Amok: Stadt bessert bei Alarmanlagen nach

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Im November 2014 waren beim Amokalarm am Spohngymnasium, der sich letztlich als Fehlalarm entpuppte, rund 200 Polizeibeamte im
Im November 2014 waren beim Amokalarm am Spohngymnasium, der sich letztlich als Fehlalarm entpuppte, rund 200 Polizeibeamte im Einsatz. (Foto: Archiv: Moritz Schildgen)

Der Amokalarm am Montag im KBZO Weingarten war nicht der erste in der Region – auch in Ravensburg hatte es Ende 2014 am Spohngymnasium und in er Kuppelnauschule entsprechende Vorfälle gegeben. Beide hatten sich als Fehlalarm entpuppt. Seitdem ist eine Menge passiert, um weitere Amok-Fehlalarmierungen möglichst zu verhindern.

Stadtverwaltung, Polizei, Rektoren, Elternvertreter, Feuerwehr, DRK und Mitarbeiter der psychologischen Beratungsstellen haben bis Januar 2018 immer wieder an einem Runden Tisch diskutiert, wie man das Thema besser anpacken kann. Problem war unter anderem, dass Putzfrauen oder Techniker versehentlich einen Alarm ausgelöst hatten. Lediglich am Spohngymnasiums-Fehlalarm war ein technischer Defekt schuld. Inzwischen wurden sämtliche Auslösestellen an den Ravensburger Schulen, bei denen die Stadt als Schulträger fungiert, überprüft. Sie alle sind nun mit Amok-Alarmanlagen ausgestattet, die mit der Polizei vor Ort abgestimmt wurden.

Jährliche Krisenpläne sind Pflicht

Die Aufarbeitung der Fehlalarme führte zu weiteren Verbesserungen: Die Schulen sind verpflichtet, jährlich Krisenpläne zu erstellen, die sie dann ans städtische Amt für Schule, Jugend und Sport, die Polizei und die Feuerwehr weiterleiten müssen. Außerdem wurden die Auslösestellen laut dem städtischen Pressesprecher Alfred Oswald reduziert – jetzt gibt es an jeder Schule nur noch im Rektorat oder Sekretariat, im Lehrer- und Hausmeisterzimmer sowie in jeder Etage eine weitere Auslösestelle im öffentlichen Bereich. Einen Schlüssel dafür haben alle, die an der Schule arbeiten – nicht nur die Lehrer, wie zwischenzeitlich diskutiert wurde. Damit die Alarmanlagen nicht so schnell anschlagen, sind sie jetzt mit Plexiglas-Schutzhauben abgedeckt.

Weniger Durchsagen für weniger Stress

Da insbesondere der monotone, schrille Dauer-Alarmton vielen Lehrern und Schülern zugesetzt hatte, plädierte der ehemalige Ravensburger Polizeichef Uwe Stürmer seinerzeit für live gesprochene Durchsagen des Rektors. Auch darauf wurde reagiert: Oswald zufolge läuft die digitale Sprachdurchsage nun an den Schulen nicht mehr durch, sondern ist auf eine dreimalige Ansage beschränkt. „Dadurch soll der Stressfaktor für die Schüler reduziert werden“, sagt der Pressesprecher. Und fügt hinzu, eine Nachalarmierung sei jederzeit möglich.

Stürmer hatte eine permanent aktualisierte Sprachdurchsage empfohlen – um Lehrer und Schüler auf dem Laufenden darüber zu halten, was gerade passiert. Sie sind nämlich angehalten, sich bei einem Amokalarm sofort im Klassenzimmer einzuschließen und die Tür zu verbarrikadieren. Stürmer wies zudem darauf hin, dass ein Amok-Attentäter nicht unbedingt laut um sich schießend durchs Haus rennen muss – er könne ebenso mit einem Messer oder einem Benzinkanister „bewaffnet“ durchs Gebäude schleichen.

Fertig mit dem letzten Bauabschnitt

Sämtliche Alarmanlagen wurden nach den Fehlalarmen vor dreieinhalb Jahren auf ihre technische Funktionstüchtigkeit hin abgeklopft – muss doch sichergestellt sein, dass die Durchsage auf dem gesamten Schulgelände zu hören ist. Mittlerweile sind die weiterführenden Schulen der Stadt mit einer digitalen Sprachalarmierung ausgestattet. Am Spohngymnasium wird die Alarmanlage im Zuge der Generalsanierung auf den aktuellsten Stand gebracht, fertig werde sie mit dem letzten Bauabschnitt sein, stellt Oswald in Aussicht.

Er versichert aber: „Zwischenlösungen stellen sicher, dass eine Alarmierung auch zum jetzigen Zeitpunkt flächendeckend möglich ist.“ Im Ostflügel von AEG und Spohn greife bereits jetzt „die Vollausstattung der neuen Technik“.

Sich sofort einschließen

Türspionen hatte ASJ-Leiter Karlheinz Beck schon früh eine Absage erteilt: Das sei viel zu gefährlich, weil die Schüler sich dann womöglich an der Türe drängelten. Auch Toilettengänge sind während eines Amokalarms tabu: Die Polizeibeamten müssen das gesamte Gebäude durchkämmen – und könnten jemanden, der über den Flur huscht, für den Amokläufer halten.

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