Andreas Schockenhoff setzt sich am Ende durch

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Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

Dr. Andreas Schockenhoff hat den innerparteilichen Wahlkampf in der Ravensburger CDU gewonnen. Auf der Wahlkreisversammlung am Samstag in der Oberschwabenhalle setzte er sich im dritten Wahlgang mit 58 Prozent der Stimmen gegen seinen Hauptkonkurrenten, den Niederwangener Gastwirt Hans-Jörg Leonhardt (42 Prozent), durch.

Der 55-Jährige ist folglich Direktkandidat für den Wahlkreis 294 (Ravensburg) im Bundestagswahlkampf 2013. Die Nominierung gilt als sicheres Ticket in den Bundestag, da die CDU den Wahlkreis bislang jedes Mal gewonnen hat.

Im ersten Wahlgang war das Ergebnis noch keinesfalls vorhersehbar. Zwar führte Amtsinhaber Schockenhoff mit 27,8 Prozent der Stimmen vor Leonhardt (23,3 Prozent), aber auch die weiteren Kandidaten lagen relativ dicht beisammen, darunter der Ravensburger Publizist und frühere Bundestagsabgeordnete der Grünen, Oswald Metzger (17,6 Prozent), der Bodnegger Controller in Altersteilzeit Eugen Abler (17,3 Prozent), und der Weingartener Richter Axel Müller (13,7 Prozent). Nur Spaßkandidat Alexander Miele hatte mit 0,4 Prozent keinerlei Chance. Manche wunderte, dass er überhaupt auf vier Stimmen kam.

Da alle Kandidaten im zweiten Wahlgang noch einmal antraten, verschoben sich die Platzierungen nicht, allerdings vereinigten Schockenhoff, Leonhardt und Metzger zum Teil deutlich mehr Stimmen auf sich als zuvor: Schockenhoff ging mit 39,6 Prozent in Führung, gefolgt von Leonhardt (26,4 Prozent), Metzger (18,2 Prozent), Abler (8,9 Prozent) und Müller (6,8 Prozent). Miele bekam eine einzige Stimme.

Schockenhoff hielt die beste Rede

Als im dritten Wahlgang nur noch die zwei Erstplatzierten zugelassen waren, folgte dann die klare Entscheidung für Schockenhoff. Dieser hatte in der Vorstellungsrunde vor den Wahlgängen auch nach Überzeugung vieler Wahlbeobachter die beste Rede gehalten. Offensiv leitete er sie mit seiner Alkoholkrankheit ein, die er genau ein Jahr zuvor öffentlich gestanden hatte. „Es war ein schweres Jahr für mich und meine Familie“, bekannte Schockenhoff, der auf Konfrontationskurs zu jenen ging, die ihm seiner Ansicht nach schaden wollen: „Es gab Gerüchte und Getuschel hinter meinem Rücken, auch innerhalb der Partei. Ich werde gegen solche Verleumdungen vorgehen“, so der Amtsinhaber auch auf entsprechende Fragen aus dem Publikum, ob er geheilt sei: „Ich habe nie gesagt, dass ich geheilt bin. Ich habe eine Krankheit, die mich begleitet, aber ich habe einen klaren Schnitt gemacht, und mir geht es sehr gut damit.

Inhaltlich bekannte sich Schockenhoff zu den christlichen Grundwerten und zur sozialen Marktwirtschaft, verwies auf „enge persönliche und belastbare Beziehungen“ zu Regierungsspitzen in Deutschland, Europa und der Welt. Diese habe er zum Vorteil des Wahlkreises genutzt. Der 55-Jährige betonte, er könne für das Allgäu und Oberschwaben „mehr erreichen als meine Mitbewerber“. Spitzen gegen diese gab es auch: Es sei nicht genug, der „nette Kumpel vom Stammtisch“ zu sein. In Talkshows und mit Kampagnen überzeuge man Wähler nicht für die Werte und Überzeugungen der CDU.

Metzger legte den Schwerpunkt auf Finanz-und Wirtschaftspolitik

Dagegen fiel Hans-Jörg Leonhardt, der als zweiter Redner ausgelost worden war, rhetorisch deutlich ab. Er sah sich selbst als „kleinen, aber feinen Abgeordneten, der als Fokus den Wahlkreis hat“, - wohl eine Anspielung auf Schockenhoffs außenpolitische Kompetenz. Sprüche wie „Alle nennen mich Leo, also Löwe, und Löwen können kämpfen“ erzielten kaum Lacher, und sein Bekenntnis, sich im nächsten Jahr in all die relevanten Politikfelder einzuarbeiten, in denen er sich jetzt noch nicht auskenne, sorgten bei manchen für Kopfschütteln.

Oswald Metzger legte seinen Schwerpunkt auf Finanz-, Wirtschaftspolitik und die Rettung des Euros. Ein Thema, in dem er sich auskennt wie kein zweiter, mit dem man aber nicht unbedingt die Herzen der Wähler erreicht. Sein Kommentar nach der verlorenen Wahl: „Ich bin enttäuscht und hätte gedacht, dass ich zumindest in die Stichwahl komme. Viele Wähler sind relativ unpolitisch in ihrer Entscheidung.“

Metzger wirkte nach der Wahl aber deutlich entspannter als Axel Müller, der nach Überzeugung vieler eine gute Figur im Vorwahlkampf gemacht hatte und in seiner Rede auch gut rüberkam. Aber es reichte nur für Platz fünf, Müller lag in den ersten beiden Wahlgängen noch hinter Eugen Abler, und er wartete den dritten gar nicht mehr ab. „Einsatz zahlt sich nicht aus, ich bin im Lagerwahlkampf zerrieben worden“, kommentierte er den Ausgang verbittert.

Wahlsieger Schockenhoff „erleichtert und dankbar“

Eugen Abler gelang es bei seiner zweiten Gegenkandidatur zu Schockenhoff nicht, das gute Ergebnis von vor vier Jahren auch nur ansatzweise zu wiederholen. Damals hatte er als einziger Konkurrent fast 42 Prozent der Stimmen geholt, diesmal reichte es für den erzkonservativen Bodnegger nur für 8,9 Prozent im zweiten Wahlgang. Abtreibungsgegner Abler hatte sich stark auf das Thema Lebensschutz und Familie konzentriert.

Alexander Miele schließlich gab seine üblichen Reime zum Besten - die meisten Zuhörer nutzten die Zeit seiner Rede, um sich draußen etwas zu trinken und zu essen zu holen. Die erregte Aufforderung einer Ravensburger Christdemokratin, man möge ihn doch bitte ausbuhen, kommentierte er mit den Worten: „Die einen kennen mich, die anderen können mich.“

Wahlsieger Schockenhoff war „erleichtert und dankbar“. Den Mitgliedern sagte er: „Ich weiß, dass ich Fehler gemacht habe. Sie geben mir eine weitere Chance, das ist mir eine ganz besondere Verpflichtung.“

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