Als die Globalisierung auf der Alb ankam

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 Patriarch Paul Bogenschütz wehrt sich gegen die Übernahe durch chinesische Investoren.
Patriarch Paul Bogenschütz wehrt sich gegen die Übernahe durch chinesische Investoren. (Foto: Stadt Ravensburg)
Schwäbische Zeitung

Das Theater Lindenhof kommt mit dem Filmstoff von Hannes Stöhr am Freitag, 17. Januar, 20 Uhr auf die Konzerthausbühne nach Ravensburg. Vor dem Hintergrund eines tragikomischen Familien- und Generationenporträts beleuchtet das Stück „Global Player – Wo mir sind isch vorne“ den Strukturwandel in der Textilindustrie auf der Schwäbischen Alb und die Herausforderungen von mittelständischen Unternehmen in der Globalisierung, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Ravensburg.

China steht in der Tür

Das schwäbische Traditionsunternehmen „Bogenschütz & Söhne“ ist in die Turbulenzen der Globalisierung geraten, es droht die Insolvenz. Sohn Michael, Geschäftsführer in vierter Generation, versucht alle Möglichkeiten auszuloten und führt Verhandlungen mit einer chinesischen Firma. Doch Seniorchef Paul Bogenschütz pocht darauf, seine Aufbauarbeit nach dem Krieg fortzuführen, und bietet, als Sicherheit für neue Firmenkredite, die Privatvermögen der Angehörigen an. An seinem 95. Geburtstag trifft sich die ganze Familie in der Unternehmervilla, doch im Hause Bogenschütz liegen die Nerven blank, eine Delegation der Firma Chong hat sich angekündigt.

Tragikomisches Paradebeispiel

Hannes Stöhr, der Berliner Kinoregisseur (“Berlin Calling“, „One Day in Europe“, „Berlin is in Germany“) mit Hechinger Wurzeln adaptiert seinen erfolgreichen Kinofilm „Global Player – Wo wir sind isch vorne“ für die Theaterbühne und akzentuiert den Stoff neu. Wer zu jung war, um zu erleben, wie im Bereich der Zollernalb eine ganze Branche und über 100 000 Arbeitsplätze innerhalb weniger Jahre verdampften, der bekommt diese Epoche als tragikomisches Paradebeispiel vor Augen geführt. Verwoben mit der Geschichte sind auch die Kriegstraumata des Seniorchefs Paul Bogenschütz, sodass insgesamt ein großes Zeitbild entsteht: vom Wiederaufbau zum Strukturwandel der 80er bis heute.

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