André Zwirnmann: Sein größter Feind ist er selbst

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André Zwirnmann, hier mit dem Champ-Boxing-Inhaber Jürgen Hauser, will bei den Baden-Württembergischen Meisterschaften gewinnen
(Foto: Jochen Dedeleit)

Die Vorschusslorbeeren kennt der 24-Jährige zur Genüge. Auch vor den Baden-Württembergischen Elite-Meisterschaften der Frauen und Männer, an denen vom 5. bis 7. September über 100 Boxer teilnehmen, ist das nicht anders. André Zwirnmann kann am 7. September in der Ravensburger Kuppelnauhalle im Finale stehen. Er kann dieses sogar gewinnen. Aber er kann dann auch schon lange ausgeschieden sein. Der Ravensburger weiß das, macht sich darüber so seine Gedanken – und sollte wohl eben dies nicht tun.

„Es ist schwer für mich, das Gewicht zu halten. Drei Kilo müssen immer runter“, sagt Zwirnmann in den Räumen der Sportakademie von Jürgen Hauser. Für die knapp ein Dutzend Boxer, die von Champ Boxing Ravensburg an der Heim-Landesmeisterschaft teilnehmen, ist diese in den vergangenen Wochen zur zweiten Heimat geworden. Giovanni Saravo, Cheftrainer des Wettkampfbereichs im Champ sowie Verbandstrainer des Boxverbands Baden-Württembergs, kennt da kein Erbarmen, immer wieder brüllt der Häfler seine Schützlinge nach vorne. Es hätten mehr sein können, vor rund acht Wochen war von 16 Startern die Rede, doch bei dem einen oder anderen sieht Saravo keinen Sinn. Hinzu kommt, dass Yasin Basar zu den Profiboxern gewechselt ist.

Zwirnmann liebäugelt mit einem Aufstieg ins Mittelgewicht, da müsste der Ravensburger kein Gewicht mehr machen, allerdings einige Schichten an Krafttraining einlegen. Für diese Meisterschaften ist dies freilich kein Thema mehr, der gebürtige Weingartener hat auch so genug offene Baustellen. Wobei: „André beherrscht nahezu alle Schläge, er ist ein technisch guter Boxer und macht im taktischen Bereich nahezu alles richtig“, sagt Saravo. „Sein größter Feind ist er selbst.“

Ständig große Aufregung

Der 1,83 Meter große Weltergewichtler erinnert sich: „Ich war schon 16, als ich das erste Mal mit dem Boxsport in Berührung gekommen bin. Erst habe ich mich nicht getraut, bei einem Boxklub anzurufen“, sagt einer, der zu diesem Zeitpunkt bereits den rot-schwarzen Gürtel im Taekwondo hatte. „Ich war auf eine richtige Herausforderung aus, musste mich aber in meinem ersten Kampf in Friedrichshafen geschlagen geben. Aber es war schon so, wie ich mir das alles vorgestellt hatte. Was trainiert wurde, habe ich versucht umzusetzen“ – es blieb beim Versuch. Denn die Aufregung war zu groß. Und diese Aufregung ist bis heute geblieben, mal mehr, mal weniger. „Es ist wie eine Krankheit, ich stehe mir zu oft selbst im Weg“, weiß Zwirnmann, der nach 14 Kämpfen eine ausgeglichene Bilanz aufweist und deshalb in der B-Klasse (sieben bis 14 Siege) starten wird.

Der Ravensburger hofft auf die Routine, um diese „Krankheit“ unter Kontrolle zu bekommen. Atemübungen sind mittlerweile Standard, ein Mentalbetreuer sei noch zu zeitaufwendig, „wenn ich aber dabeibleiben möchte, ist dies sicherlich auch mal eine Option“. Nach seinem Gegner erkundigt er sich schon lange nicht mehr, „da würde ich mir nur unnötig einen Kopf machen. Gio sagt auch nichts, und das ist gut so.“ Saravo verrät, dass er bei seinem Weltergewichtler schon mal deutlicher in den Pausen zwischen den einzelnen Runden wird, „er muss noch die richtige Aggressivität lernen“. Der gelernte Bauflaschner will sich vor seinen Kämpfen nun mit der entsprechenden Musik anfreunden, „richtig zufrieden“ sei er bis dato noch nie gewesen, wenn er aus dem Ring kletterte, „weil ich höchstens 70 Prozent meiner Leistung abrufe“.

Allerdings gab ihm sein Auftritt in Kroatien, wo Champ Boxing zuletzt eines seiner Trainingscamps abgehalten hat, Auftrieb. Drei Runden hielt Zwirnmann einem Vize-Weltmeister stand, und auch einem Erlebnis in Frankreich gewinnt der 24-Jährige Positives ab: „Ich wurde in der zweiten Runde niedergeschlagen und habe verloren. Aber ich habe mich nicht hängen lassen und habe meinem Vorbild nachgeeifert.“ Der Mexikaner Erik Morales war für seine Ringschlachten bekannt und ist mehrmaliger Weltmeister der verschiedenen Verbände. André Zwirnmann sagt, er gehe in der Kuppelnauhalle in den Ring, um zu gewinnen. „Klar bist du alleine im Ring, aber unser Team hier steht hinter jedem Einzelnen.“

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