Einrichtungen am Bildungszentrum St. Konrad, neben dem Kindergarten, dem Tagesheim, der Katholischen Freien Realschule und dem Katholischen Freien Gymnasium „Die Grund-, und Werkrealschule ist mit über 850 Schülerinnen und Schülern die größte Einrichtung unseres Bildungszentrums“, schreibt der Leiter des Bildungszentrums, Gerd Hruza.

„Die Profile haben sich im Lauf der Jahrzehnte entwickelt und geschärft“, erläuterte Markus Miller. „Anfangs gab es einen Chor. Heute gibt es außerdem ein Bläser- und ein Streicherprojekt. Die Kinder bekommen für ein geringes Entgelt Instrumente gestellt, werden von Lehrern der Musikschule unterrichtet und spielen im Orchester.“ Immer wieder werde der Bildungsplan revidiert, versichern die Pädagogen. Christa Wachter hob hervor, dass die GWRS unter anderem eine Schulfirma hat und eine Fairtrade-School ist, deren Schüler sich um den Verkauf fair gehandelter Produkte kümmern. Schülern wird zugetraut, dass sie aus eigenem Antrieb ihre Begabungen und Fähigkeiten einbringen. Freiheit, Verantwortung und gegenseitige Achtung sollen das Lernen prägen. Die Schule erwartet aber auch Leistungsbereitschaft und Mitwirken am sozialen Leben.

Konrektor Miller erinnerte sich: „Bei Schulfesten ist es immer wieder spannend von den Anfängen zu hören, aber auch davon, wie Schüler der zweiten Generation von ihren Klassenlehrern schwärmten und in Erinnerungen schwelgten“. Denn das Klassenlehrerprinzip am Bildungszentrum St. Konrad mache eine persönliche Begleitung über Jahre hinweg möglich, betont Miller. Bis zu 20 Stunden in der Woche unterrichten die Lehrer in ihrer Klasse. Ob sozial, gesellschaftlich oder persönlich – Beziehungsebene und Netzwerkstruktur haben am Bildungszentrum St. Konrad großes Gewicht. Die enge Zusammenarbeit ermögliche Kreativität und Sicherheit im Unterrichten, sei aber auch mit viel Arbeit und Verantwortung verbunden, wissen die leitenden Pädagogen.

Sebastian Deck, dem jüngsten im Leitungsteam, ist aufgefallen: „Die Fluktuation innerhalb des Kollegiums an der Schule ist sehr gering.“ Dass alle sich wohlfühlen – das liegt Rektorin Wachter offenbar sehr am Herzen.

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