Als die Messe das Fenster zur Welt war

Lesedauer: 3 Min

 Kind auf Traktor auf der Oberschwabeneschau anno 1968
Kind auf Traktor auf der Oberschwabeneschau anno 1968 (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

50 Jahre Treue: So eine Bilanz können nur noch wenige Ehen aufweisen. Die Beziehung der Ravensburgerin Ingrid Pichler zur Oberschwabenschau ist ausgesprochen stabil, teilt der Veranstalter mit.

1968 war Ingrid Pichler vier Jahre alt. Ihr Vater fotografierte sie auf der Oberschwabenschau, wie sie fidel auf einem Traktor saß – fein gemacht im Hängerkleid, mit weißen Söckchen in Sandalen. Sie ist mit der Oberschwabenschau aufgewachsen. Die Messe sei für die Kinder der 1960er-Jahre etwas ganz Besonderes gewesen. Da habe man sich wochenlang drauf gefreut, auf die Gutsle oder die Zuckerwatte, die man vielleicht bekam, erzählt Pichler.

Am Schluss im Zelt eingekehrt

Die Tiere und die Traktoren waren ihr als Kind am liebsten. Die Mutter liebte Suppen und steuerte stets einen ganz bestimmten Suppen-Stand an, um zu probieren und einzukaufen. Jenen Stand gibt es heute noch. „Ich denke an der Stelle immer an meine Mutter.“ Noch ein Ritual von damals: „Am Schluss sind wir immer eingekehrt im Zelt. Wir haben eine Bluna bekommen und Mittagessen.“

Als sie lesen konnte, entwickelte sie sich zur Jägerin: „Ich habe alle Prospekte mitgenommen, die ich kriegen konnte. Und dann saß ich daheim tagelang da und habe alles durchgelesen, Seite für Seite. Vor allem die Urlaubsziele haben mir gefallen, die Berge.“ Gehamstert habe sie damals auch Aufkleber, die dann Bett und Schränke zierten. Zugspitze und Silvretta Nova, „tolle Sachen, da kam man ja nicht hin“. Für Kinder damals sei die Oberschwabenschau ein Fenster zur Welt gewesen.

Aussteller winken ihr zu

Für die Ravensburger Weststädterin ist die Messe bis heute ein fester Termin im Kalender. Ihr Messetag ist der Eröffnungs-Samstag. Dann spaziert sie mit einer Freundin durch, nie allein, „man muss sich ja besprechen, was man sieht, guckamol da, und hinterher noch einen Berliner essen oder bei den Landfrauen sitzen“. Viele Bekannte trifft sie, auch die Aussteller winken. Ihre Eintrittskarten besorgt sie immer schon Wochen im Voraus.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen