Amir Nurullin wartet auf sein Visum

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 Amir Nurullin (Mitte), hier im Spiel gegen die Fupa-Auswahl (hinten Jakob Schuschkewitz, rechts David Brielmayer) hofft auf ein
Amir Nurullin (Mitte), hier im Spiel gegen die Fupa-Auswahl (hinten Jakob Schuschkewitz, rechts David Brielmayer) hofft auf eine schnelle Rückkehr zum FV Ravensburg. (Foto: Rolf Schultes)
Varvara Podrugina

Der neue Fußballer des FV Ravensburg, Amir Nurullin, muss wegen Visumsproblemen zurück nach Russland. Erst im Juni kam der 18-jährige Rechtsverteidiger aus Kasan zum FV. Trainer Steffen Wohlfarth lobte früh den starken rechten Fuß von Nurullin. In den ersten Saisonspielen zeigte der Russe auch eine gute Leistung. Doch jetzt wartet Nurullin in Kasan darauf, ob sein Antrag für ein Sportlervisum genehmigt wird.

Amir Nurullins Mutter zog vor eineinhalb Jahren nach Deutschland. Ihr Mann arbeitet bei einer Firma in Biberach, die Kontakte zum Aufsichtsrat des FV Ravensburg hat. Über diese Kontakte sei es zum Gespräch zwischen Nurullin und dem Ravensburger Verein gekommen, erklärt der FV-Manager Fabian Hummel: „Er wurde uns vorgestellt und zeigte sich beim Spiel sehr überzeugend.“ Auch Trainer Wohlfarth fand Gefallen am jungen Verteidiger: „Sein rechter Fuß ist eine Waffe“, lobte Wohlfarth.

Genehmigung des DFB fehlt

Der Umzug seiner Mutter sei für ihn eine Chance gewesen, die fast jeder russische Fußballer nutzen würde, sagt Nurullin im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“. In Deutschland sieht er mehr Möglichkeiten, sich sportlich zu entwickeln und neue Erfahrungen zu sammeln. „Wenn man einmal hierher kommt und sieht, wie man hier trainiert und überhaupt lebt, würde man nicht zurück nach Russland wollen“, sagt er. Ein deutscher Oberligaverein wie der FV Ravensburg sei stärker als ein russischer Verein in der zweiten Liga: Das Niveau des Trainings, die Atmosphäre im Team – alles sei anders als in Russland, meint Amir Nurullin.

Mit der Integration habe der Fußballer überhaupt kein Problem: „Schüchtern bin ich nicht. Ich verstehe mich gut mit anderen Spielern des Vereins und habe sogar schon Deutsch gelernt.“ In Bartosz Broniszewski und Thomas Zimmermann hatte Nurullin zwei Teamkollegen, die ein wenig Russisch sprechen und etwas beim Übersetzen helfen konnten. Doch dann musste sich Nurullin von seinem neuen Team verabschieden. Als Fußballer ohne festen Arbeitsvertrag hatte Nurullin, der beim FV einen Amateurvertrag unterschrieben hat, ein Touristenvisum. Daher musste er nach drei Monaten seinen Aufenthalt in Deutschland beenden. Erst nach einem Monat, Mitte September, dürfte er mit einem Touristenvisum erneut zurück. Will er weiter beim FV spielen, wäre es aber unmöglich, Deutschland alle drei Monate für einen Monat zu verlassen. Nurullin beantragte deshalb ein Sportlervisum. Bevor sein Touristenvisum ablief, hatte er schon alle nötigen Unterlagen gesammelt. Aber es fehlte ihm die Genehmigung des Deutschen Fußball-Bunds. Die wird nur den Spielern der ersten und zweiten Liga eingeräumt. In Russland schaltete Nurullin einen Anwalt ein, damit dieser die Situation so schnell wie möglich löst.

Auch der FV Ravensburg versuchte in den vergangenen acht Wochen, Amir Nurullin zu helfen. Laut Manager Hummel habe die FV-Leitung ihre Kontakte zur deutschen Botschaft, zum Konsulat und zum DFB genutzt. Es sei ihnen sogar gelungen, eine Spielberechtigung vom Württembergischen Fußballverband zu bekommen. Auf Landesebene sei also das Problem gelöst. „Aber die Zeit war zu knapp, was schade war. Wir hätten Amir gerne sofort dabehalten“, sagt Hummel.

Für Nurullin ist die Unterstützung des FV besonders wichtig. Er sei nervös gewesen, dass das Team nicht auf ihn warten würde und ihn nicht wieder aufnehmen würde. Doch der FV sei bereit, ihn wieder begrüßen zu dürfen, sagt der Manager: „Wir brauchen ihn sehr für unser Team.“ Die Trainer gaben Amir Nurullin einen Übungsplan mit, dem er in Russland folgen soll. Denn nach seiner Rückkehr nach Deutschland will ihn der FV möglichst schnell wieder einsetzen.

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