Alfred Bosch vom DRK-Kreisverband Ravensburg (Bildmitte, mit Urkunde) in Stuttgart bei der Ehrung von 20 Frauen und Männern, di
Alfred Bosch vom DRK-Kreisverband Ravensburg (Bildmitte, mit Urkunde) in Stuttgart bei der Ehrung von 20 Frauen und Männern, die sich um den Bevölkerungsschutz verdient gemacht haben, im Innenministerium durch Staatssekretär Wilfried Klenk (links neben Bosch). Dabei waren auch der Ravensburger Landtagsabgeordnete August Schuler (ganz links) und DRK-Kreisvorsitzender Dieter Meschenmoser (rechts) sowie Renate Kottke, Landesdirektorin der Bereitschaften des DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg. (Foto: Günter Peitz)
Günter Peitz

Die Stühle im nüchternen Konferenzsaal des Innenministeriums in Stuttgart sind beinhart. Nach zwei Stunden spürt man den Rücken. Fast so lange dauert ein musikalisch umrahmter Festakt mit anschließendem Stehempfang. Im Mittelpunkt: 20 Männer und einige Frauen aus verschiedenen Teilen von Baden-Württemberg, die meisten in den Uniformen der Feuerwehr, des Roten Kreuzes, des Technischen Hilfswerks, der DLRG, der Polizei, der Bundeswehr und anderer Hilfsorganisationen. Staatssekretär Wilfried Klenk überreichte ihnen in Vertretung des verhinderten Innenministers Thomas Strobel das Bevölkerungsschutz-Ehrenzeichen. Aus dem Kreis Ravensburg erhielt die Auszeichnung für besondere Verdienste im Katastrophen- und Zivilschutz Alfred Bosch.

Kleine Delegation reist in die Landeshauptstadt

Vorsitzender Dieter Meschenmoser und Geschäftsführer Gerhard Krayss vom Kreisverband Ravensburg des Roten Kreuzes führten die kleine Delegation an, die Alfred Bosch (54) in die Landeshauptstadt begleitete. Allein das schon machte die Wertschätzung deutlich, die dieser Mann beim DRK und darüber hinaus auf Stadt-, Kreis- und Landesebene genießt. Hauptberuflich im Rettungsdienst tätig, gehört der Ravensburger Südstädtler nun schon seit 33 Jahren zu den herausragenden ehrenamtlichen Rotkreuzlern.

„Ein Ehrenamtlicher, wie er im Buche steht“

Seit 13 Jahren ist er Vorsitzender des DRK-Ortsverbandes Ravensburg, war vorher lange Bereitschaftsleiter, ist zusätzlich Katastrophenschutzbeauftragter des Kreisverbandes und stellvertretend auch auf Landesebene in dieser Funktion tätig. „Ein Ehrenamtlicher, wie er im Buche steht“, rühmte ihn Staatssekretär Klenk, der die Verdienste jedes der 20 Frauen und Männer sehr einfühlsam würdigte – wohlwissend, dass „90 Prozent aller Einsätze im Bevölkerungsschutz in Baden-Württemberg auf den Schultern der Ehrenamtlichen lasten“.

Zahllose Einsätze

Was bei Alfred Bosch sehr deutlich wurde: Er hat sich als fähiger und erfahrener Organisator beim Roten Kreuz auf lokaler und Landesebene immer wieder hervorgetan und dabei Menschlichkeit und Gespür für soziale Nöte bewiesen. Nur stichwortartig kann dieses enorme Engagement in den vergangenen Jahrzehnten hier umrissen werden: Tafelladen, Kleiderladen, Schnelleinsatzgruppe, Einsatzleiter beim Hochwasser in Kempten.

Bei WM 2006 und Nato-Gipfel im Einsatz

Der Einsatz als Leiter von 40 Rettern nach dem Flugzeugabsturz bei Überlingen, für den die Gruppe schon bereit stand, blieb ihm erspart. Unvergessen ist sein strapaziöser Einsatz 2015/16 als Leiter der Halle auf dem Burach zur Aufnahme von Flüchtlingen. „Mit diesen Menschen wertschätzend umgehen, dabei aber eine rechtsstaatliche Linie fahren“, lautete damals seine Maxime: Weniger bekannt ist, dass der 54-Jährige auch in die Organisation der Fußballweltmeisterschaft 2006 und des Nato-Gipfels in Baden-Baden eingebunden war.

Land knausert nicht beim Stehempfang

Dass er zu den verdienten 20 Leuten gehörte, die vom Innenministerium in diesem Jahr für die Verleihung des Bevölkerungsschutz-Ehrenzeichens ausgewählt worden waren, wusste er zu schätzen. Allerdings begnügte er sich beim Stehempfang, der sich an den Festakt anschloss und bei dem das Land zur Freude der hungrigen und durstigen Versammelten nicht so knauserte wie bei seinen Stühlen, nicht mit einem Dankeschön gegenüber seinen Gesprächspartnern. Darunter waren etliche Landtagsabgeordnete, auch August Schuler, sowie zuständige Fachleute des Innenministeriums.

„So kann es nicht weitergehen“

Vielmehr machte er, zusammen mit DRK-Kreisvorsitzenden Meschenmoser, gehörig Druck nach dem Motto: „So kann es nicht weitergehen.“ Gemeint war, dass Bund und Land ihre Zusagen, die hoheitliche Aufgabe, den Zivil- und Bevölkerungsschutz angemessen zu finanzieren, in den vergangenen 15 Jahren nach Erfahrung beider so gut wie nicht eingehalten haben.

Positionspapier spart nicht mit Kritik

Die Folge für den DRK-Kreisverband: Er muss 84 Prozent dieser Kosten von 200 000 Euro jährlich selbst finanzieren, teils aus Spendengeldern. Dazu Meschenmoser: „Das ist fast existenzbedrohend.“ In einem 24-seitigen geharnischten Positionspapier, das der Kreisverband erarbeitet und hinter das sich inzwischen auch der Landesverband des Roten Kreuzes gestellt hat, wird diesbezüglich kein Blatt vor den Mund genommen, um den politisch Verantwortlichen Druck zu machen. Der Kreisverband ist da Vorreiter und demnächst hat er Termin in Berlin. Wobei man sich bewusst sei, dass es sich hier um das Bohren dicker Bretter handelt. Offiziell war übrigens bei dem Festakt von den Finanzierungsproblemen beim Bevölkerungsschutz mit keinem Wort die Rede.

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